Ergebnisse, Produktion/Absatz

Auto1 peilt Gewinnschwelle im TagesgeschÀft an - Aktie sinkt

28.02.2024 - 09:55:55 | dpa.de

Der Online-GebrauchtwagenhÀndler Auto1 DE000A2LQ884 will trotz der insgesamt mauen Marktlage im neuen Jahr operativ endlich die Gewinnschwelle erreichen.

Dabei sollen die zuletzt schon besser laufenden GeschĂ€fte im kleinen Privatkundensegment beitragen. Aber auch beim Absatz wollen die Berliner wieder zulegen. "Nachdem wir in den vergangenen zwölf Monaten die Grundlage fĂŒr langfristig profitables Wachstum gelegt haben, schalten wir einen Gang hoch", sagte Unternehmenschef Christian Bertermann laut Mitteilung am Mittwoch. Die seit Monaten unter Druck stehende Aktie legte zunĂ€chst deutlich zu. Am frĂŒhen Vormittag drehten die Papiere aber dann ins Minus.

Das im SDax DE0009653386 notierte Papier schwankte nach Handelsbeginn deutlich. Nach einem Plus von bis zu zehn Prozent drehte die Aktie zuletzt ins Minus und verlor vier Prozent auf 3,86 Euro. LĂ€nger investierte Anleger sind Kummer gewohnt: Im Juli vergangenen Jahres kratzte der Kurs noch an der 10-Euro-Marke, nach dem Börsengang vor gut drei Jahren zahlten sie sogar teils mehr als 50 Euro fĂŒr den Titel. Schon im FrĂŒhling 2022 tauchte der Kurs unter 10 Euro und entwickelte sich seitdem im Trend weiter schwach.

Obwohl die Zahlen aus dem vierten Quartal etwas schwĂ€cher ausgefallen seien als gedacht, attestierte Analystin Wassachon Udomsilpa von der kanadischen Investmentbank RBC dem Konzern angesichts des schwierigen Umfelds ein gutes Abschneiden. Die Aktien seien wegen der Marktposition von Auto1 und der großen Zukunftschancen gĂŒnstig bewertet. Allerdings könnten die schwachen Verbraucheraussichten das Bild auch fĂŒr die Aktie eintrĂŒben.

MitgrĂŒnder Bertermann will im TagesgeschĂ€ft des neuen Jahres endlich keine Verluste mehr schreiben. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sowie vor Sonderposten soll das Ergebnis in etwa ausgeglichen sein, teilten die Berliner weiter mit. Analysten haben bisher fĂŒr 2024 einen leicht positiven Wert von 21 Millionen Euro auf dem Zettel. Auto1 schreibt seit langem rote Zahlen, operativ gelang bisher nur im dritten Quartal des vergangenen Jahres ein kleiner Gewinn.

Im abgelaufenen Jahr musste das Unternehmen einen DĂ€mpfer im flauen Gebrauchtwagenmarkt hinnehmen. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sank von knapp 650 000 Autos im Jahr zuvor auf gut 586 000 Autos. Der Absatz soll im neuen Jahr wieder auf 610 000 bis 665 000 Fahrzeuge zulegen. Auto1 macht sein GeschĂ€ft ĂŒberwiegend im Großhandel mit professionellen HĂ€ndlern, hat sich aber auch mit hohen Investitionen ein Standbein bei Privatkunden (Autohero, wirkaufendeinauto.de) aufgebaut.

Der Bruttogewinn dĂŒrfte der Prognose zufolge von fast 528 Millionen Euro auf 565 bis 625 Millionen Euro steigen. Schub verspricht sich das Management dabei vom PrivatkundengeschĂ€ft. Im vierten Quartal lag der Bruttogewinn je verkauftem Auto hier bei 1970 Euro und damit weit ĂŒber den knapp 800 Euro im GeschĂ€ft mit professionellen HĂ€ndlern. Auto1 bereitet Autos selbst in WerkstĂ€tten auf und erschließt sich damit einen grĂ¶ĂŸeren Teil der Wertschöpfungskette.

Auf dem Niveau vom Jahresende 2023 will Bertermann mit anvisierten rund 1900 Euro Bruttogewinn je Auto im PrivatkundengeschÀft auch 2024 bleiben. Im Schnitt von 2023 erzielte Auto1 hier 1712 Euro Bruttogewinn. Den Absatz der Marke Autohero plant das Unternehmen dabei mit 70 000 Wagen rund ein Zehntel höher ein als noch im Vorjahr.

Allgemein aber gibt es bei den Verkaufspreisen derzeit Gegenwind. Die Gebrauchtwagenpreise normalisieren sich von den RekordstĂ€nden in und nach der Pandemie weiter. Über alle Sparten hinweg erlöste Auto1 im vergangenen Jahr 9321 Euro je Wagen, gut sieben Prozent weniger als noch im Vorjahr. Der Umsatz fiel um ĂŒber 16 Prozent auf 5,46 Milliarden Euro. Im vierten Quartal legten Absatz und Umsatz gegenĂŒber dem Vorquartal wieder leicht zu.

Auto1 steuert unter anderem mit Kostensenkungen gegen. Die Betriebskosten fielen im vergangenen Jahr, auch fĂŒr Marketing und GehĂ€lter gab Auto1 weniger aus. Der bereinigte operative Verlust reduzierte sich 2023 den vorlĂ€ufigen Zahlen zufolge von 165,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor auf 43,9 Millionen Euro.

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