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Frankfurt Schluss: Dax sackt ab - Risiken und steigende Zinsen

02.09.2025 - 18:02:05 | dpa.de

Der deutsche Aktienmarkt ist am Dienstag deutlich unter Druck geraten.

Der Dax DE0008469008 rutschte weit unter die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten, die er erst tags zuvor wieder überwunden hatte. Letztlich schloss der Leitindex 2,29 Prozent tiefer bei 23.487,33 Zählern und damit auch merklich unter der 100-Tage-Durchschnittslinie, einem mittelfristigen Trendindikator. Wegen zahlreicher Risiken und steigenden Zinsen werden die Anleger angesichts der erreichten Kurshöhen vorsichtiger. Der MDax DE0008467416 der mittelgroßen Werte brach um 2,76 Prozent auf 29.604,64 Punkte ein.

"Der September scheint seinem Ruf alle Ehre zu machen", kommentierte Marktbeobachter Andreas Lipkow mit Blick auf die oftmals triste Bilanz des neu angebrochenen Monats. "Es bilden sich derzeit viele neue Risikocluster aus, die noch für erhebliche Schwankungen an den Finanzmärkten sorgen könnten." Lipkow verwies auf die konjunkturellen Folgen der US-Zölle und den gescheiterten Friedensversuch im Ukraine-Krieg. Dazu kommt der Machtkampf rund um die US-Notenbank und ihr weiteres geldpolitisches Vorgehen. Ein schwacher Start der US-Börsen nach dem feiertagsbedingt verlängerten Wochenende belastete zusätzlich.

Am Markt wurde außerdem auf steigende Zinsen sowie Sorgen rund um die Verschuldung Frankreichs verwiesen. Mit Blick auf die Staatsanleihen erreichte die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen den höchsten Stand seit 2011. In den USA stieg die Rendite der 30-jährigen Bonds ebenfalls kräftig und britische Staatsanleihen kletterten auf den höchsten Stand seit 27 Jahren. In Frankreich liegt die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen Anleihen aktuell über der griechischen. Steigende Zinsen bedeuteten auch höhere Finanzierungskosten, die direkt auf die Gewinne der Unternehmen durchschlügen, erklärte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners.

Die steigenden Renditen von Staatsanleihen belasteten auf Unternehmensseite vor allem die Immobilienwerte, die am Dienstag europaweit der mit Abstand schwächste Sektor CH0024505783 waren. Im Dax gaben die Aktien von Vonovia DE000A1ML7J1 als Schlusslicht um 6,1 Prozent nach. Im MDax zählten auch LEG DE000LEG1110, Aroundtown LU1673108939 und TAG Immobilien DE0008303504 zu den größten Verlierern.

FMC DE0005785802 musste ebenfalls deutlich Federn lassen und ging 5,3 Prozent tiefer aus dem Handel. Eine Verkaufsempfehlung durch die Schweizer Großbank UBS belastete den Dialyse-Spezialisten. Analyst Graham Doyle verwies auf strukturelle Risiken hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den USA und die Gefahr sinkender Konsensschätzungen für das operative Ergebnis.

Siemens DE0007236101 gaben um 4,4 Prozent nach und litten unter einer Abstufung durch Bernstein Research auf "Market-Perform". Analyst Nicholas Green begründete seinen Schritt mit den kräftigen Kursgewinnen der Aktie in den vergangenen Jahren. Commerzbank-Aktien DE000CBK1001, von Morgan Stanley auf "Equal-weight" abgestuft, verloren 2,8 Prozent. Auf dem aktuellen Bewertungsniveau seien zunächst weitere Fortschritte im Businessplan der Frankfurter nötig, schrieb Analyst Alvaro Serrano.

Einen heftigen Kurseinbruch von 29,3 Prozent erlitten im Kleinwerte-Index SDax DE0009653386 SMA Solar DE000A0DJ6J9. Der Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen senkte seine Prognose für das laufende Jahr und erwartet nun einen operativen Verlust. Die bereits eingeleiteten Restrukturierungsbemühen sollen nochmals verschärft werden.

Dass der Motorenbauer Deutz DE0006305006 mit dem geplanten Kauf der Sobek Group, einem Antriebsspezialisten für Drohnen, sein noch kleines Geschäft im Rüstungsmarkt ausbaut, kam dagegen gut an. Das Papier stieg um 4,3 Prozent.

Bei PVA Tepla DE0007461006 setzten nach einer Verdopplung des Aktienkurses im laufenden Jahr dagegen Gewinnmitnahmen ein. Zum Kapitalmarkttag sackten die Papiere um 3,4 Prozent ab. Der Technologiekonzern bestätigte seine Mittelfristziele und will außerdem seine Gewinnmarge langfristig deutlich steigern.

Auch in anderen Ländern Europas gaben derweil die wichtigsten Indizes nach: Der französische CAC 40 FR0003500008 verlor 0,7 Prozent, in ähnlicher Größenordnung ging es auch für den britischen FTSE 100 GB0001383545 und den SMI CH0009980894 in Zürich abwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 büßte letztlich 1,42 Prozent auf 5.291,04 Punkte ein./niw/nas

--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---

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