Batteriehersteller Northvolt beantragt GlÀubigerschutz
21.11.2024 - 19:19:58Das Unternehmen meldete am Abend ein Restrukturierungsverfahren gemÀà "Chapter 11" des US-Insolvenzrechts an, wie es mitteilte. Damit will sich Northvolt vor Forderungen der GlĂ€ubiger schĂŒtzen, wĂ€hrend es um seine Zukunft als eigenstĂ€ndiges Unternehmen ringt.
Der Schritt ermögliche Zugang zu neuen Finanzierungsquellen, teilte Northvolt mit. 100 Millionen US-Dollar wĂŒrden dem Unternehmen von einem Kundenunternehmen im Rahmen einer Art BrĂŒckenfinanzierung bereitgestellt. DarĂŒber hinaus erhalte Northvolt von Kreditgebern Zugang zu etwa 145 Millionen US-Dollar (sogenanntes Cash Collateral).
Auswirkungen auf deutsches Projekt?
Die deutsche Northvolt-Tochter wird den Angaben zufolge unabhÀngig von der Muttergesellschaft finanziert. "Sie ist nicht Teil des Chapter 11-Verfahrens", hieà es. Das Bauvorhaben bei Heide in Schleswig-Holstein bleibe ein strategischer Grundpfeiler.
"Die europĂ€ische Batteriezellindustrie befindet sich insgesamt in einer herausfordernden Lage", wurde Deutschlandchef Christofer Haux in einer Mitteilung zitiert. Das Unternehmen wolle dem mit einer strategischen Neuausrichtung gerecht werden. "Wir haben seit dem Sommer zahlreiche EffizienzmaĂnahmen umgesetzt, die bereits Wirkung zeigen." Der nun erfolgte Schritt verbessere die finanzielle Situation und werbe neues Kapital ein.
"In Dithmarschen schreiten die Bauarbeiten derweil weiter voran. Der Standort genieĂt höchste PrioritĂ€t", sagte Haux. Die Zellmontage soll dort nach neuem Zeitplan in der zweiten JahreshĂ€lfte 2027 starten. UrsprĂŒnglich war dies bereits Ende 2026 geplant.
Das bedeutet "Chapter 11"
Unter "Chapter 11" dĂŒrfen Unternehmen unter der Aufsicht eines Konkursrichters ihre GeschĂ€fte zunĂ€chst weiter betreiben und PlĂ€ne fĂŒr die SchuldenrĂŒckzahlung ausarbeiten. Die GlĂ€ubiger können in dieser Zeit nicht auf die Vermögenswerte zugreifen.
Northvolt galt hinsichtlich der Batterieproduktion fĂŒr E-Autos lange Zeit als groĂer HoffnungstrĂ€ger der europĂ€ischen Automobilindustrie, ringt seit geraumer Zeit aber mit gröĂeren Finanzierungsproblemen. Unter anderem hatte Autobauer BMW DE0005190003 im Juni einen Auftrag fĂŒr Batteriezellen im Wert von zwei Milliarden Euro zurĂŒckgezogen.
Im September folgte dann Northvolts AnkĂŒndigung, schĂ€tzungsweise 1.600 BeschĂ€ftigte in Schweden zu entlassen sowie gleich mehrere ExpansionsplĂ€ne auf Eis zu legen. Konzentrieren will sich das Unternehmen nun vor allem auf die GroĂserienproduktion von Batteriezellen in der Fabrik Northvolt Ett im schwedischen SkellefteĂ„.

