Batteriehersteller Northvolt beantragt GlÀubigerschutz
21.11.2024 - 19:37:15Das Unternehmen meldete am Abend ein Restrukturierungsverfahren gemÀà "Chapter 11" des US-Insolvenzrechts an, wie es mitteilte. Damit will sich Northvolt vor Forderungen der GlĂ€ubiger schĂŒtzen, wĂ€hrend es um seine Zukunft als eigenstĂ€ndiges Unternehmen ringt.
Der Schritt ermögliche Zugang zu neuen Finanzierungsquellen, teilte Northvolt mit. 100 Millionen US-Dollar wĂŒrden dem Unternehmen von einem Kundenunternehmen im Rahmen einer Art BrĂŒckenfinanzierung bereitgestellt. DarĂŒber hinaus erhalte Northvolt von Kreditgebern Zugang zu etwa 145 Millionen US-Dollar (sogenanntes Cash Collateral).
Der gröĂte Anteilseigner des Herstellers ist der deutsche Autobauer Volkswagen DE0007664039. Zu den EigentĂŒmern gehören auch die US-Investmentbank Goldman Sachs US38141G1040 und BMW DE0005190003.
Auswirkungen auf deutsches Projekt?
Noch ist nicht abzusehen, was das konkret fĂŒr Bau einer Northvolt-Gigafabrik im schleswig-holsteinischen Heide bedeutet. Das Unternehmen erklĂ€rte dazu am Abend: Die deutsche Tochter werde unabhĂ€ngig von der Muttergesellschaft finanziert. "Sie ist nicht Teil des Chapter 11-Verfahrens."
Deutschlandchef Christofer Haux sagte, "in Dithmarschen schreiten die Bauarbeiten derweil weiter voran. Der Standort genieĂt höchste PrioritĂ€t." Klar ist aber bereits, die Fabrik soll spĂ€ter ihre Arbeit aufnehmen als zunĂ€chst geplant. Die Zellmontage soll erst in der zweiten JahreshĂ€lfte 2027 starten statt bereits Ende 2026.
Anfang des Jahres hatte die EU-Kommission Fördermittel und Garantien fĂŒr das Milliarden-Projekt in Heide ĂŒber 902 Millionen Euro genehmigt. Der Bund und das Land Schleswig-Holstein unterstĂŒtzen den Bau der Batteriefabrik mit rund 700 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Garantien ĂŒber weitere 202 Millionen Euro.
Eine Verwaltungsvereinbarung sieht vor, dass zunĂ€chst die Landesmittel in Höhe von 137 Millionen Euro flieĂen sollen. Das ist bislang aber nicht der Fall gewesen. Auf den Bund entfallen etwa 564 Millionen.
Northvolt will zunÀchst keine Mittel abrufen
Der Batteriehersteller verwies darauf, dass der Bau in Norddeutschland im gemeinsam mit Bundes- und Landesregierung festgelegten Zeitplan liege. "Es wurden bisher keine Fördermittel in Anspruch genommen, und Northvolt Germany wird, solange die Restrukturierung der Muttergesellschaft andauert, auch weiterhin keine Mittel abrufen."
"Die europĂ€ische Batteriezellindustrie befindet sich insgesamt in einer herausfordernden Lage", sagte Haux. Das Unternehmen wolle dem mit einer strategischen Neuausrichtung gerecht werden. "Wir haben seit dem Sommer zahlreiche EffizienzmaĂnahmen umgesetzt, die bereits Wirkung zeigen." Der nun erfolgte Schritt verbessere die finanzielle Situation und werbe neues Kapital ein.
Das bedeutet "Chapter 11"
Unter "Chapter 11" dĂŒrfen Unternehmen unter der Aufsicht eines Konkursrichters ihre GeschĂ€fte zunĂ€chst weiter betreiben und PlĂ€ne fĂŒr die SchuldenrĂŒckzahlung ausarbeiten. Die GlĂ€ubiger können in dieser Zeit nicht auf die Vermögenswerte zugreifen.
Northvolt galt hinsichtlich der Batterieproduktion fĂŒr E-Autos lange Zeit als groĂer HoffnungstrĂ€ger der europĂ€ischen Automobilindustrie, ringt seit geraumer Zeit aber mit gröĂeren Finanzierungsproblemen. Unter anderem hatte Autobauer BMW im Juni einen Auftrag fĂŒr Batteriezellen im Wert von zwei Milliarden Euro zurĂŒckgezogen.
Im September folgte dann Northvolts AnkĂŒndigung, schĂ€tzungsweise 1.600 BeschĂ€ftigte in Schweden zu entlassen sowie gleich mehrere ExpansionsplĂ€ne auf Eis zu legen. Konzentrieren will sich das Unternehmen nun vor allem auf die GroĂserienproduktion von Batteriezellen in der Fabrik Northvolt Ett im schwedischen SkellefteĂ„.

