WasserstoffgeschÀft stockt immer mehr
29.07.2024 - 10:50:57So halten sich Kunden mit Investitionen beim Thema "grĂŒner Wasserstoff" zunehmend zurĂŒck, auch weil weiterhin die Bedingungen zu Regulierung und Förderung unklar sind. Das zum Industriekonzern Thyssenkrupp DE000NCA0001 gehörende Unternehmen strich daher am Freitagabend nach Börsenschluss die Umsatz- und Ergebnisprognose fĂŒr das WasserstoffgeschĂ€ft fĂŒr das kommende GeschĂ€ftsjahr 2024/25 (per Ende September).
"Bedauerlicherweise haben die bekannten Bremsfaktoren, wie etwa die Unsicherheiten bei der Regulatorik und der Förderung, nicht an negativer Kraft verloren", kommentierte Konzernchef Werner Ponikwa. Fortschritte auf der Regulierungsseite seien zwar erkennbar, aber gleichzeitig noch nicht ausreichend, um die Investitionsdynamik wieder zu beschleunigen. "Die Folge sind weitere Verzögerungen neuer Projekte auf Kundenseite."
Am Aktienmarkt wurde das Papier am Montagmorgen abgestraft - es sank um mehr als sechs Prozent auf ein Rekordtief. So strich das Bankhaus Metzler seine Kaufempfehlung fĂŒr Nucera. Es sei enttĂ€uschend, dass auch die Nische des Wasserstoffspezialisten - die Dekarbonisierung im Industriebereich - erneut Federn lasse, schrieb Analyst Guido Hoymann. Im Sog von Nucera verlor die Aktie von Thyssenkrupp knapp ein Prozent.
Zuletzt hatte Thyssenkrupp Nucera fĂŒr das GeschĂ€ft mit der alkalischen Wasserelektrolyse (AWE) 700 bis 800 Millionen Euro Umsatz fĂŒr 2024/25 ausgegeben. Bereits Mitte Mai zu den Zahlen des zweiten GeschĂ€ftsquartals hatte das Unternehmen seine Aussichten fĂŒr das zuvor rasant wachsende GeschĂ€ft sowohl im laufenden als auch im kommenden GeschĂ€ftsjahr gesenkt.
Bereits damals hatte das Unternehmen die Diskrepanz in Europa und Nordamerika zwischen ursprĂŒnglich geplanten Projekten und finalen Investitionsentscheidungen moniert. Nucera kritisierte zudem das Tempo der Förderzusagen und forderte den Abbau solcher "Investitionshemmnisse".
Dagegen kommt das Unternehmen beim Abbau bestehender AuftrĂ€ge voran und schnitt im dritten Quartal vorlĂ€ufigen Berechnungen zufolge besser ab als vom Markt erwartet. So stieg der Umsatz der Gruppe um mehr als ein Viertel auf 236 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um sechs Millionen auf eine Million Euro. Nucera steckt derzeit viel Geld in den Hochlauf seines WasserstoffgeschĂ€ftes, was auf die Ergebnisse drĂŒckt. Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Verlust gerechnet.
FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr bestĂ€tigte das Unternehmen daher die Prognose und erwartet weiter einen Umsatz von 820 Millionen bis 900 Millionen Euro sowie einen operativen Verlust im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auch die Umsatz-Prognose fĂŒr das WasserstoffgeschĂ€ft von 500 bis 550 Millionen Euro wurde bekrĂ€ftigt.
Die vollstĂ€ndige Bilanz fĂŒr das dritte Quartal will das Unternehmen am 13. August vorlegen.

