Bayer-AktionÀren droht Kapitalerhöhung - Kursrutsch
07.03.2025 - 13:50:03Auf der Hauptversammlung am 25. April werde die Zustimmung zu einer EigenkapitalermÀchtigung von 35 Prozent angestrebt, schreibt der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Winkeljohann in einem am Freitag veröffentlichten Brief an die Anteilseigner. Dabei sollen die AktionÀre nicht vom Bezugsrecht ausgeschlossen werden. Der Kurs der Bayer-Aktie geriet am Freitag stark unter Druck.
ErmĂ€chtigungen sind nicht unĂŒblich bei Unternehmen, doch in diesem Fall geht es schon um eine besonders hohe Summe. Grund sind die Rechtsstreitigkeiten des Konzerns wegen des Unkrautvernichters Glyphosat in den USA. "WĂ€hrend wir daran arbeiten, die Rechtsstreitigkeiten einzudĂ€mmen, befinden wir uns in einer Situation, in der wir unter UmstĂ€nden schnell Kapital benötigen", schrieb Winkeljohann weiter. Die Erlöse wĂŒrden ausschlieĂlich genutzt, um die Bilanz wĂ€hrend der Beilegung der Rechtsstreitigkeiten widerstandsfĂ€hig zu halten. Ăbernahmen wolle Bayer damit nicht finanzieren.
Der Aufsichtsratschef betonte zudem, dass Bayer derzeit keine spezifischen PlĂ€ne verfolge, von der ErmĂ€chtigung Gebrauch zu machen. "Mit der Genehmigung könnten wir jedoch vermeiden, Schulden zu ungĂŒnstigen Konditionen aufnehmen zu mĂŒssen."
Die hohen Schulden des Konzerns sind eine Folge der Ăbernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto im Jahr 2018 unter dem damaligen Bayer-Chef Werner Baumann. Mit der Akquisition hatte sich der Konzern die Rechtsstreitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter sowie angebliche Gesundheitsfolgen der seit Jahrzehnten verbotenen Chemikalie PCB ins Haus geholt. Vor allem das Thema Glyphosat hat schon Milliarden verschlungen.
Wie Bayer am Mittwoch im Zuge der Veröffentlichung von GeschĂ€ftszahlen fĂŒr 2024 mitgeteilt hatte, wurden bis zum 31. Januar von insgesamt circa 181.000 angemeldeten AnsprĂŒchen in der Causa Glyphosat rund 114.000 per Vergleich beigelegt, oder sie erfĂŒllen aus verschiedenen GrĂŒnden nicht die Vergleichskriterien.
Bayer hofft weiterhin perspektivisch auf ein Grundsatzurteil des obersten US-Gerichts, des Supreme Courts, zum Thema Glyphosat. Hintergrund sind unterschiedliche Urteile untergeordneter Gerichte zur Frage, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf von Unkrautvernichtern ĂŒber dem Recht von Bundesstaaten steht. Allerdings ist offen, wann und ob sich der Supreme Court der Sache annehmen wird.
Der seit Juni 2023 amtierende Bayer-Chef Bill Anderson hatte am Mittwoch erklĂ€rt, dass das Timing hier etwas ungewiss sei. Denn es gebe mehrere FĂ€lle, die die Grundlage fĂŒr den Gang zum Supreme Court bilden könnten - "und jeder dieser FĂ€lle arbeitet sich durch die unteren Berufungsgerichte".
Der Manager geht davon aus, dass noch in diesem Jahr einer der FĂ€lle beim obersten US-Gericht eingereicht wird. Ein Urteil könnte dann gegen Ende des laufenden oder in der ersten HĂ€lfte des kommenden Jahres gefĂ€llt werden. Mehr Klarheit hinsichtlich des Timings stellt Anderson fĂŒr die kommenden 90 bis 120 Tagen in Aussicht.
FĂŒr den Bayer-Aktienkurs ging es am Freitag um zuletzt 7,6 Prozent auf 22,97 Euro nach unten. Damit bringt es der im deutschen Leitindex Dax notierte Konzern auf einen Börsenwert von noch rund 22,6 Milliarden Euro.

