Baustoffhersteller Knauf zieht sich aus Russland zurĂŒck
22.04.2024 - 09:09:44Der frĂ€nkische Familienkonzern bestĂ€tigte am Montag in Iphofen den geplanten Ausstieg: "Die Knauf Gruppe hat vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen entschieden, sich nach mehr als 30 Jahren in Russland von ihrem dortigen GeschĂ€ft zu trennen." Es sei "der Wunsch des Unternehmens, das gesamte GeschĂ€ft in Russland inklusive Rohstoffgewinnung, der Produktion und des Vertriebs auf das lokale Management zu ĂŒbertragen, um die ArbeitsplĂ€tze der mehr als 4000 Mitarbeiter auch in Zukunft zu erhalten", teilte das Unternehmen weiter mit. Die geplante Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die zustĂ€ndigen Behörden in Russland. GrĂŒnde fĂŒr die Beendigung des Russland-GeschĂ€fts nannte die Gruppe nicht. Zuvor hatte "Business Insider" darĂŒber berichtet.
Der Familienkonzern, der 2022 mit rund 15,4 Milliarden Euro Umsatz zu den gröĂten Baustoffherstellern weltweit zĂ€hlte, war zuletzt wegen seiner Russland-GeschĂ€fte erneut in die Kritik geraten. Ein Bericht des ARD-Magazins "Monitor" hatte angedeutet, dass Knauf beim Wiederaufbau der von Russland besetzten ukrainischen Stadt Mariupol mithelfe und sich nicht an Sanktionsauflagen halte. Reporter hatten demnach auf GipssĂ€cken in Mariupol den Namen Knauf entdeckt. Das Unternehmen betonte daraufhin, seit Februar 2022 keine Waren mehr nach Russland zu liefern und auch nichts mehr aus Russland zu exportieren. Knauf liefere aus der EU auch keine Baustoffe nach Mariupol.
Das Unternehmen betreibt ein Werk bei Kiew und 14 ProduktionsstĂ€tten mit 4000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Russland. In einer Stellungnahme zu dem ARD-Bericht hieĂ es, Knauf verurteile den Angriffskrieg?auf die?Ukraine und befolge?sĂ€mtliche Sanktionen der EU, GroĂbritanniens und der USA gegen Russland. "Wir weisen den Vorwurf, das nicht zu tun, aufs SchĂ€rfste zurĂŒck." Das Familienunternehmen produziere Baustoffe, sei aber nicht als Bauherr oder Investor an Bauvorhaben beteiligt. "Knauf unterhĂ€lt keine direkten LiefervertrĂ€ge zu Verbrauchern oder Verarbeitern von Knauf-Produkten in Russland. Unsere Produkte gelangen dort ĂŒber viele verschiedene, von Knauf unabhĂ€ngige HĂ€ndler zu den Endkunden. Wir haben keinen Einfluss darauf, wie und wo die Endkunden unsere Produkte verwenden."
Das Unternehmen, das sich komplett im Besitz der Familie Knauf befindet, ist in ĂŒber 90 LĂ€ndern vertreten und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 300 Werke mit rund 40 000 BeschĂ€ftigten auf allen fĂŒnf Kontinenten.

