Frankfurt Schluss: Eskalierender Zollkrieg fĂŒhrt zu Ausverkauf
04.04.2025 - 17:58:58Nachdem China mit hohen Gegenzöllen auf die Zoll-Lawine aus den USA reagierte, konnte sich der Leitindex erst unter der Marke von 20.500 Punkte stabilisieren. Aus dem Handel ging der Dax DE0008469008 4,95 Prozent tiefer bei 20.641,72 Punkten. Der MDax DE0008467416 gab um 5,46 Prozent auf 25.408,54 ZÀhler nach.
Schon an den beiden Vortagen hatte der Dax krĂ€ftig Federn gelassen, sodass sich ein mehr als acht Prozent groĂes Wochenminus angehĂ€uft hat. Er verbuchte damit seinen gröĂten Wochenverlust seit der FrĂŒhphase des russischen Ăberfalls auf die Ukraine im FrĂŒhjahr 2022. Auch 2025 trĂŒbte sich das Bild deutlich ein: Von einem Spitzenplus, das im MĂ€rz beim Rekord noch fast 18 Prozent groĂ war, ist mittlerweile nur noch ein 3,7 Prozent hohes Jahresplus ĂŒbrig geblieben.
Laut dem DZ-Bank-Analysten Sören Hettler macht sich derzeit eine gewisse Panik an den FinanzmĂ€rkten breit. Anleger flĂŒchteten in sichere Anlagen und die Kurse suchten ihren Boden. Durch die AnkĂŒndigung Pekings, ihrerseits Zölle auf US-Importe in Höhe von 34 Prozent zu erheben und Exportkontrollen auf seltene Erden einzufĂŒhren, habe die Furcht vor einer Eskalation des Handelskrieges auf globaler Ebene nochmals erheblich zugenommen.
FĂŒr den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 ging es unter diesen UmstĂ€nden am Freitag um 4,6 Prozent auf 4.878,31 Punkte abwĂ€rts. Er erreichte im Tagestief das Niveau, das er kurz vor Weihnachten hatte. In seiner Jahresbilanz ist er moderat ins Minus gerutscht.
Robuste US-Arbeitsmarktdaten, die am Nachmittag fĂŒr den Monat MĂ€rz veröffentlicht wurden, spielten angesichts des Zollkriegs kaum eine Rolle an den internationalen Börsen. In den USA sackte der Dow Jones Industrial US2605661048 zuletzt um 3,4 Prozent ab, wĂ€hrend der Nasdaq 100 US6311011026 3,8 Prozent verlor. Mittlerweile hat der technologielastige US-Index seit seinem Rekordhoch im Februar schon fast 20 Prozent eingebĂŒĂt. Er steht damit an der Schwelle zu einem sogenannten BĂ€renmarkt.
"Ob und inwieweit sich die AbwĂ€rtsspirale an den AktienmĂ€rkten in den nĂ€chsten Tagen fortsetzen wird, dĂŒrfte vor allem von den beteiligten Regierungen abhĂ€ngen", hieĂ es weiter vom DZ-Bank-Experten Hettler. "Sollte vor allem die US-Regierung klare Verhandlungsbereitschaft signalisieren, könnte das Bild vom 'Dealmaker-Trump' wieder in den Vordergrund rĂŒcken und fĂŒr Beruhigung sorgen." Sollte er seine harte Gangart fortsetzten, seien weitere RĂŒckschlĂ€ge keineswegs ausgeschlossen. Dem Dax könne dann der Rutsch unter die Marke von 20.000 Punkten drohen.
Am deutschen Aktienmarkt wurden zyklische Werte, wie sie vor allem aus den industriellen Branchen kommen, besonders deutlich abgestoĂen. Dies galt im Umfeld fallender Marktzinsen und steigender Wachstumsrisiken aber auch fĂŒr Banken. Anteile der Deutschen Bank DE0005140008 rutschten am Dax-Ende um fast zehn Prozent ab. Im 2025 lange stark gelaufenen Finanzsektor sieht die Bank of America unter den neuen UmstĂ€nden besonders viel AbwĂ€rtsrisiko.
Zu den gröĂeren Verlierern gehörten auch die Aktien von Infineon DE0006231004, die im AbwĂ€rtsstrudel des Technologiesektors 7,1 Prozent verloren. In der Halbleiterbranche hielt sich die Sorge, dass sich auch dieser Industriezweig nach den jĂŒngsten Worten von Trump noch auf happige Zölle gefasst sein muss.
Im MDax brachen Gerresheimer DE000A0LD6E6 um 14,5 Prozent ein. Beim Ringen um eine mögliche Ăbernahme des Spezialverpackungsherstellers schrumpft Kreisen zufolge die Zahl möglicher Bieter immer weiter. Die Beteiligungsgesellschaft KKR US48251W1045 habe das zusammen mit Warburg Pincus gebildete Konsortium verlassen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Auch die im MDax enthaltenen Papiere der Online-Apotheke Redcare NL0012044747 konnten sich dem schwachen Markt nicht ganz entziehen. Angesichts gut aufgenommener vorlÀufiger Quartalszahlen verloren sie aber letztlich nur 0,4 Prozent. Im ersten Jahresviertel profitierte der MedikamentenhÀndler weiter von einem starken Anstieg im GeschÀft mit dem elektronischen Rezept, insbesondere in Deutschland./tih/he
--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---

