Ergebnisse, Produktion/Absatz

Hotels beflĂŒgeln Tui in trĂŒber Jahreszeit - Aktie jedoch im Minus

11.02.2025 - 09:34:33

Der Reisekonzern Tui DE000TUAG505 ist mit deutlichen ZuwÀchsen in die Wintersaison gestartet.

Besonders die hauseigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffe bescherten dem Unternehmen im TagesgeschĂ€ft ein zweites Mal schwarze Zahlen in der typischerweise reiseschwachen Jahreszeit. FĂŒr den Rest des GeschĂ€ftsjahres sieht Vorstandschef Sebastian Ebel den Konzern auf Kurs zu weiteren Steigerungen - allerdings im geringeren Maße. Auch die Krise von Boeing US0970231058 verhindert stĂ€rkere Verbesserungen.

An der Börse fanden die Neuigkeiten jedoch keinen Anklang. Die Tui-Aktie lag kurz nach Handelsstart am Dienstagmorgen mit sechs Prozent im Minus bei 7,99 Euro. Aus einem Anstieg in Richtung Zwischenhoch vom Dezember, der sich vorbörslich angedeutet hatte, wurde damit nichts. Seit dem Jahreswechsel steht nun wieder ein Abschlag von 4,4 Prozent zu Buche.

Im ersten GeschĂ€ftsquartal bis Ende Dezember zĂ€hlte der Tui-Konzern rund 3,7 Millionen Kunden und damit sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie er am Morgen vor Beginn seiner Hauptversammlung in Hannover mitteilte. FĂŒr den gesamten Winter sowie fĂŒr die wichtige Sommersaison registrierte Tui bisher jedoch nur zwei Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr. Die Preise lagen im Schnitt vier Prozent höher als vor einem Jahr.

WĂ€hrend der Veranstalter sein Winterangebot zu 85 Prozent verkauft hat, stehen die meisten Buchungen fĂŒr die heiße Jahreszeit noch aus. Konzernweit ist erst knapp ein Drittel des Sommerprogramms verkauft. FĂŒr Deutschland liegt der Anteil bei 30 Prozent.

In den reiseschwachen Monaten Oktober bis Dezember sprang Tuis Umsatz um 13 Prozent auf rund 4,9 Milliarden Euro nach oben. Vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) verdiente der Konzern mit rund 51 Millionen Euro mehr als acht Mal so viel wie ein Jahr zuvor.

Unter dem Strich verringerte sich der auf die AktionÀre entfallende Verlust um 30 Prozent gut 85 Millionen Euro. Touristikunternehmen schreiben im Winter meistens rote Zahlen. Ihre Gewinne fahren sie in der Hauptreisezeit im Sommer ein. Entsprechend erfreut zeigte sich Finanzchef Mathias Kiep, dass Tui zumindest beim operativen Ergebnis erneut schwarze Zahlen erreicht hat.

Vorstandschef Ebel sieht den Konzern unterdessen "auf dem Weg zu weiterem Wachstum": Im laufenden GeschÀftsjahr bis Ende September soll der Umsatz wie geplant um 5 bis 10 Prozent wachsen. Den bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) will er um 7 bis 10 Prozent nach oben treiben - Schwankungen der WÀhrungskurse sind dabei jeweils ausgeklammert.

Positiv stimmt den Tui-Chef besonders das GeschÀft der konzerneigenen Hotelketten wie Riu, Robinson und Tui Blue. Vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) lieferte die Hotelsparte im abgelaufenen Quartal einen Gewinn von 150 Millionen Euro ab - fast zwei Drittel mehr als ein Jahr zuvor. Die Betten waren zu 80 Prozent ausgelastet, und die Rate pro Bett stieg um 5 Prozent auf 94 Euro.

Gut lief es auch fĂŒr die Kreuzfahrtsparte, zu der die Linien Tui Cruises, Hapag-Lloyd und Marella gehören. Der GeschĂ€ftsbereich, der Tui und der Reederei Royal Caribbean gehört, steigerte sein bereinigtes operatives Ergebnis um 40 Prozent auf 48 Millionen Euro. Dazu trug auch ein neues Schiff fĂŒr Tui Cruises bei.

Tiefer in die roten Zahlen steuerte hingegen das klassische VeranstaltergeschĂ€ft: Höhere Ausgaben fĂŒr Marketing, IT und die Anbindung des Billigfliegers Ryanair ließen den bereinigten operativen Verlust der Sparte um fast ein Drittel auf 125 Millionen Euro anschwellen.

Dass es nicht besser lief, liegt auch am Flugzeughersteller Boeing. Der US-Konzern steht nach einer jahrelangen Krise mit ZwischenfĂ€llen und QualitĂ€tsmĂ€ngeln unter verschĂ€rfter Aufsicht der Luftfahrtbehörde und darf seine Produktion nicht so hochfahren, wie er möchte. Zudem legte im Herbst ein wochenlanger Streik die Produktion lahm. Nun mĂŒssen Tui und andere Boeing-Kunden wie Ryanair noch lĂ€nger auf ihre ohnehin verspĂ€teten neuen Jets warten.

Über den Winter habe Tui nun drei neue Boeing-Maschinen erhalten, sagte Ebel. UrsprĂŒnglich hĂ€tten es 16 oder 19 sein sollen. "GefĂŒhlt kriegen wir gar nichts", sagte der Manager. Zwar fehlten dem Konzern keine Flugzeuge, um sein GeschĂ€ft zu betreiben. Allerdings habe er wegen der fehlenden Lieferungen mehr Ă€ltere Maschinen in der Flotte - und diese seien teurer im Betrieb.

Der Tui-Konzern war in der Corona-Krise vom deutschen Staat mit Milliardensummen vor dem Untergang gerettet worden, nachdem das GeschĂ€ft mit dem Urlaub wegen der weltweiten ReisebeschrĂ€nkungen zeitweise komplett zusammengebrochen war. Seither hat das Unternehmen die Hilfen vor allem mithilfe von Kapitalerhöhungen zurĂŒckbezahlt, sitzt aber immer noch auf einem vergleichsweise hohen Schuldenberg. Den will das Management mit höheren Gewinnen aus dem TagesgeschĂ€ft weiterhin verkleinern.

@ dpa.de | DE000TUAG505 ERGEBNISSE