IT-Dienstleister Yandex verkauft RusslandgeschÀft an Investorengruppe
05.02.2024 - 10:47:09"Die Abfindung belĂ€uft sich insgesamt auf 475 Milliarden Rubel" (4,8 Milliarden Euro), teilte das Unternehmen am Montag in einer Pressemitteilung mit. Die HĂ€lfte der Summe werde in bar, die andere in Aktien von Yandex N.V. bezahlt. Der ausgehandelte Kaufpreis entspreche dabei dem von Russlands FĂŒhrung derzeit verlangten Abschlag von 50 Prozent gegenĂŒber dem fairen Wert des Unternehmens, betonte Yandex zugleich.
Ein Rabatt als Bedingung fĂŒr eine Verkaufsgenehmigung der russischen Regierung gilt fĂŒr auslĂ€ndische Investoren, deren Herkunftsland Moskau als "unfreundlich" einstuft. Dazu zĂ€hlen auch die Niederlande, die als westlicher Staat wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Sanktionen verhĂ€ngt haben.
Der KĂ€ufer sei ein Konsortium, bestehend aus dem russischen Management von Yandex und einer Reihe von Finanzinvestoren. Namentlich genannt werden der zum Ălkonzern Lukoil RU0009024277gehörende Investmentfonds Argonaut, Infinity Management des IT-Unternehmers Alexander Tschatschawa, die Firma IT-Elaboration des bisher weitgehend unbekannten GeschĂ€ftsmanns Pawel Prass und Meridian-Servis von dem in der Ălbranche tĂ€tigen Alexander Rjasanow.
Das unabhĂ€ngige Internetportal "The Bell" berichtet unter Verweis auf eigene Quellen, dass einige der genannten KĂ€ufer als MittelsmĂ€nner fĂŒr andere Interessenten auftreten könnten, die von westlichen Sanktionen belegt seien. Der Kreml bekundete bereits Zustimmung zu dem Verkauf. "FĂŒr uns ist es natĂŒrlich wichtig, dass das Unternehmen seine Arbeit gerade in unserem Land fortsetzt", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Wichtigster EigentĂŒmer bleibe durch den Verkauf das russische Management.
Yandex wurde 1997 vom Informatiker und IT-Unternehmer Arkadi Wolosch gegrĂŒndet. 2011 fĂŒhrte er das Unternehmen in New York an die Börse - nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs wurden die Aktien vom Handel an der Nasdaq ausgeschlossen. Bis heute ist Yandex im russischsprachigen Raum die bekannteste Suchmaschine, hat daneben jedoch noch zahlreiche weitere GeschĂ€ftsfelder erschlossen, vom Streaming ĂŒber Online-Taxi bis hin zum Lieferservice. Das verkaufte RusslandgeschĂ€ft mache rund 95 Prozent des Kapitals der Yandex-Gruppe aus, heiĂt es in der Pressemitteilung.
Wolosch, der seit 2014 in Israel lebt, hatte den Verkauf seit Beginn des russischen Angriffskriegs betrieben. Die von Kremlchef Wladimir Putin befohlene Invasion hatte er im Herbst 2023 als "barbarisch" verurteilt. Mit dem ihm verbliebenen Anteil an der niederlĂ€ndischen Muttergesellschaft von Yandex will er sich vor allem auf die Entwicklung von KĂŒnstlicher Intelligenz konzentrieren.

