DAVOSChef, Hilfsorganisation

DAVOS / Chef von Hilfsorganisation: Forum wird seiner Aufgabe nicht gerecht

23.01.2026 - 06:33:10

Das Weltwirtschaftsforum hat nach Ansicht der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) zu wenig Augenmerk auf humanitÀre Krisen gelegt.

"Bei globalen Fragen gab es in Davos Leerstellen", sagte IRC-PrĂ€sident David Miliband der Deutschen Presse-Agentur in Davos. Der ehemalige britische Außenminister kritisierte, die Teilnehmer seien auf sich selbst und ihre Probleme fokussiert gewesen.

FĂŒr Schlagzeilen von der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Alpenort hatten vor allem US-PrĂ€sident Donald Trump und der Grönland-Konflikt mit Europa sowie der Auftritt des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj gesorgt.

Konkret kritisierte Miliband, dass große humanitĂ€re Krisen wie der Konflikt im Sudan kaum prĂ€sent gewesen seien, obwohl sie Millionen von Menschen betrĂ€fen und erhebliche regionale Auswirkungen hĂ€tten. Auch die Klimakrise sei vernachlĂ€ssigt worden, sagte er. "Der Klimawandel hört nicht auf, nur weil Davos nicht mehr darĂŒber redet." Klimawandel und Konflikte seien eng miteinander verknĂŒpft und mĂŒssten immer auf der Agenda stehen.

Staaten ziehen sich aus der Verantwortung zurĂŒck

Die USA, aber auch andere Staaten zögen sich aus der internationalen Verantwortung zurĂŒck, kritisierte Miliband. Dabei könnten die USA als Anker des globalen Systems nicht ersetzt werden. "Wir bewegen uns auf eine Art Flickenteppich-Multilateralismus zu. Die Gefahr dabei ist, dass die großen globalen Probleme nicht angemessen angegangen werden", sagte Miliband. Davos werde seiner Rolle als Forum fĂŒr diese zentralen Fragen derzeit nur eingeschrĂ€nkt gerecht.

Was Miliband ĂŒber Gaza sagt

Die IRC stellt jĂ€hrlich eine "Watchlist" vor, mit der sie auf LĂ€nder mit humanitĂ€ren Krisen hinweist, die es zu beachten gilt. FĂŒr 2026 steht erneut der Sudan an der Spitze, gefolgt von den PalĂ€stinensischen Autonomiegebieten und dem SĂŒdsudan. Ein wenig Hoffnung macht Miliband die Lage im Gazastreifen. "Die Anzahl der Lastwagen, die humanitĂ€re Hilfe liefern, liegt noch nicht bei den versprochenen 600 pro Tag, steigt aber", sagte er. "Es gibt zwar weiterhin MangelernĂ€hrung in Gaza, aber keine Hungersnot mehr."

@ dpa.de