Produktion/Absatz, Deutschland

Studie: Immer mehr hohe Motorhauben - Gefahr fĂŒr Kinder

12.06.2025 - 06:29:21

Der Trend zu immer grĂ¶ĂŸeren Autos in Europa lĂ€sst sich auch an der Höhe der Motorhauben ablesen - mit möglichen Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit besonders von Kindern.

Denn eine höhere Front erschwert es Fahrerinnen und Fahrern, kleinere Menschen unmittelbar vor dem Fahrzeug zu erkennen, wie aus einer Untersuchung des EuropĂ€ischen Verbands fĂŒr Verkehr und Umwelt (T&E) hervorgeht.

Motorhauben im Schnitt 83,4 Zentimeter hoch

Die durchschnittliche Höhe von Motorhauben in Großbritannien und der EU hat seit 2010 pro Jahr um einen halben Zentimeter zugenommen und lag 2024 bei 83,4 Zentimetern, wie T&E mitteilte. Fast die HĂ€lfte aller Neuzulassungen in den untersuchten Regionen kommt demnach auf eine Höhe der Motorhaube von mehr als 85 Zentimeter. Bei 1,5 Prozent der neuen Fahrzeuge ist es dem Verband zufolge sogar mehr als ein Meter. T&E fordert deshalb eine gesetzliche Obergrenze: "Wir empfehlen eine maximale Höhe von 85 Zentimetern ab 2035" - abhĂ€ngig von weiteren Untersuchungen, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Denn mit höheren Motorhauben steige im Falle von UnfĂ€llen das Risiko schwerer Verletzungen, insbesondere bei FußgĂ€ngern. "Bei UnfĂ€llen treffen SUVs und Pick-up-Trucks mit hoher Motorhaube erwachsene FußgĂ€nger in der Regel oberhalb des Schwerpunkts, wobei sie oft zuerst lebenswichtige Organe in der Körpermitte treffen." Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die Opfer nach vorne geschleudert und ĂŒberrollt werden.

Seit Jahren Boom bei SUV und GelÀndewagen

Kleinere Fahrzeuge trĂ€fen FußgĂ€nger hingegen eher unterhalb des Schwerpunkts. Dadurch erhöhe sich die Chance, dass sie auf das Auto fallen und schließlich zur Seite abrollen. Der T&E zitiert Studien, basierend auf Daten aus Belgien, wonach ein Anstieg der Motorhaubenhöhe von 80 auf 90 Zentimeter das Risiko fĂŒr FußgĂ€nger und Radfahrer um mehr als ein Viertel erhöht, dass ein Unfall mit einem solchen Fahrzeug fĂŒr sie tödlich ausgeht.

Die wachsende Höhe der Motorhauben ist vor allem mit dem seit Jahren anhaltenden Boom bei sogenannten SUV und GelÀndewagen zu erklÀren. Im vergangenen Jahr machten diese beiden Segmente dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zufolge mehr als 40 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland aus.

Zum 1. Januar dieses Jahres waren demnach hierzulande rund 6,6 Millionen SUV zugelassen, fast zehn Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Damit gehörten mehr als 13 Prozent aller in Deutschland gemeldeten Autos zu dieser Fahrzeugklasse. Bei den GelĂ€ndewagen waren es mit 3,3 Millionen Einheiten 6,6 Prozent des Bestands - zusammen also fast ein FĂŒnftel.

Statistik zeigt keine AuffÀlligkeiten

Auch andere Fachleute erkennen in den Fahrzeugen ein Sicherheitsrisiko. "Insassen schwerer Fahrzeuge, wie etwa SUVs, sind bei UnfĂ€llen in der Regel besser geschĂŒtzt als Personen in kleineren Autos, unter anderem durch eine robustere Bauweise und eine erhöhte Sitzposition", sagt etwa Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und MobilitĂ€t beim TĂŒv-Verband. FĂŒr die Unfallgegner steige hingegen das Verletzungsrisiko, "da grĂ¶ĂŸere Fahrzeuge durch ihre höhere Masse und Bauform, etwa durch höhere Motorhauben, stĂ€rkere AufprallkrĂ€fte erzeugen können".

Statistiken zu Verletzungen im Zusammenhang mit der Motorhaubenhöhe gibt es nicht. Daten des Statistischen Bundesamts zeigen lediglich, welche Fahrzeugklassen wie oft UnfĂ€lle mit Verletzten oder Toten verursacht haben. Im Jahr 2023 verursachten SUV demnach zwar knapp jeden zehnten Unfall mit Personenschaden. Das entspricht aber in etwa ihrem Anteil am Gesamtbestand aller Pkw. GelĂ€ndewagen verursachten demnach hingegen etwa 5,6 Prozent aller UnfĂ€lle, bei denen Menschen zu Schaden kamen. Das war deutlich mehr als es ihrem Anteil entsprechen wĂŒrde.

Versicherer warnen vor vorschnellen SchlĂŒssen

Die Unfallforschung der Versicherer warnt vor vorschnellen SchlĂŒssen, was die Verkehrssicherheit von SUV angeht. "Man kann schon sagen, dass die Höhe der Motorhaube ein Risiko sein kann fĂŒr schwerere Verletzungen gerade bei kleineren FußgĂ€ngern", sagte die Leiterin, Kirstin Zeidler. "Aber das Verletzungsrisiko hĂ€ngt eben nicht allein von der Höhe der Motorhaube ab." Die Unfallsituation spiele eine wichtige Rolle, bei einem Frontalaufprall aber auch LĂ€nge und Neigung der Motorhaube sowie der Abstand zur Frontscheibe.

Auch die Geschwindigkeit sei entscheidend. "Ein vorsichtig gefahrener SUV ist nicht gefÀhrlicher als ein unvorsichtig gefahrener normaler Pkw", betont Zeidler. VerÀnderte Bauweisen und Fahrer-Assistenzsysteme hÀtten zudem ebenfalls einen Einfluss auf Verletzungsschwere und Unfallrisiko. Diese Aspekte kÀmen in der T&E-Studie allerdings zu kurz.

@ dpa.de | DE0005190003 PRODUKTION/ABSATZ