ROUNDUPBewegung, Fed-Vorstand

Cook bleibt, Miran kommt hinzu

16.09.2025 - 06:35:04

Der Machtkampf zwischen US-PrÀsident Donald Trump und der US-Notenbank Federal Reserve geht in die nÀchste Runde.

Zwar erlitt der Republikaner im Streit um die Entlassung der Fed-VorstĂ€ndin Lisa Cook am Montagabend (Ortszeit) einen weiteren RĂŒckschlag. Mit dem Einzug seines Beraters Stephen Miran als temporĂ€res Mitglied im mĂ€chtigen Vorstand der Notenbank platzierte Trump indes einen seiner AnhĂ€nger.

Im Kern geht es um zwei Dinge: die geldpolitische Ausrichtung der Fed und deren UnabhĂ€ngigkeit von politischem Einfluss. Trump hatte in den vergangenen Monaten auf Zinssenkungen gepocht, die Fed folgte dieser Forderung nicht. Daraufhin versuchte der PrĂ€sident, Druck auf Fed-Chef Jerome Powell und die Fed-Gouverneurin Cook auszuĂŒben.

Trump macht Druck auf einzelne Fed-Vorstandsmitglieder

Der US-PrĂ€sident hatte im vergangenen Monat mitgeteilt, Cook mit sofortiger Wirkung aus ihrem Amt zu entlassen. Seine BegrĂŒndung: Es gebe hinreichende GrĂŒnde fĂŒr die Annahme, dass sie in einem oder mehreren HypothekenvertrĂ€gen falsche Angaben gemacht habe. Cook hatte daraufhin ĂŒber ihre AnwĂ€lte rechtliche Schritte angekĂŒndigt. Trump dĂŒrfe sie gar nicht abberufen, argumentierte Cook. Die VorwĂŒrfe stritt sie ab.

Cook sagte weiter, selbst wenn sie unwissentlich falsche Angaben gemacht haben sollte, sei dies Jahre vor ihrem Amtsantritt bei der Fed bei der Aufnahme einer privaten Hypothek geschehen. In der vergangenen Woche hatte eine untere Gerichtsinstanz in der US-Hauptstadt Washington dem Vorhaben des PrĂ€sidenten vorĂŒbergehend einen Riegel vorgeschoben.

Die Richterin der unteren Instanz hatte unter anderem argumentiert, der US-PrĂ€sident dĂŒrfe ein Mitglied des Fed-Vorstands nur "aus triftigen GrĂŒnden" entlassen. So könne jemand nicht allein aufgrund von Verhaltensweisen aus der Zeit vor dem Amtsantritt entlassen werden. Sie schrieb zudem, das öffentliche Interesse an der UnabhĂ€ngigkeit der Fed spreche fĂŒr Cooks Wiedereinsetzung. Ein Berufungsgericht wies dazu am spĂ€ten Montagabend (Ortszeit) einen Berufungsantrag Trumps ab.

Experten halten Zinssenkung fĂŒr wahrscheinlich

Die Entscheidung kommt nur wenige Stunden vor dem Beginn des nĂ€chsten Zinsentscheids der Federal Reserve. US-Medien berichteten, dass Cook nach der jĂŒngsten Gerichtsentscheidung an der am Dienstag beginnenden, zweitĂ€gigen Sitzung teilnehmen dĂŒrfte.

Analysten gehen davon aus, dass die Notenbank dabei erstmals seit Dezember 2024 den Leitzins senken dĂŒrfte - allerdings nicht aus politischem Druck, sondern weil der Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten zuletzt hinter den Erwartungen zurĂŒckgeblieben war. Konkret bedeutet das, dass deutlich weniger Stellen in den Vereinigten Staaten geschaffen wurden als gedacht. Die Wirtschaft wĂ€chst also nicht so schnell wie erhofft.

In der vergangenen Woche hatte sich etwa der Internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) optimistisch zu einer möglichen Zinssenkung geĂ€ußert. Die Fed könne mittlerweile beginnen, die entsprechende Spanne vorsichtig zu senken, sagte IWF-Kommunikationsdirektorin Julie Kozack. Seit Dezember 2024 verharrt der Leitzins in der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent.

Zweifel an Mirans UnabhÀngigkeit

FĂŒr weitere Zinssenkungen dĂŒrfte sich der Trump-Berater Miran aussprechen. Trotz starker Bedenken an seiner UnabhĂ€ngigkeit stimmte der US-Senat am Montagabend (Ortszeit) mit knapper Mehrheit fĂŒr die Besetzung. Miran nimmt damit den Platz der ausgeschiedenen Fed-VorstĂ€ndin Adriana Kugler bis Ende Januar 2026 ein.

Politiker hatten sich zuvor bei einer Anhörung besorgt gezeigt, ob Miran wĂ€hrend seiner viermonatigen Amtszeit tatsĂ€chlich unabhĂ€ngig von Trumps Wunsch agieren wĂŒrde. "Niemand, weder die amerikanische Öffentlichkeit noch Investoren hierzulande, noch die weltweiten FinanzmĂ€rkte, werden ihm als unabhĂ€ngiger Stimme vertrauen", kritisierte etwa die demokratische Abgeordnete Elizabeth Warren. Sie bezeichnete ihn als "Trumps Marionette". Miran versprach dagegen, die UnabhĂ€ngigkeit der Notenbank "bewahren" zu wollen.

US-Notenbank und Leitzins weltweit von Bedeutung

Die US-Notenbank hat weltweit eine große Bedeutung. Die Zentralbank der Vereinigten Staaten setzt sich zum Ziel, zur FinanzstabilitĂ€t der USA beizutragen. Die Fed legt etwa ZinssĂ€tze fest, was einen großen Einfluss auf Kreditkosten hat. Die Auswirkungen sind auch in Deutschland zu spĂŒren - beim Wirtschaftswachstum und auf den FinanzmĂ€rkten im Euroraum.

GeschĂ€ftsbanken können sich zum Leitzinssatz von der Zentralbank Geld leihen. FĂŒr Verbraucher und Unternehmen kann ein niedriger Leitzins attraktiv sein, wenn sie Kredite zu besseren Konditionen aufnehmen möchten. Mehr Geld im Umlauf kann wiederum die Wirtschaft ankurbeln - eines der Argumente von Trump. Zu niedrige Zinsen könnten aber dafĂŒr sorgen, dass sich die Inflation - die sich zuletzt ohnehin schon verstĂ€rkte - weiter anheizt, weswegen Fed-Chef Powell einen restriktiveren Kurs befĂŒrwortete.

@ dpa.de