Boehringer-Chef: PlĂ€ne fĂŒr Gesundheitsreform unausgewogen
28.04.2026 - 10:49:23 | dpa.deDie Politik habe die Pharmabranche 2023 und im aktuellen Koalitionsvertrag als SchlĂŒsselindustrie fĂŒr Deutschland bezeichnet, sagte der Vorsitzende der GeschĂ€ftsfĂŒhrung von Boehringer Ingelheim Deutschland, MĂ©dard Schoenmaeckers, der Deutschen Presse-Agentur. "Das muss sich auch in verlĂ€sslichen, innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln. Vor diesem Hintergrund sind die aktuellen PlĂ€ne aus unserer Sicht alles andere als eine ausgewogene Lastenverteilung."
ZusÀtzliche Belastungen der forschenden Pharmaindustrie, ohne die strukturellen Kostentreiber im Gesundheitssystem anzugehen, löse die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung nicht, sagte Schoenmaeckers. Vielmehr schwÀchten sie Innovationsanreize und Planungssicherheit, gefÀhrdeten mittelfristig den Zugang von Patientinnen und Patienten zu modernen Therapien. "Wir sollten nicht an Arzneimitteln sparen, sondern mit ihnen." Innovative Medikamente könnten Kosten senken.
Schoenmaeckers: Internationaler Wettbewerb ausgeblendet
Die Bundesregierung will das Sparpaket fĂŒr die Krankversicherungen am Mittwoch (29. April) im Kabinett beschlieĂen. Der Entwurf sieht vor, dass die gesetzlichen Krankenkassen im nĂ€chsten Jahr um 19,6 Milliarden Euro entlastet werden. Im Blick stehen Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und der Pharmabranche - aber auch höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der Mitversicherung von Ehepartnern. FĂŒr die Pharmaindustrie sind höhere Hersteller-Rabatte angedacht.
Schoenmaeckers sagte, Deutschland stehe in einem internationalen Wettbewerb um Forschung, Entwicklung und Investitionen. "Das wurde in den VorschlĂ€gen vollkommen ausgeblendet." Nationale AlleingĂ€nge bei Preis- und Regulierungsfragen wirkten weltweit, beeinflussten Standortentscheidungen unmittelbar. "Wir erwarten eine bessere Abstimmung der Ressorts und eine nachhaltige Reform mit Langfristwirkung", forderte er. Versicherungsfremde Leistungen mĂŒssten konsequent gegenfinanziert, Strukturen effizienter gemacht und Versorgung stĂ€rker am Patientennutzen ausgerichtet werden.
Nötig seien verlĂ€ssliche Regeln, betonte der Boehringer-Deutschlandchef. Sollte das Gleichgewicht aus Marktzugang, kalkulierbarer Preisbildung und Innovationsanreizen weiter gestört werden, verliere Deutschland als Pharmastandort - "mit der Folge, dass neue Therapien spĂ€ter oder gar nicht mehr in Deutschland verfĂŒgbar sind und Investitionen wegbleiben".
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