Brenntag verdient weniger und wird vorsichtiger fĂŒr 2024 - Kursrutsch
14.05.2024 - 10:11:49"Wir sind mit unserer Leistung nicht zufrieden", sagte Unternehmenschef Christian Kohlpaintner am Dienstag laut Mitteilung. Die schwierigen Marktbedingungen mit geopolitischen Spannungen und anhaltenden Inflationstendenzen fĂŒhrten zu Preisdruck und einer geringer als erwarteten Nachfrage in bestimmten MĂ€rkten. Dies habe sich auf die Ergebnisse ausgewirkt. FĂŒr das Gesamtjahr wird Brenntag vorsichtiger und peilt nun beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (operatives Ebita) nur noch das untere Ende der Zielspanne an.
An der Börse kam dies nicht gut an. Die Aktie fiel im frĂŒhen Handel um mehr als acht Prozent und war damit Dax-Schlusslicht. Nach EinschĂ€tzung von Analyst Christian Obst von der Baader Bank ist der ChemikalienhĂ€ndler verhalten ins Jahr gestartet. Analystin Suhasini Varanasi von Goldman Sachs sah bei den Essenern zum Jahresstart die gleichen schwachen Trends wie bei den Branchenkollegen IMCD und Azelis. Der an das untere Ende der Zielspanne verlagerte Ausblick impliziere eine Konsens-Korrektur von vier Prozent. Experte Chetan Udeshi von JPMorgan findet auch die neuen Ziele noch optimistisch.
Im ersten Quartal bekam Brenntag eine schwĂ€chere Nachfrage zu spĂŒren. Der Umsatz schrumpfte im Jahresvergleich um knapp 12 Prozent auf rund vier Milliarden Euro. Das operative Ergebnis ging um knapp ein Viertel auf 259,7 Millionen Euro zurĂŒck. Unter dem Strich blieb ein auf die AktionĂ€re anfallender Gewinn von 141,4 Millionen Euro nach 215,9 Millionen ein Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt mit mehr operativem Gewinn gerechnet.
Im Gesamtjahr rechnet der Konzern nun nur noch mit dem unteren Ende der im MĂ€rz ausgegebenen Gewinnprognose von 1,23 bis 1,43 Milliarden Euro. Das wĂ€re beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (operatives Ebita) im schlechtesten Fall ein RĂŒckgang im Vergleich zum Vorjahr.
Um die Kosten zu senken, hatte der Vorstand um Unternehmenschef Kohlpaintner im Sommer weitere MaĂnahmen eingeleitet. Das Unternehmen schloss 25 Standorte und baute mehr als 400 Stellen ab, wie Finanzchefin Kristin Neumann im MĂ€rz gesagt hatte. Bereits bis Ende 2022 waren mehr als 1300 Jobs gestrichen und 100 Standorte geschlossen worden. Insgesamt will Brenntag bis 2027 auf Jahressicht 300 Millionen Euro einsparen. Die Einmalkosten hatte das Unternehmen auf 250 Millionen Euro beziffert.
Derweil treibt der Konzern die Entflechtung seiner beiden Sparten voran. Die GeschĂ€fte mit Prozesschemikalien (Essentials) sowie mit SpezialitĂ€ten fĂŒr bestimmte Branchen (Specialties) sollen bis 2026 eigenstĂ€ndig aufgestellt werden. Brenntag erwartet so deutliche Effizienzsteigerungen und Einsparungen bei den Verwaltungskosten, den Ausgaben sowie in der Lieferkette.
Insbesondere das SpezialitĂ€tengeschĂ€ft soll sich so besser entwickeln. Der Bereich liegt Kohlpaintner zufolge hinter den Wettbewerbern zurĂŒck, diese LĂŒcke soll geschlossen werden. Danach will das Management verschiedene strategische Optionen prĂŒfen. Ob es zu einer Aufspaltung kommt, ist noch offen.
Aktivistische Investoren, in deren Visier der ChemikalienhĂ€ndler geraten ist, hatten auf eine Aufspaltung in die beiden Bereiche fĂŒr Spezial- und Basischemikalien gedrĂ€ngt. Dabei machte vor allem der britische Finanzinvestor Primestone auf sich aufmerksam. Primestone sowie der US-Hedgefonds Engine Capital erhoffen sich dadurch eine schnelle Wertsteigerung.
Brenntag handelt international mit Industrie- und Spezialchemikalien sowie Inhaltsstoffen. Das Unternehmen kauft die Stoffe bei Chemiekonzernen in gröĂeren Mengen ein und verkauft sie in kleineren Mengen. In den vergangenen Jahren ist Brenntag mithilfe kleinerer Ăbernahmen gewachsen.
KonjunkturabschwĂŒnge treffen das Unternehmen in der Regel weniger stark als Chemiekonzerne, weil Kunden dann weniger Chemikalien benötigen und diese vermehrt beim HĂ€ndler statt beim Produzenten kaufen. Zuletzt beschĂ€ftigte Brenntag mehr als 17 700 Mitarbeiter.

