Airbus legt noch stärker zu als gedacht - Rekordziele im Blick
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 20:02 Uhr | dpa.deWar das erste Quartal noch schwach ausgefallen, legte der Dax DE0008469008-Konzern im zweiten Jahresviertel kräftig zu. Vorstandschef Guillaume Faury hält daher an seinem Ziel fest, in diesem Jahr so viele Passagierjets auszuliefern wie nie zuvor. Auch der Gewinn im Tagesgeschäft soll eine Höchstmarke erreichen. Für die kommenden Jahre hat sich der Manager noch deutlich mehr vorgenommen.
Am Finanzmarkt lösten die Neuigkeiten vom Mittwochabend keine großen Bewegungen aus: Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate gewann die Airbus-Aktie im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs lediglich ein Prozent. Im Vergleich zum Jahreswechsel hat das Papier 2026 bisher rund sechs Prozent gewonnen.
Im zweiten Quartal profitierte Airbus kräftig von den gestiegenen Flugzeug-Auslieferungen. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 20,5 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern nach Börsenschluss mitteilte. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) legte um mehr als die Hälfte auf gut 2,4 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich verdiente Airbus mit knapp 1,7 Milliarden Euro sogar mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Die Zahlen übertrafen durchweg die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.
"Wir fahren die Produktion in allen Geschäftsbereichen hoch, um der wachsenden Nachfrage nach unseren zivilen und militärischen Lösungen gerecht zu werden", sagte Faury. Vor allem Airbus' Auftragsbücher für Passagier- und Frachtflugzeuge sind prall gefüllt. Ende Juni lag der Auftragsbestand bei mehr als 9.200 Maschinen. Dies reicht rechnerisch für mehr als zehn Jahre. Auch der Militärtransporter A400M und der Kampfjet Eurofighter sind wieder stärker gefragt.
Airbus ringt seit Jahren mit Triebwerksherstellern und anderen Zulieferern, um genügend Teile für den Ausbau seiner Passagierjet-Produktion zu bekommen. Vor allem die Kapazitäten für die Mittelstreckenjets aus der Modellfamilie A320neo sind auf Jahre hinaus ausgebucht, und Fluggesellschaften wollen auf neue Maschinen nicht so lange warten. Der einzige große Konkurrent Boeing US0970231058 steckt seit Jahren in einer schweren Krise und darf die Produktion seines Konkurrenzmodells 737 Max nur nach Freigaben der Aufsichtsbehörde weiter hochfahren.
Seine jüngste Schelte für den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney wollte Faury am Mittwochabend auf Nachfrage nicht wiederholen. Im Februar und im April hatte er der Tochtergesellschaft des US-Konzerns RTX US75513E1010 die Schuld daran gegeben, dass Airbus seine Flugzeugproduktion nicht schneller ausweiten kann.
Für 2026 sieht der Manager den Zulieferer jetzt offenbar im Plan. Man führe konstruktive Gespräche darüber, wie viele Turbinen vom Typ Getriebefan Pratt & Whitney in den kommenden Jahren liefern könne.
Der Triebwerksbauer muss seit 2023 den Rückruf von rund 3.000 Turbinen stemmen, bei denen er ein fehlerhaftes Pulvermetall verwendet hat. Hunderte Flugzeuge müssen deshalb oft monatelang am Boden bleiben. Die Produktion der Ersatzteile schluckt Kapazitäten, die Pratt & Whitney sonst für den Bau neuer Turbinen nutzen könnte. Der Triebwerkstyp treibt etwa jeden zweiten Jet aus Airbus-A320neo-Familie an, der meistgefragten Flugzeugreihe der Welt. An dem Antrieb ist auch der Münchner Triebwerksbauer MTU DE000A0D9PT0 beteiligt.
Im ersten Halbjahr lieferte Airbus 351 Verkehrsflugzeuge aus und damit 35 Stück mehr als ein Jahr zuvor. In der zweiten Jahreshälfte müssen es deutlich mehr werden, damit Airbus im Gesamtjahr wie von Faury geplant rund 870 Jets an seine Kunden übergeben kann. Damit würde der Hersteller seinen bisherigen Rekord von 863 Maschinen aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 übertreffen.
Auch mit Blick auf den Gewinn hat sich Faury einen Rekord vorgenommen. So soll das bereinigte operative Ergebnis von 7,1 Milliarden im Jahr 2025 auf rund 7,5 Milliarden Euro wachsen. Nach den ersten sechs Monaten stehen hier wegen des schwachen ersten Quartals erst gut 2,7 Milliarden in den Büchern.
Faury zeigte sich jedoch optimistisch, dieses Ergebnis mit steigenden Produktionszahlen und höheren Margen in den kommenden Jahren noch deutlich nach oben zu treiben. Dazu setzte sich die Konzernspitze vergangene Woche neue Ziele: So soll der bereinigte operative Gewinn bis zum Jahr 2029 auf dann 12 bis 13 Milliarden Euro klettern.
