Der FLIRT Akku von Stadler Rail - Batteriezug für nicht elektrifizierte Strecken
30.06.2026 - 22:51:20 | ad-hoc-news.deVerantwortlich: Nora Steinfeld, ad hoc news Fachredaktion Neuheiten & Launch. Geprueft am 30.06.2026, 22:50 Uhr. Details im Impressum.
FLIRT Akku von Stadler Rail rollt leise an den Bahnsteig, während eine Pendlerin ihre Hand an die kühle Aluminiumkante der Tür legt und den fast geräuschlosen Antrieb bemerkt. Der batteriebetriebene Triebzug soll Dieselzüge auf nicht elektrifizierten Strecken ersetzen. Produktmanagerin Nadja Hari erklärt das Fahrzeug gern als „Brücke zwischen bestehender Infrastruktur und klimafreundlicher Mobilität“.
FLIRT Akku als Batteriezug-Neuheit
Der FLIRT Akku ist eine Variante der modularen FLIRT-Triebzugfamilie, die mit Hochleistungs-Batteriepacks für den Einsatz auf nichtelektrifizierten oder teil-elektrifizierten Strecken ausgerüstet wird. Laut Stadler kann der Zug im Batteriebetrieb je nach Profil der Strecke bis zu rund 150 Kilometer ohne Oberleitung zurücklegen. Die Batterien werden an elektrifizierten Abschnitten oder an speziellen Ladepunkten über Stromabnehmer wieder aufgeladen und ermöglichen so einen durchgehenden Betrieb ohne Dieselantrieb.
Die Züge basieren konstruktiv auf dem vielfach eingesetzten FLIRT-Plattformkonzept, sind jedoch mit einem eigens entwickelten Energiemanagement versehen, das die Nutzung der Batterie und der Oberleitung intern koordiniert. Für Fahrgäste bleibt das Fahrgefühl laut Testberichten sehr nah an einer klassischen Elektrotriebzugfahrt: gleichmäßige Beschleunigung, kaum Vibrationen und deutlich geringere Geräuschentwicklung im Vergleich zu Dieseltriebwagen.
Einsatz in Deutschland und Award
Bereits 2019 fuhr ein FLIRT Akku bei einer Testfahrt in Deutschland eine Strecke von über 150 Kilometern ausschließlich im Batteriebetrieb und stellte damit nach Herstellerangaben einen Reichweitenrekord für batteriebetriebene Triebzüge in Europa auf. Diese Demonstrationsfahrt erfolgte auf der Strecke von Berlin nach Barth auf kurzen Inselabschnitten ohne Oberleitung, wobei die Batterie während elektrifizierter Teilabschnitte nachgeladen wurde.
2021 erhielt der FLIRT Akku den „German Sustainability Award Design“ in der Kategorie Mobilität, weil das Konzept den Ersatz von Dieselzügen auf nicht elektrifizierten Strecken mit vorhandener Infrastruktur ermöglicht. Juroren betonten, dass der Zug Betreiber befähigt, schrittweise zu dekarbonisieren, ohne überall neue Oberleitungen bauen zu müssen. CEO Peter Spuhler verwies in diesem Zusammenhang auf eine wachsende Kundennachfrage nach technologischen Lösungen zur Emissionsreduktion im Regionalverkehr.
Stadler Rail im Batterie- und Wasserstoffmarkt
Mehr Hintergründe zur Strategie mit FLIRT Akku und anderen alternativen Antrieben finden Anleger im Themenbereich zur Stadler Rail Aktie und direkt bei Stadler.
Technik der Batteriemodule
Im Zugdach und in speziell konstruierten Unterflurbereichen sind Lithium-Ionen-Batteriemodule mit hoher Energiedichte integriert, die nach Herstellerangaben für mehrere hundert Ladezyklen im täglichen Betrieb ausgelegt sind. Das Batteriekonzept ist modular aufgebaut, sodass Betreiber je nach Streckenlänge und Einsatzprofil die Zahl der Module und die Kapazität anpassen können. Für Wartungszwecke sind die Einheiten über definierte Schnittstellen zugänglich.
Das Energiemanagement des FLIRT Akku entscheidet automatisch, ob der Zug Fahrenergie aus der Oberleitung bezieht, die Batterien lädt oder ausschließlich aus den Akkus fährt. Fahrerinnen und Fahrer sehen die aktuelle Betriebsart und Batterieladung auf zentralen Displays im Führerstand und können bei Bedarf eingreifen. Laut Stadler wird im hinterlegten Standardprofil möglichst viel Energie aus der Oberleitung genutzt, um die Batterie für nicht elektrifizierte Abschnitte vorzuhalten.
Betriebserfahrungen im Regionalverkehr
Ein erstes Serienprojekt mit dem FLIRT Akku läuft in Nordrhein-Westfalen, wo mehrere Züge für die Linien RB 25, RB 62, RB 63 und RB 64 bestellt wurden, die teilweise nicht elektrifizierte Abschnitte bedienen. Betreiber berichten von einer Umstellung des Betriebs, bei der klassische Dieseltriebwagen nach und nach ersetzt werden. Die Reichweite im Batteriebetrieb reicht aus, um typische Lücken in der Oberleitung ohne Nachladen zu überbrücken.
Für Fahrgäste bleiben Komfortelemente wie Niederflureinstiege, Klimaanlage, Mehrzweckbereiche für Fahrräder und Kinderwagen sowie moderne Fahrgastinformation unverändert, weil sie aus dem bewährten FLIRT-Design übernommen wurden. Erlebnisberichte von Bahnfans heben besonders hervor, dass man beim Anfahren vor allem das leise Surren der Technik und das Klacken der Schienenstöße hört, während das typische Dieselbrummen fehlt.
Einordnung und Stadler Rail Aktie
Für Stadler ist der FLIRT Akku ein Baustein in einer breiteren Strategie alternativer Antriebe, die neben Batterie auch Wasserstoffzüge und Hybridkonzepte umfasst. Der Ausbau dieses Produktsegments kann sich mittelfristig im Auftragseingang niederschlagen, weil viele europäische Regionen ihre Diesel-Flotten ersetzen müssen, aber nicht überall nachrüsten wollen. Für Fahrzeughersteller bedeutet das einen Markt, in dem eine passende technische Plattform entscheidend ist.
Die Stadler Rail Aktie ist an der SIX Swiss Exchange in Zürich gelistet und reflektiert die Geschäftsentwicklung des Konzerns, zu der die FLIRT Akku Sparte als Bestandteil des Geschäfts mit Regionaltriebzügen beiträgt.
Kernfakten zum FLIRT Akku
- Produkt: FLIRT Akku
- Hersteller: Stadler Rail AG
- Kategorie: Neuheit/Launch – batteriebetriebener Regionaltriebzug
- Markteinführung: Erste Testfahrten 2019, Serienprojekte seit Anfang der 2020er Jahre
- UVP / Preis: Abhängig von Konfiguration und Stückzahl, marktüblich im mehrstelligen Millionenbereich pro Fahrzeugverband
- Verfügbarkeit: Vor allem für europäische Regionalverkehrsnetze mit teil-elektrifizierten Strecken, unter anderem Projekte in Deutschland und der Schweiz
- Zielgruppe: Verkehrsverbünde, Eisenbahnverkehrsunternehmen und öffentliche Auftraggeber, die Dieseltriebwagen im Regionalverkehr ersetzen wollen
- Besonderheit / USP: Batteriebetrieb bis etwa 150 km ohne Oberleitung, Nutzung vorhandener elektrifizierter Abschnitte zum Laden, dadurch Umstieg von Diesel auf Elektrobetrieb ohne flächendeckende Nachrüstung der Infrastruktur
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