Ergebnisse, Produktion/Absatz

Thyssenkrupp entwickelt sich besser als gedacht - Kurssprung

13.02.2025 - 13:18:59

Der Industriekonzern Thyssenkrupp DE0007500001 hat einen durchwachsenen GeschÀftsjahresauftakt verzeichnet.

So blieb die Nachfrage im Stahl- und Automotive-GeschÀft sowie im Handel mau. Ein Lichtblick war das MarinegeschÀft TKMS, das deutlich zulegte. Vor allem das NeugeschÀft entwickelte sich stark. Dank der MilliardenauftrÀge dort konnte Thyssenkrupp seinen Auftragseingang insgesamt steigern. Das laufende Restrukturierungsprogramm wirkte sich positiv auf das operative Ergebnis aus. Unter dem Strich schrieben die Essener jedoch erneut rote Zahlen.

An der Börse kamen die Resultate gut an, lagen doch das operative Ergebnis und die von Analysten viel beachteten MittelflĂŒsse deutlich ĂŒber den Erwartungen. Die im MDax DE0008467416 notierte Aktie zog um mehr als sechs Prozent an und setzte damit ihren Erholungskurs der vergangenen Monate fort. So kommt die in den vergangenen Jahren stark gebeutelte Aktie im laufenden Jahr bislang auf ein Plus von fast 30 Prozent. In den letzten drei Monaten summiert sich das Plus auf gut 50 Prozent. Auf lĂ€ngerfristige Sicht bleibt die Kursentwicklung jedoch negativ.

"Wir konnten uns im ersten Quartal in einem insgesamt schwierigen Marktumfeld behaupten", kommentierte Konzernchef Miguel LĂłpez am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen die Entwicklung. Thyssenkrupp bleibe beim Konzernumbau auf Kurs. Insbesondere im Stahl und bei Marine Systems "liegen intensive Monate vor uns". Bei TKMS arbeite Thyssenkrupp "mit Hochdruck" an der Abspaltung, "um das GeschĂ€ft angesichts des verĂ€nderten sicherheitspolitischen Umfelds bestmöglich fĂŒr die Abarbeitung des hohen Auftragsbestands und des anhaltend hohen Kundeninteresses aufzustellen".

Im StahlgeschĂ€ft kommt möglicherweise zu einer Bewegung in den festgefahrenen Streit zwischen Management und Arbeitnehmervertretern ĂŒber den geplanten KapazitĂ€ts- und Stellenabbau. Die Parteien wĂŒrden sich in "Informationsaustauschrunden" unterhalten, um sich mit dieser Thematik zu beschĂ€ftigen, sagte Thyssenkrupp-Finanzvorstand Jens Schulte in einer Telefonkonferenz.

"Die Parteien werden dann entscheiden, wann sie von da aus in eine offizielle Verhandlung einsteigen", so Schulte. Man sei guter Dinge, dass die Parteien das vernĂŒnftig gemeinsam vorantreiben wĂŒrden. Die Sparte soll verselbststĂ€ndigt werden. Geplant ist ein 50:50 Gemeinschaftsunternehmen mit dem tschechischen Energieunternehmen EPCG des tschechischen MilliardĂ€rs Daniel Kretinsky, der bereits 20 Prozent hĂ€lt.

Das wirtschaftliche Umfeld bleibt unterdessen schwierig. Der Umsatz von Thyssenkrupp sank in den drei Monaten per Ende Dezember um vier Prozent auf 7,8 Milliarden Euro, was erheblich unter den Erwartungen lag. Neben der schwachen Nachfrage wirkten sich auch niedrigere Stahlpreise negativ aus.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hingegen stieg von 84 Millionen auf 191 Millionen Euro und ĂŒberraschte damit positiv. Dabei profitierte das Unternehmen vom laufenden Umstrukturierungsprogramm sowie niedrigeren Rohstoff- und Energiepreisen. Vor allem die ProfitabilitĂ€t des StahlgeschĂ€fts verbesserte sich deutlich. Unter dem Strich verbuchte Thyssenkrupp einen Verlust von 51 Millionen Euro und zeigte sich damit deutlich besser als im Vorjahresquartal, als wegen höherer Abschreibungen ein Minus von 314 Millionen Euro anfiel.

Der zum Konzern gehörende börsennotierte Elektrolysespezialist Thyssenkrupp Nucera DE000NCA0001 verzeichnete im ersten GeschĂ€ftsquartal dabei ein deutliches Umsatz- und Ergebniswachstum. So konnte Nucera im WasserstoffgeschĂ€ft dank der Abarbeitung zahlreicher Projekte die Erlöse erheblich steigern und die Verluste reduzieren. Jedoch bremsten regulatorische Unsicherheiten, langsame Genehmigungsverfahren und hohe Anlaufkosten den Hochlauf der Wasserstoffindustrie, wie Nucera bemĂ€ngelte. So verzeichnete das Unternehmen im Quartal fĂŒr den Bereich einen Auftragseingang von lediglich 5 Millionen Euro - nach 109 Millionen im Vorjahresquartal. Besser lief das NeugeschĂ€ft im Bereich Chlor-Alkali-Elektrolyse. Die Nucera-Aktie rutschte zwischenzeitlich um fast sieben Prozent ab.

Wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes senkte Thyssenkrupp fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr 2024/25 seine Umsatzprognose und erwartet nun eine Spanne von minus drei bis 0 Prozent. Bislang war das Unternehmen von 0 bis plus drei Prozent ausgegangen. Die Ergebnisprognosen wurden hingegen bestĂ€tigt, unter anderem will das Unternehmen unter dem Strich wieder die Gewinnzone erreichen.

Wegen Anzahlungen im Zusammenhang mit einer umfassenden Auftragserweiterung ĂŒber vier U-Boote bei TKMS erhöhte Thyssenkrupp seine Erwartungen beim von Analysten viel beachteten Mittelzufluss. Der Free Cashflow vor Fusionen und ZukĂ€ufen soll bis zu 300 Millionen Euro erreichen. Hier hatte das Unternehmen bislang einen Abfluss von 200 bis 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Analysten erwarteten bislang einen Mittelzufluss von 100 Millionen Euro.

@ dpa.de | DE0007500001 ERGEBNISSE