ROUNDUP, Merck

Merck hebt nach unerwartet starkem Quartal erneut die Jahresziele

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 12:36 Uhr | dpa.de

Der Pharma- und Technologiekonzern Merck DE0006599905 hebt nach einem überraschend starken Quartal erneut seine Jahresziele an.

Die Darmstädter profitierten von der anhalten Erholung ihrer Laborsparte und einer weiterhin robusten Nachfrage nach KI-Halbleitermaterialien. Auch florierte in der Pharmasparte der neue Geschäftsbereich mit Mitteln gegen seltene Erkrankungen. Zudem weht dem Konzern inzwischen etwas weniger Gegenwind von der Währungsseite entgegen. Die Aktie kletterte am Donnerstag um zuletzt gut ein Prozent.

"Unsere Ergebnisse im zweiten Quartal bestätigen die anhaltende Dynamik unserer wichtigsten Wachstumsbereiche", sagte der neue Konzernchef Kai Beckmann in Darmstadt. Der frühere Leiter der Elektronik-Sparte hatte Anfang Mai seine langjährige Vorgängerin Belen Garijo an der Konzernspitze abgelöst. Die Spanierin lenkt jetzt die Geschicke beim französischen Arzneimittelhersteller Sanofi.

Für 2026 erwartet Merck nun einen Umsatz von 21,0 bis 21,8 Milliarden Euro. Bislang standen 20,4 bis 21,4 Milliarden Euro im Plan. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda pre) soll jetzt 5,9 bis 6,3 Milliarden Euro erreichen, statt wie zuvor angepeilt 5,7 bis 6,1 Milliarden Euro. 2025 hatte der Konzern 6,1 Milliarden Euro als operatives Ergebnis erzielt bei 21,1 Milliarden Euro Umsatz.

Ausschlaggebend für die neue Prognose sei vor allem die starke Entwicklung der Laborsparte, hieß es, doch zeigt sich der Konzern für alle drei Geschäftsbereiche etwas optimistischer. Erst im Mai hatte Beckmann seine Ziele aufpoliert. Der neue Ausblick geht zudem davon aus, dass mit dem Blockbuster Mavenclad bei Multipler Sklerose nun erst ab August keine US-Umsätze mehr erwirtschaftet werden. Zuvor war Merck noch von Mai ausgegangen, ursprünglich sogar ab März.

Dem Medikament steht wegen des Patentablaufs in den Vereinigten Staaten Konkurrenz durch Nachahmerprodukte ins Haus. Diese kommt aber offenbar etwas später auf den Markt als angenommen. Das Unternehmen beobachte die weitere Entwicklung sehr genau, sagte Finanzchefin Helene von Roeder in der Pressekonferenz. "Im Moment geht es uns eher darum, wie sich der Rückgang entwickelt, als darum, wo er letztlich endet."

Im zweiten Quartal übertraf Merck die Markterwartungen. Der Umsatz stieg konzernweit im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent auf 5,43 Milliarden Euro, aus eigener Kraft war dies ein Plus von 4,1 Prozent. Der auf die Aktionäre entfallene Nachsteuergewinn sank zwar unter anderem wegen gestiegener Forschungskosten um fast ein Viertel auf 490 Millionen Euro; das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte jedoch um gut 9 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu.

Die Laborsparte verzeichnete mit einem Umsatz- und Ergebnisplus erneut ein starkes Jahresviertel. Der Bereich erholt sich von einem längeren Nachfrageknick nach der Corona-Pandemie, Treiber ist vor allem das Geschäft mit Produkten und Lösungen rund um die Arzneimittelfertigung.

Auch die Pharmasparte legte zu. Dort machte sich der Konkurrenzdruck bei Mavenclad im Quartal mit Umsatzbußen von zehn Prozent für das Mittel bemerkbar. Doch zahlt sich zugleich die milliardenschwere Übernahme des US-Biotechspezialisten Springwork Therapeutics aus dem vergangenen Jahr aus. Merck hat seitdem einen neuen Zweig mit Medikamenten gegen seltene Erkrankungen aufgebaut, der sich zuletzt als Wachstumstreiber entpuppte.

Im Juni hatte Merck-Chef Beckmann als eine seiner ersten Amtshandlungen zudem den umgerechnet rund zehn Milliarden Euro teuren Kauf des US-Unternehmens Bio-Techne verkündet, einen Anbieter von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien. Merck will damit nach eigenen Angaben seine Spitzenposition in wachstumsstarken Marktsegmenten festigen.

Laut dem Merck-Chef arbeitet der Konzern gerade mit Hochdruck daran, die Übernahme bis spätesten Anfang kommenden Jahres abzuschließen. "Wir konzentrieren uns derzeit sehr darauf, unsere Pipeline wieder aufzufüllen", ergänzte Finanzvorständin von Roeder und schloss dabei auch weitere Übernahmen nicht aus. "Wir halten uns alle Optionen offen."

In der kleinsten Sparte des Konzerns brummt derweil die Nachfrage nach Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Dabei gehe es vor allem um sogenannte Advanced Nodes, moderne Halbleiterfertigungsprozesse, die kleinere Strukturgrößen und leistungsstärkere Chips ermöglichen, erläuterte Beckmann. Die Marktsituation sei hier durch Kapazitätsengpässe geprägt.

Unterdessen hat Merck im ersten Halbjahr aus den USA erhebliche Zollrückerstattungen erhalten, nachdem der Oberste Gerichtshof einen Teil der Trump-Maßnahmen für nichtig erklärt hatte. Der größere Teil dürfte aber in der zweiten Jahreshälfte folgen, sagte von Roeder und sprach von einem Betrag insgesamt im hohen zweistelligen Millionen-Bereich. Betroffen seien vorwiegend die Laborsparte, in kleinerem Umfang der Elektronik-Bereich. Der Konzern hat nach eigenen Angaben bereits damit angefangen, Geld an die Kunden weiterzugeben, da viele die höheren Zölle mitgetragen hätten.

de | boerse | 69922681 |