Siemens Energy setzt trotz Zöllen auf US-Markt - Prognose bestÀtigt
12.02.2025 - 11:07:14"Wir sehen mehr Chancen als Risiken in Nordamerika", sagte Konzernchef Christian Bruch am Mittwoch in einer Telefonkonferenz zu den Erstquartalszahlen. Die USA seien ein attraktiver Markt. Vor allem im Gas- und NetzgeschÀft sieht der Manager dabei gute Chancen. So gebe es hohen Investitionsbedarf in die Erneuerung der Stromnetze.
Die immer neuen ZollankĂŒndigungen durch Trump sieht Bruch dabei gelassen. Noch könne man nicht genau sagen, was Trumps Politik fĂŒr das GeschĂ€ft von Siemens Energy bedeuten werde. DafĂŒr komme es auf die genaue Umsetzung an. Entscheidend werde sein, ob durch Zölle ein Wettbewerbsnachteil entstehe. Siemens Energy sei in den USA jedoch ein sehr lokales Unternehmen und baue seine KapazitĂ€ten dort weiter aus, sagte er. Betroffen sein könnten jedoch internationale Lieferketten. So ist etwa Mexiko Bruch zufolge ein wichtiger Zulieferer. Die Frage sei, ob etwaige höhere Kosten weitergegeben werden könnten. Die BestandsvertrĂ€ge lieĂen dies zu, so der Manager.
An seinem Ausblick fĂŒr das laufende Jahr hĂ€lt der Energietechnikkonzern nach einem robusten ersten GeschĂ€ftsquartal fest. So soll der vergleichbare Umsatz im GeschĂ€ftsjahr per Ende September 2025 um acht bis zehn Prozent steigen, teilte das Unternehmen bei der Vorlage detaillierter Zahlen mit. Die bereinigte operative Marge erwartet das Management bei drei bis fĂŒnf Prozent. Dazu beitragen sollen vor allem die GeschĂ€fte mit Netz- und Gastechnik. Beim Nachsteuergewinn peilen die MĂŒnchner wegen der anhaltenden Sanierung des WindgeschĂ€fts weiterhin einen Wert um die Gewinnschwelle an.
Die in der Vergangenheit stark gelaufene Aktie verlor im frĂŒhen Handel zunĂ€chst rund 1,5 Prozent. Zuletzt pendelte das Papier um den Vortagesschluss. Der Kurs, der zuletzt von einem Rekord zum nĂ€chsten geklettert war, kommt im laufenden Jahr auf ein Plus von mehr als 13 Prozent. Damit hat sich die im Dax notierte Aktie von dem Kursrutsch Ende Januar im Zusammenhang mit dem chinesischen KI-Startup DeepSeek wieder nahezu erholt. DeepSeeks neuestes KI-Modell soll kosten- und energieeffizient sein und womöglich mit weniger starken Chips auskommen als die groĂen Modelle der etablierten Konkurrenz.
Konzernchef Bruch sieht durch DeepSeek keine Gefahr fĂŒr das GeschĂ€ft mit Rechenzentren. "Ich sehe das nicht aufgeregt". Rechenzentren machten derzeit ein Prozent des weltweiten Strombedarfs aus, davon sei nur ein Teil fĂŒr KI, so der Manager. 2030 soll der Anteil der Rechenzentren auf vier Prozent zulegen. Insgesamt werde der Strombedarf steigen. "DeepSeek ist daher nicht so relevant, wie es einige denken." Er gehe daher nicht davon aus, dass sich dadurch etwas an den mittelfristigen Aussichten des Konzerns Ă€ndere.
Siemens Energy hatte bereits Ende Januar vorlĂ€ufige Zahlen vorgelegt, die nun bestĂ€tigt wurden. Im ersten Quartal (per Ende Dezember) profitierte das Unternehmen von anhaltend guten GeschĂ€ften und steigerte den Umsatz im Jahresvergleich von 7,65 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis legte von zuvor 208 auf 481 Millionen Euro zu. Den gröĂten Ergebnisbeitrag leistete das GasgeschĂ€ft, gefolgt von der Netztechnik. Das WindgeschĂ€ft Siemens Gamesa macht dabei weiter Verluste. Dennoch bekrĂ€ftigte der Konzern das Ziel, bis zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 2026 dort die Gewinnschwelle erreichen zu wollen.
Das Ergebnis nach Steuern sank zwar auf 252 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahresquartal noch 1,6 Milliarden Euro betragen hatte - allerdings hatte Siemens Energy seinerzeit vom Verkauf von Anteilen seines indischen EnergiegeschÀfts an die ehemalige Konzernmutter Siemens DE0007236101 profitiert.

