Ergebnisse, Produktion/Absatz

Daimler Truck weiter mit Problemen in Asien und Europa - Aktie fÀllt

17.07.2024 - 10:07:07

Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck DE000DTR0CK8 hat nach wie vor mit dem schwachen Umfeld in Asien und Europa zu kÀmpfen.

Wegen Abschreibungen auf ein chinesisches Gemeinschaftsunternehmen kam das Ergebnis im zweiten Quartal unter Druck. Aber auch im Heimatmarkt lastet die schwache Wirtschaftslage auf den Resultaten. Allerdings brummt das GeschĂ€ft im wichtigsten und grĂ¶ĂŸten Markt Nordamerika weiter, was den Abschwung insgesamt abfedert. Der Konzernausblick steht nach Angaben des Managements nun auf dem PrĂŒfstand. Die Aktie fiel.

Das Papier sackte am Mittwoch nach Handelsstart am Dax-Ende um gut zwei Prozent auf 37,03 Euro ab. Bisher steht beim Aktienkurs der Schwaben in diesem Jahr damit ein Kursgewinn von rund neun Prozent zu Buche. Auf dem Hoch in diesem Jahr im MĂ€rz war der Titel noch mehr als 47 Euro wert.

Die Abschreibung in China außer Acht gelassen, habe Daimler Truck besser abgeschnitten als allgemein erwartet, schrieb Jefferies-Analyst Michael Aspinall. Die gute Nachricht sei, dass Daimler Truck bei den Verkaufspreisen standgehalten habe. Allerdings stelle sich die Frage, was fĂŒr die schwachen Ergebnisse bei der Sparte Mercedes-Benz und was fĂŒr das gute Abschneiden in Nordamerika verantwortlich gewesen sei. Mercedes-Benz sei ein "Mysterium" - an den Verkaufspreisen scheine es nicht gelegen zu haben, weswegen der Experte hohe Kosten vermutet.

Analyst Daniel Cunliffe vom Analysehaus Bernstein sieht fĂŒr die Nordamerika-Sparte nach den starken Resultaten die Möglichkeit einer Prognoseerhöhung. Insgesamt seien die vorlĂ€ufigen Zahlen aber eine klare EnttĂ€uschung. Der Fachmann rechnet im weiteren Jahresverlauf mit dem Erreichen der Talsohle der MĂ€rkte in den USA und der EU. Wegen der angespannten Lage in Europa rechnet er mit deutlich mehr Erholung vom amerikanischen Markt im kommenden Jahr.

Daimler Truck schreibt wegen der weiterhin schwachen Marktentwicklung in China den Buchwert des Gemeinschaftsunternehmens BFDA (Beijing Foton Daimler Automotive) komplett ab. Das belastet das Ergebnis mit 120 Millionen Euro, wie der Konzern am Dienstagabend mitteilte.

Im IndustriegeschÀft - also im Fahrzeugbau ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - sackte die um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern im Jahresvergleich um einen Prozentpunkt auf 9,3 Prozent ab. Ohne die Abschreibung in der Volksrepublik hÀtte die Marge bei 10,2 Prozent gelegen, also fast auf Vorjahresniveau. Die vom Unternehmen befragten Analysten hatten im Mittel mit 9,6 Prozent gerechnet.

Da auch die Finanzsparte weniger abwarf als von Experten im Vorhinein geschĂ€tzt, schnitt der Konzern auch insgesamt beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern mit 1,17 Milliarden Euro schwĂ€cher ab als erwartet. Hier hatten Fachleute 1,26 Milliarden auf dem Zettel. GegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum rutschte das operative Ergebnis um gut 18 Prozent ab.

Schwach zeigte sich neben dem ohnehin margenschwachen GeschÀft in Asien - das wegen der Abschreibung in die roten Zahlen rutschte - vor allem die Sparte Mercedes-Benz, die in Europa und Lateinamerika vertreten ist. Hier hatte Daimler-Truck-Chef Martin Daum schon nach dem ersten Quartal geklagt, die schlechte Wirtschaftsstimmung in Europa und insbesondere in Deutschland laste auf den Resultaten, weil die Speditionen wegen ihrer abwartenden Haltung kaum mehr neue Lkw bestellten. Bereits da hatte er gesagt, um die Jahresziele in Europa zu schaffen, sei ein Aufschwung im zweiten Halbjahr nötig.

Lange hatte Daimler Truck vom Bestellboom der Speditionen nach der Corona-Pandemie gezehrt. Probleme gab es nicht mit der Nachfrage, sondern vor allem mit der Teileversorgung etwa mit Elektronikchips. Hinzu kamen gestiegene Energie- und deutlich erhöhte Frachtkosten, um die Produktion aufrechterhalten zu können. Seit einigen Quartalen hat sich das Bild gewandelt und die Branche verzeichnet teils deutliche RĂŒckgĂ€nge bei den AuftragseingĂ€ngen. Daum sieht allerdings kein generelles Problem bei der Nachfrage, weil die Kunden seiner Meinung nach ihre alternden Flotten erneuern mĂŒssen und der Transportbedarf insgesamt weiter wĂ€chst.

Auch beim Absatz bekommt der Konzern die Flaute aber mehr und mehr zu spĂŒren. Wie der Konzern bereits Anfang vergangener Woche mitgeteilt hatte, sanken die VerkĂ€ufe im zweiten Quartal insgesamt um 15 Prozent auf 112.195 Lkw und Busse. Insbesondere in Asien und bei Mercedes-Benz waren die RĂŒckgĂ€nge mit 29 Prozent beziehungsweise 22 Prozent groß. Auf dem nordamerikanischen Markt - dem profitabelsten fĂŒr das Unternehmen - hielt sich das Absatzminus aber mit 5 Prozent in Grenzen.

@ dpa.de | DE000DTR0CK8 ERGEBNISSE