StÀrkere Tarifbindung verhindert?: DGB attackiert Reiche
04.02.2026 - 07:16:02Am Mittwoch sollte im Bundeskabinett der nationale Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen beschlossen werden. "Das wurde zum nunmehr vierten Mal auf DrÀngen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von der Tagesordnung genommen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell dem "Tagesspiegel". "Das ist ein Skandal."
Die EU-Mindestlohn-Richtlinie verpflichtet LÀnder mit einer Tarifbindung von unter 80 Prozent, einen Plan bei der EU-Kommission vorzulegen. Die Bundesregierung riskiert aus Sicht des DGB die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens. "Reiche muss ihren Widerstand endlich aufgeben und die Bundesregierung den Plan so schnell wie möglich auf den Weg bringen", forderte Körzell.
"Union treibt jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf"
Die Zahl der Betriebe und BeschĂ€ftigten in Deutschland, fĂŒr die ein Tarifvertrag gilt, sinkt seit Jahren. Nur bei knapp der HĂ€lfte (49 Prozent) der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer war 2024 das BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis durch einen Tarifvertrag geregelt, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Laut DGB liegen in Sachen Tarifbindung 18 EU-LĂ€nder unter der 80-Prozent-Marke. Neun davon hĂ€tten schon einen Aktionsplan verabschiedet.
Ein Instrument fĂŒr eine StĂ€rkung der Tarifbindung ist die EinfĂŒhrung eines Bundestariftreuegesetzes. Es sieht vor, dass öffentliche AuftrĂ€ge des Bundes nur an Unternehmen gehen sollen, die ihre BeschĂ€ftigten nach Tarif bezahlen. Arbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) hat es im Oktober in den Bundestag eingebracht.
Von CDU und CSU fordert Körzell Tempo fĂŒr eine zĂŒgige Verabschiedung. "Die Union treibt jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf und macht VorschlĂ€ge, wie man Arbeitnehmer noch stĂ€rker belasten kann", sagte Körzell. "Das Tariftreuegesetz muss schnellstens vom Bundestag beschlossen werden."

