1&1-Probleme belasten United Internet stark - Kursrutsch bei Aktien
14.02.2025 - 10:20:52Umsatz und Ergebnis seien dadurch ungeplant belastet, teilten beide Unternehmen am Donnerstagabend in Montabaur mit. Zudem musste 1&1 nach eigenen Angaben mehr Geld fĂŒr den Ausbau des vierten Handynetzes in Deutschland ausgeben als geplant. Die United-Internet-Aktie rutschte kurz nach Handelsbeginn am Freitag um sieben Prozent ab. Das 1&1-Papier notierte sechs Prozent niedriger. Der Kurs der Konzerntochter Ionos DE000A3E00M1 bewegte sich kaum.
Im Mai hatte ein fehlerhaftes Software-Update das 1&1-Mobilfunknetz tagelang lahmgelegt und dem Konzern Tausende SonderkĂŒndigungen eingebrockt. Konzernchef Ralph Dommermuth schĂ€tzte die Zahl der KĂŒndigungen infolge des Ausfalls auf 50.000. Zudem preschte der Konkurrent Telefonica Deutschland ES0178430E18 (O2) mit besonders guten Angeboten vor, zuletzt verzeichnete das Unternehmen netto ein Plus von gut 200.000 VertrĂ€gen. Unter diesem Druck leidet auch der britische Vodafone-Konzern GB00BH4HKS39.
Wegen des anhaltend harten Wettbewerbs stutzte der 1&1-Vorstand im Herbst dann sein Wachstumsziel: Nach Abzug von KĂŒndigungen rechnete er seither noch mit 100.000 bis 200.000 neuen Vertragskunden im Gesamtjahr. Zuvor hatten noch an beiden Enden der Spanne jeweils 100.000 Kunden mehr auf dem Zettel gestanden. Auf Basis vorlĂ€ufiger Zahlen entschieden sich rund 130.000 Neukunden fĂŒr 1&1-Produkte.
Auf Konzernebene stieg der Umsatz des vergangenen Jahres unterdessen um knapp zwei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro - damit hatten sowohl das Management als auch Analysten im Mittel gerechnet. Das moderate Wachstum erklÀrte sich United Internet damit, dass der Konzern weniger EndgerÀte wie Smartphones und Tablets verkaufte.
Im TagesgeschĂ€ft lief es hingegen nicht so wie erhofft: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stagnierte bei knapp 1,3 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen von Vorstand und Branchenkennern. Nach Darstellung von 1&1 verzögert sich der Umzug von Kunden auf das eigene Netz zudem, weil ein Ausbaupartner nicht genug Komponenten vorrĂ€tig hatte. Erst ab Oktober sei die Migration von Bestandskunden "wieder umfangreich aufgenommen" worden, sodass geplante Kosteneinsparungen gröĂtenteils nicht möglich waren.
1&1 will fĂŒr das fehlerhafte Update und die Verzögerungen beim Kundenumzug von seinem Partner entschĂ€digt werden. Branchenkreisen zufolge handelt es sich dabei um den japanischen Rakuten-Konzern JP3967200001. Verhandlungen ĂŒber entsprechende EntschĂ€digungszahlungen seien bislang nicht abgeschlossen. Bis zur geplanten Vorlage der endgĂŒltigen GeschĂ€ftszahlen fĂŒr das vergangene Jahr am 27. MĂ€rz dĂŒrften sich die Parteien nicht einigen, hieĂ es. Insidern zufolge geht es um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.

