Aktien Frankfurt: Dax bleibt nach EZB-Entscheid unter Druck - Ölpreise ziehen an
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 14:52 Uhr | dpa.deFür Unsicherheit sorgten die weiter steigenden Ölpreise und Gewinnmitnahmen bei Chipwerten als Reaktion auf einen enttäuschenden Ausblick von STMicroelectronics NL0000226223.
Zudem herrschte Zurückhaltung, weil Europas größter Softwarekonzern SAP DE0007164600 am Abend nach US-Börsenschluss seine mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen vorlegt. Unternehmenschef Christian Klein steht wegen der Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz (KI) unter Druck. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Leitzinsen im Euroraum unverändert zu lassen, war derweil vom Markt erwartet worden und bewegte dementsprechend kaum.
Der deutsche Leitindex fiel unter die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten und büßte zuletzt 1,1 Prozent auf 24.883 Punkte ein. Für den MDax DE0008467416 der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,7 Prozent auf 31.773 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 verlor 1,4 Prozent.
Steigende Ölpreise wegen der anhaltenden Angriffe im Iran-Krieg schürten weiter Inflationsängste und blieben damit ein Problem für die Märkte. Der Preis für die Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im September stieg über die Marke von 99 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Zudem erklärten vom Iran unterstützte Huthi-Milizen, sie hätten zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer angegriffen; dies verschärft den Nahostkonflikt weiter und droht zu schwerwiegenderen Versorgungsunterbrechungen zu führen.
Als Belastung hinzukam, dass die nach US-Börsenschluss vorgestellten Zahlen der US-Konzerne die Anleger nicht überzeugten - obwohl der Internetriese Alphabet US02079K3059 im vergangenen Quartal die Wall-Street-Erwartungen übertroffen hatte. Da Googles Mutterkonzern noch mehr Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur stecken will, kamen die Aktien vorbörslich unter Druck.
STMicroelectronics NL0000226223 hatte seine zuletzt erfolgsverwöhnten Anleger mit dem Umsatzausblick enttäuscht und die Aktien so auf Talfahrt geschickt, was auch auf die hiesigen Wettbewerber negativ abfärbte. So fielen die Papiere von Infineon DE0006231004 am Dax-Ende um 4,6 Prozent. Unter den größten Verlierern im MDax gaben die Anteilsscheine von Suss Microtec DE000A1K0235 um 4,1 Prozent nach.
Hinsichtlich der Berichtssaison hierzulande gewannen die Papiere von Daimler Truck DE000DTR0CK8 an der Dax-Spitze mehr als fünf Prozent. Der Nutzfahrzeug-Hersteller hatte dank Fortschritten in den Vereinigten Staaten die Prognose erhöht. Im MDax hatten die Anteilsscheine des Wettbewerbers Traton DE000TRAT0N7 mit einem Plus von gut elf Prozent die Nase vorn. Die VW-Nutzfahrzeugtochter DE0007664039 wird für das Gesamtjahr etwas optimistischer.
Aus der Brache gab es aber auch eine schlechte Nachricht: Der Zulieferer Stabilus DE000STAB1L8 verliert mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr etwas an Optimismus. Hier knickten die Papiere als Schlusslicht im Nebenwertindex SDax DE0009653386 um 15 Prozent ein.
Die Anteilsscheine von LPKF DE0006450000 revidierten ihre jüngste Erholung und sackten um fast 14 Prozent ab. Das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld und die anhaltende Auftragsschwäche im Solargeschäft hatten dem Laserspezialisten im zweiten Quartal rote Zahlen eingebrockt.
Im MDax büßten die Vorzugsaktien von Sartorius DE0007165631 anfängliche Gewinne schnell ein und fielen zuletzt um anderthalb Prozent. Die Zahlen des Laborausrüsters seien wegen Zollrückerstattungen etwas unübersichtlich ausgefallen, schrieb Analyst Charles Weston von der kanadischen Bank RBC./la/mis
--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---
