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Die Wartezeit auf Briefe wird sich 2025 verlÀngern

06.03.2024 - 16:34:53

Der Briefversand wird in Deutschland ab dem nÀchsten Jahr lÀnger dauern als bisher.

Das zustĂ€ndige Vorstandsmitglied des Post-Konzerns DHL DE0005552004, Nikola Hagleitner, sagte am Mittwoch in Bonn, dass man ab Januar 2025 mit neuen staatlichen Regeln rechne. Diese Regeln sollen den Zeitdruck bei der Briefbeförderung abschwĂ€chen. Man werde aber nicht sofort umstellen auf eine "maximale LaufzeitverlĂ€ngerung", sondern dies schrittweise tun. Bisherige BetriebsablĂ€ufe wĂŒrden entsprechend geĂ€ndert. "Wir wollen die FlexibilitĂ€t ĂŒber die nĂ€chsten Jahre ausdehnen."

Bisher ist die Deutsche Post, wie sich der global operierende Konzern DHL in seinem inlĂ€ndischen StammgeschĂ€ft nennt, dazu verpflichtet, mindestens 80 Prozent der heute eingeworfenen Briefe am nĂ€chsten Werktag zuzustellen, inklusive Samstag. 95 Prozent mĂŒssen am ĂŒbernĂ€chsten Werktag beim EmpfĂ€nger sein. Diese Regel stammt noch aus den 90-er Jahren, als das Internet nur eine Nebenrolle spielte. Inzwischen ist die Nachfrage nach Briefen rapide gesunken, da die Menschen auf digitale Kommunikation setzen, ob Mails oder Chats.

Derzeit sitzt die Politik an der Reform des Postgesetzes, das in wesentlichen Teilen seit 1998 unverĂ€ndert gilt. Die Novelle soll zwar erst im FrĂŒhjahr abgeschlossen sein. In der Politik ist es aber schon jetzt weitgehend Konsens, die Brief-Zeitvorgaben angesichts der verĂ€nderten Nachfrage abzuschwĂ€chen. KĂŒnftig sollen 95 Prozent der heute eingeworfenen Briefe erst drei Werktage spĂ€ter da sein.

Die neuen Laufzeitvorgaben wĂŒrden aber nicht schon bei Inkrafttreten des Gesetzes gelten, vielmehr hĂ€ngen sie mit dem ĂŒblichen, alle drei Jahre durchgefĂŒhrten Portoverfahren der Bundesnetzagentur zusammen - und das greift zum Januar 2025. Ab diesem Zeitpunkt darf die Post aller Voraussicht nach ein höheres Porto nehmen und den verminderten Laufzeitvorgaben folgen. Es wird also teurer, einen Brief zu verschicken, und es wird im Schnitt lĂ€nger dauern, bis das Schreiben im Briefkasten ist.

Wem es wichtig ist, dass ein Brief möglichst schnell da ist, der kann allerdings einen sogenannten Prio-Brief aufgeben. Den gibt es schon jetzt, er fĂŒhrt aber ein Nischendasein und kostet einen Aufschlag von 1,10 Euro. Was diese Sendungsart kĂŒnftig kostet, ist noch unklar.

VorstĂ€ndin Hagleitner machte nun klar, dass man bezĂŒglich der Umsetzung der neuen Vorgaben nichts ĂŒberstĂŒrzen wolle. "Wir haben noch einiges an BetriebsablĂ€ufen anzupassen, darum wird es keine harte Umstellung von einem Tag auf den anderen werden."

Der Konzernbereich spielt in dem global tĂ€tigen Konzern mit seinen rund 594 000 Vollzeitstellen nur noch eine Nebenrolle: Die Brief- und Paketbeförderung im Inland macht circa ein FĂŒnftel der KonzernumsĂ€tze aus. Beim operativen Ergebnis ist es nur etwa ein Siebtel - das StammgeschĂ€ft ist also deutlich weniger profitabel als andere Konzernbereiche.

Die Postgesetz-Reform soll die einstige Bundespost nun von einem Teil ihres Kostenballastes im StammgeschĂ€ft befreien. Dazu gehören Nachtflieger, die noch immer zur Briefbeförderung eingesetzt werden. Das liegt an besagtem regulatorischen Zeitdruck - von montags bis freitags fliegen drei Maschinen zwischen Hannover und MĂŒnchen, Hannover und Stuttgart sowie Stuttgart und Berlin hin und zurĂŒck, an Bord ausschließlich beladen mit Briefen. Das gilt auch in puncto Klimaschutz als fragwĂŒrdig. Ende MĂ€rz soll damit Schluss sein.

Der am Mittwoch vorgelegte GeschĂ€ftsbericht zeigt starke Bremsspuren im BriefgeschĂ€ft, das gewissermaßen die Wurzel der Post ist. Die Sendungsmenge sank im vergangenen Jahr Firmenangaben zufolge um 5,6 Prozent auf rund 12,6 Milliarden. 2022 war es nur ein Minus von 0,3 Prozent gewesen, in den Jahren davor hatte sich der RĂŒckgang in der Spanne von 2 bis 3 Prozent bewegt. Die Nachfrage nach Paketen steigt hingegen, 2023 beförderte DHL in Deutschland rund 1,7 Milliarden solcher Sendungen und damit 3,8 Prozent mehr als 2022. Der Logistiker ist im Brief- und PaketgeschĂ€ft MarktfĂŒhrer in Deutschland.

@ dpa.de | DE0005552004 ERGEBNISSE