ROUNDUPTĂŒrkei, Deutschland

Deutschland feiert Erfolg im Döner-Streit

25.09.2025 - 13:23:43

Der Streit um europaweit einheitliche Regeln fĂŒr die Herstellung von Dönerfleisch ist nach mehr als drei Jahren vorerst beendet.

Der Internationale Dönerverband (Udofed) zog nach Angaben einer Sprecherin der EuropĂ€ischen Kommission seinen Antrag zurĂŒck, Döner auf die EU-Liste mit "garantiert traditionellen SpezialitĂ€ten" aufzunehmen. "TĂŒrkei gibt im Döner-Streit mit Deutschland auf", kommentierte die "Bild", die zunĂ€chst ĂŒber die neuen Entwicklungen berichtet hatte.

HĂ€tte sich der tĂŒrkische Verband mit seinem Antrag durchgesetzt, hĂ€tten Dönerspieße kĂŒnftig in der gesamten EU nach einheitlichen Regeln hergestellt werden mĂŒssen. In Deutschland waren die Gastronomie und Fleischproduzenten deswegen alarmiert gewesen und hatten mit UnterstĂŒtzung der Bundesregierung Einspruch gegen die Initiative eingelegt.

Vielfalt bleibt erhalten

Ein zentraler Kritikpunkt war, dass die in der Bundesrepublik ĂŒbliche Verwendung von Kalb- und Jungrindfleisch sowie von Putenfleisch fĂŒr die Dönerproduktion illegal geworden wĂ€re.

Nach dem nun zurĂŒckgezogenen Antrag aus der TĂŒrkei hat Döner nĂ€mlich aus Fleisch von mindestens sechzehn Monate alten Rindern oder Keulen- und/oder RĂŒckenfleisch von mindestens sechs Monate alten Schafen zu bestehen. Einzige Alternative wĂ€re demnach Döner aus HĂ€hnchenfleisch gewesen, der aus HĂ€hnchenbrust und/oder HĂ€hnchenschenkeln hergestellt werden mĂŒsste. Genau geregelt werden sollte zum Beispiel auch, welche Zutaten fĂŒr die Marinade zulĂ€ssig sind, wie dick die Fleischscheiben zu sein haben und wie lange mariniert werden muss.

In Deutschland ansĂ€ssige Produzenten zeigen sich deswegen nun erleichtert: "Wir freuen uns, dass die Döner-Vielfalt in Deutschland erhalten bleibt und noch grĂ¶ĂŸer werden kann", zitierte die "Bild" Erdogan Koc vom Verband der Dönerproduzenten Deutschlands (VDD).

Verband erklÀrt sich nicht

Warum der Internationale Dönerverband (Udofed) seinen Antrag zurĂŒckzog, blieb zunĂ€chst unklar. Nach Angaben aus EU-Kreisen wollte er mit dem Schritt möglicherweise einer offiziellen Ablehnung zuvorkommen. In dem PrĂŒfverfahren hatte sich zuletzt abgezeichnet, dass es in der EU-Kommission und in den Reihen der Mitgliedstaaten kaum UnterstĂŒtzer gibt.

Zu den prominenten deutschen Gegnern des tĂŒrkischen Vorstoßes zĂ€hlten Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder und der GrĂŒnen-Politiker Cem Özdemir. "Der Döner gehört zu Deutschland. Wie er hier zubereitet und gegessen wird, sollte jeder selbst entscheiden dĂŒrfen. Da braucht es keine Vorgaben aus Ankara", kritisierte Özdemir 2024, als er noch Landwirtschaftsminister war.

Neben dem Bundeslandwirtschaftsministerium hatten auch der Verein TĂŒrkischer Dönerhersteller in Europa und der Deutsche Hotel- und GaststĂ€ttenverband (Dehoga) bei der EU Einspruch gegen den Antrag auf die Eintragung von Döner als traditionelle SpezialitĂ€t eingelegt.

Der Dehoga argumentierte etwa, wenn dem Antrag stattgegeben werden wĂŒrde, hĂ€tte dies gravierende Konsequenzen fĂŒr gastronomische Betriebe und Verbraucher und nannte neue Bezeichnungen fĂŒr Dönergerichte, Abgrenzungsschwierigkeiten und Rechtsunsicherheiten als Beispiele. Auch GemĂŒsedöner hĂ€tte es nicht mehr geben dĂŒrfen.

Worum es neben symbolischen Dingen in dem Streit ging, zeigen Zahlen auf der Website des Vereins tĂŒrkischer Dönerhersteller in Europa. Er geht davon aus, dass europaweit zuletzt etwa 400 Tonnen Döner pro Tag produziert wurden und beziffert die Zahl der BeschĂ€ftigten in der Branche auf circa 60.000. Die Döner-Branche erziele in Deutschland jĂ€hrlich etwa 2,4 Milliarden Euro Umsatz, europaweit circa 3,5 Milliarden Euro.

Warum wurde der Antrag eingereicht?

Unklar war bis zuletzt auch, warum der Internationale Dönerverband den Antrag 2022 einreichte, obwohl er selbst von dem Verein TĂŒrkischer Dönerhersteller in Europa abgelehnt wurde. Auf Anfragen der Deutschen Presse-Agentur gab es zu dem Thema keine klare Antwort und auch aus dem Antrag selbst war nicht ersichtlich, warum seit Jahrzehnten in Deutschland verbreitete Herstellungsmethoden kĂŒnftig nicht mehr genutzt werden sollten.

Dort wurde sogar darauf verwiesen, dass Döner zu einem kulturellen Symbol der tĂŒrkischen Einwanderung nach Deutschland geworden sei - vor allem die Variante, bei der Döner mit Salat, Zwiebeln, Tomatenscheiben und Soße im Fladenbrot serviert wird.

@ dpa.de