Finanzierung/Investitionen, Ergebnisse

Baywa gibt Sanierungsgutachten in Auftrag - Aktie deutlich unter Druck

12.07.2024 - 20:30:29

Der stark verschuldete AgrarhÀndler Baywa DE0005194062 will mithilfe eines Sanierungsgutachtens die angespannte Finanzierungslage verbessern.

Der Vorstand gehe aufgrundkonstruktiver GesprĂ€che mit Finanzierungspartnern und der eingeleitetenMaßnahmen davon aus, dass die Finanzsituation nachhaltig gestĂ€rkt werdenkönne, hieß es in einer am Freitagabend verbreiteten Mitteilung. Damit verfolge Baywa weiterhin seinen Konsolidierungskurs.

Börsianer teilten den Optimismus offenbar zunĂ€chst nicht. Die Baywa-Aktie sackte auf der Handelsplattform Tradegate zuletzt um gut fĂŒnf Prozent zum Xetra-Schlusskurs ab.

Vorstandschef Marcus Pöllinger hatte auf der Hauptversammlung vor vier Wochen angekĂŒndigt, mit Einsparungen und VerkĂ€ufen unprofitabler GeschĂ€fte aus der Krise kommen zu wollen. Der Manager versprach den AktionĂ€ren nach dem Verlustjahr 2023 einen "Transformationsprozess" und ein wesentlich besseres Ergebnis im laufenden Jahr. "Jede Einheit muss kĂŒnftig fĂŒr sich profitabel sein", hatte Pöllinger gesagt. Von AktionĂ€ren war scharfe Kritik an der Entwicklung des Unternehmens gekommen, sowohl von Vereinigungen als auch von einzelnen Anteilseignern.

Der aus der Genossenschaftsbewegung hervorgegangenen MĂŒnchner Konzern hatte 2023 Verluste geschrieben, im ersten Quartal war das Unternehmen mit einem Nettoverlust von 108 Millionen Euro tief in den roten Zahlen geblieben. Der Umsatz war im Vergleich zum ersten Quartal 2023 um 17 Prozent auf knapp 5,2 Milliarden Euro gesunken. Das erste Quartal verlĂ€uft bei Baywa traditionell schwach, doch hatte es in den vergangenen Jahren keine Verluste zu Jahresbeginn gegeben. Das Unternehmen hatte daher fĂŒr 2023 keine Dividende zahlen wollen, die AktionĂ€rsversammlung stimmte dem Vorschlag zu.

Pöllinger hatte angedeutet, dass bis zur Jahresmitte keine Wende zum Besseren zu erwarten ist: "Entsprechend kann das erste Halbjahr auch noch nicht fĂŒr den angestrebten Aufschwung stehen". Der Konzern ist internationaler AgrarhĂ€ndler, außerdem als Projektentwickler fĂŒr Ökostromanlagen sowie im BaugeschĂ€ft als HĂ€ndler und Dienstleister tĂ€tig.

Die Verschuldung von Baywa ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Ende des ersten Quartals beliefen sich kurz- und langfristige Kredite zusammen auf eine Summe von 5,6 Milliarden Euro. Hinzu kamen im ersten Quartal Personalquerelen, die zum RĂŒcktritt des Aufsichtsratschefs Klaus Josef Lutz fĂŒhrten.

Der Vorstand will nun unter anderem den Solarhandel verkaufen. Das war schon fĂŒr 2023 geplant, doch fand der Vorstand keinen KĂ€ufer, der den geforderten Preis zahlen wollte. Bereits verkauft ist das GeschĂ€ft mit Digitaltechnik fĂŒr Landwirte. Vorstandschef Pöllinger will außerdem Stellen abbauen, "selbstverstĂ€ndlich sozialvertrĂ€glich". Eine GrĂ¶ĂŸenordnung hatte er nicht genannt. Im GeschĂ€ftsfeld Bau prĂŒft die Baywa-Chefetage Kurzarbeit.

@ dpa.de | DE0005194062 FINANZIERUNG/INVESTITIONEN