Arte will mithilfe von EU-Fördergeld Mediathek europaweit ausbauen
13.06.2024 - 11:34:01Die VizeprĂ€sidentin des Vorstands der Arte-Zentrale, Heike Hempel, teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: "Um alle Menschen in Europa anzusprechen, braucht es ein gröĂeres Volumen an Programmen in den jeweiligen Sprachen und es mĂŒssen natĂŒrlich auch neue Sprachen hinzugefĂŒgt werden." Man wolle eine umfassende Plattform schaffen.
Bereits heute gebe es Inhalte neben Deutsch und Französisch auf Englisch, Spanisch, Polnisch und Italienisch, erlĂ€uterte die TV-Managerin. Rund ein FĂŒnftel der Videoabrufe stammten aus anderen LĂ€ndern als Deutschland und Frankreich. Zahlreiche Arte-Inhalte seien bereits europaweit zugĂ€nglich. "Generell ist es so, dass wir natĂŒrlich gerne so viele Sprachen wie möglich hinzufĂŒgen wollen, das aber von den europĂ€ischen Fördermitteln abhĂ€ngt, mit denen wir bereits bestehende Inhalte in weiteren Sprachen anpassen", fĂŒhrte Hempel aus.
In den kommenden Monaten will Arte das Ausbau-Konzept weiterentwickeln. "Es geht hier nicht nur um Ăbersetzung und Untertitelung der Inhalte, sondern vor allen Dingen um die Lokalisierung und Anpassung des Programmkatalogs an die ZiellĂ€nder", ergĂ€nzte Hempel. Man wolle noch stĂ€rker mit Autorenteams aus den jeweiligen LĂ€ndern zusammenarbeiten. Auch soll die Zahl der europĂ€ischen Koproduktionen mit den europĂ€ischen Partnersendern erhöht werden.
EU-Förderung seit 2015
Nach Arte-Angaben wird der deutsch-französische Sender seit 2015 mit europĂ€ischen Fördermitteln unterstĂŒtzt. "Damit stellen wir aber kein Programm her, sondern sorgen fĂŒr die Anpassung der bestehenden Inhalte an die jeweiligen Sprachen und LĂ€nder und die Distribution. Mit weiteren Mitteln könnten wir den mehrsprachigen Programmkatalog ausbauen und ein Konzept umsetzen, das darauf abzielt, dass alle EuropĂ€erinnen und EuropĂ€er Arte erleben können", sagte Hempel.
Die Arte-PlĂ€ne hatten unlĂ€ngst Aufmerksamkeit von höchster Stelle bekommen. Bei seinem Deutschlandbesuch hatte Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron die Idee befĂŒrwortet. Von Medienstaatsministerin Claudia Roth (GrĂŒne) hieĂ es, die Bundesregierung begrĂŒĂe das Anliegen Artes, sich noch stĂ€rker und umfassender zu einer europĂ€ischen Plattform weiterzuentwickeln. Arte arbeite VorschlĂ€ge aus, um sie mit den BundeslĂ€ndern, der Medienstaatsministerin und den französischen Partnern weiter zu besprechen.
Die Rundfunkkommission der BundeslĂ€nder hatte sich im Mai in einem Beschluss zu den Arte-PlĂ€nen bekannt, zugleich deutlich gemacht, dass es fĂŒr das Vorhaben EU-Geld brauche: "Eine dauerhafte und weitere Verbreitung ĂŒber die Landesgrenzen der GrĂŒndungsstaaten hinaus und in weitere Sprachen kann nicht aus Beitragsmitteln erfolgen, sondern setzt mit Blick auf Ăbersetzung und Distribution eine Förderung durch Mittel der EU voraus."
Die Frage, ob die komplette Finanzierung von Arte durch die EU ersetzt werden soll, verneinte Hempel. Arte sei und bleibe ein deutsch-französisches Kooperationsprojekt. "Die Mittel der EU verstehen wir als zusÀtzliche Mittel, mit denen wir unser Programm mehr Menschen in Europa zugÀnglich machen können."
UnlĂ€ngst hatten ARD und ZDF angekĂŒndigt, ihre Mediathek-Technologien zu vereinheitlichen. Die jeweiligen Mediatheken bleiben dabei eigenstĂ€ndige Angebote. Die öffentlich-rechtlichen MedienhĂ€user wollen die Software auch anderen Institutionen oder Medienunternehmen zugĂ€nglich machen. Weiter in die Ferne geblickt, könnten sich die Ăffentlich-Rechtlichen sogar eine gröĂere gemeinwohlorientierte deutschsprachige Plattform unterschiedlicher Akteure vorstellen.
Auf die Frage, ob sich die Plattform-AnsÀtze von ARD/ZDF und Arte womöglich kannibalisieren könnten, antwortete Hempel: "Nein, die AnsÀtze kannibalisieren sich nicht, sondern sind komplementÀr." Der Ausbau des Arte-Angebots erfolge in Abstimmung mit ARD und ZDF.

