ROUNDUP, Landwirtschaft

Landwirtschaft nach Seuchenausbruch in Sorge

13.01.2025 - 14:54:03

Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche versetzt Landwirtinnen und Landwirte bundesweit in Sorge.

"Es muss alles darangesetzt werden, um diesen Ausbruch einzudĂ€mmen", teilte der PrĂ€sident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, mit. "Obwohl das Virus fĂŒr den Menschen völlig ungefĂ€hrlich ist, ist der wirtschaftliche Schaden fĂŒr die Tierhalter erheblich." Bund und LĂ€nder mĂŒssten nun eng zusammenarbeiten.

Schaden fĂŒr Brandenburg sofort spĂŒrbar

"Die Maul- und Klauenseuche ist fĂŒr uns Landwirte ein Supergau, wenn sie in der FlĂ€che vorkommt", sagte auch der LandesbauernprĂ€sident aus Brandenburg, Henrik Wendorff, der Deutschen Presse-Agentur. Wirtschaftlich seien die Auswirkungen fĂŒr Brandenburger Betriebe sofort spĂŒrbar gewesen.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hochansteckende Viruserkrankung bei Klauentieren wie Rindern, Schafen, Ziegen oder Schweinen. Betroffene Tiere zeigen hÀufig hohes Fieber und BlÀschenbildung im Maul- und Klauenbereich.

Zur EindĂ€mmung der Tierseuche hatte das Brandenburgische Landwirtschaftsministerium von Samstag bis Montagnacht - genau fĂŒr 72 Stunden - ein Verbot angeordnet, Klauentiere zu transportieren.

StĂ€lle seien deshalb ĂŒberbelegt, sagte Wendorff. "Man muss sich vorstellen, das sind alles ZeitlĂ€ufe und AblĂ€ufe, die getaktet sind." Unter den Tierhaltern gebe es eine große Solidargemeinschaft, wie die Tierseuchenkasse, die Teile des Schadens auffange. Die Höhe der SchĂ€den sei aber noch nicht zu beziffern.

Handel innerhalb der EU noch möglich

Bundesagrarminister Cem Özdemir (GrĂŒne) hat nach Angaben seines Ministeriums bereits den Kontakt zu seinen Amtskollegen aus den LĂ€ndern aufgenommen, um sie ĂŒber die Lage zu informieren. Mit Vertretern der Branche traf sich Özdemir am Nachmittag in Baden-WĂŒrttemberg.

Die konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen fĂŒr die Betriebe seien noch unklar, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Handel mit Agarprodukten, die nicht aus den Sperrzonen stammen, sei innerhalb der EU weiterhin möglich. Bei Drittstaaten, mit denen der Handel ĂŒber Zertifikate stattfinde, gebe es noch keinen genauen Überblick. Unter anderem SĂŒdkorea und Mexiko hĂ€tten aber bereits angekĂŒndigt, vorerst kein Schweinefleisch mehr aus Deutschland zu importieren.

Weitere Tiere werden getötet

Unterdessen sollten weitere Tiere aufgrund des Ausbruchs der Tierseuche in Brandenburg getötet werden. Auf einem Betrieb in Schöneiche (Landkreis Oder-Spree) betreffe das 55 Ziegen und Schafe sowie 3 Rinder, die vorsorglich gekeult wĂŒrden, sagte eine Sprecherin des Landkreises.

Hintergrund sei, dass der Hof Heu vom betroffenen BĂŒffel-Betrieb in Hönow bezogen hatte. Dort - ganz in der NĂ€he von Berlin - war das MKS-Virus in Proben von WasserbĂŒffeln nachgewiesen worden. Bei dem Hof in Schöneiche handele es sich um einen Kontaktbestand, sagte Brandenburgs Agrarministerin Hanka MittelstĂ€dt (SPD) im RBB-Inforadio.

Bislang keine weiteren bestÀtigten FÀlle bekannt

"Dementsprechend musste dort auch die Tötungsanordnung kommen, weil eben die Ausbreitung deutlich eingedÀmmt werden muss. Wir wissen nicht, ob das Heu tatsÀchlich auch das MKS-Virus in sich hatte."

Bislang seien keine weiteren bestÀtigten FÀlle bekannt. "Stand heute Morgen ist, dass die gegenwÀrtig ausgewerteten Proben keinen weiteren positiven Befund hatten", sagte MittelstÀdt weiter.

Landkreis: Ziegen zeigen keine Krankheitssymptome

In Schöneiche, wo Ziegen und andere Tiere vorsorglich getötet werden, sollen Proben untersucht werden. Ein Krisenstab mit TierÀrzten sei im Einsatz, sagte die Sprecherin des Oder-Spree-Kreises. Krankheitsanzeichen zeigten die Tiere nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Zuvor waren bereits rund 170 Schweine im Landkreis Barnim getötet worden, weil dieser Tierbestand in der NÀhe des Ausbruchsorts liegt.

Die Auswirkungen waren am Montag auch in Berlin zu spĂŒren. Wegen der Maul- und Klauenseuche werden einige Kinderbauernhöfe vorsichtshalber geschlossen. Am Gehege des Tierhofs Alt-Marzahn etwa wurden Schilder angebracht, auf denen wegen der Gefahr fĂŒr die Tiere darum gebeten wurde, sie weder anzufassen noch zu fĂŒttern.

Auch der Tierhof Helle Tierarche in Marzahn-Hellersdorf schloss wegen der Tierseuche. Der Betrieb befindet sich innerhalb der Schutzzone um die betroffene Weide mit den WasserbĂŒffeln in Hönow. "Wir hoffen, dass wir verschont bleiben", sagte Projektleiter Monty Geiseler. Bislang gehe es allen Tieren gut. Am Freitag war ein Schaf der Tierarche gestorben, wurde anschließend aber negativ auf MKS getestet.

Döberitzer Heide sperrt EingÀnge zum Schutz der Wildtiere

Westlich von Berlin im Naturschutzgebiet Döberitzer Heide wurden zudem sĂ€mtliche EingĂ€nge bis auf Weiteres gesperrt. "Wir appellieren in aller Dringlichkeit an die Bevölkerung, die Döberitzer Heide vorerst nicht mehr zu betreten oder zu befahren und auch die angrenzenden ParkplĂ€tze zu meiden", teilte der Leiter der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide, Peter Nitschke, mit. "Die Maul-und-Klauenseuche ist eine sehr ernste Gefahr fĂŒr unsere Wisente, Rothirsche und genauso fĂŒr die vielen Weidetiere unserer PĂ€chter wie etwa Galloway-Rinder, WasserbĂŒffel, Schafe und Ziegen."

@ dpa.de