Ströer prĂŒft Milliarden-Verkauf des KerngeschĂ€fts - Aktie steigt weiter
13.01.2025 - 09:20:11Der Kölner Konzern bestĂ€tigte am Freitag nach Börsenschluss entsprechende Berichte zu ersten Angeboten von Finanzinvestoren. Dem KerngeschĂ€ft mit der AuĂenwerbung (Out-of-Home, OOH) sowie digitalen Medien werde durch die Angebote eine indikative Bewertung deutlich oberhalb der Marktkapitalisierung von Ströer beigemessen, hieĂ es vom Konzern. Die Aktie des MDax DE0008467416-Konzerns stieg am Montag zum Handelsstart um rund zwei Prozent auf 56,20 Euro. Allerdings war sie schon am Freitag nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg ĂŒber Verkaufsambitionen im HauptgeschĂ€ft um rund ein FĂŒnftel gestiegen.
In dem Bloomberg-Bericht war zuvor von rund 4 Milliarden Euro fĂŒr die OOH-Sparte die Rede gewesen - auch das ist bereits deutlich mehr als der Börsenwert von Ströer von rund 2,6 Milliarden Euro vor Bekanntwerden der GesprĂ€che.
Der Marktwert von Ströer zog mit dem Kursanstieg zum Wochenbeginn auf gut 3,1 Milliarden Euro an. Ein HĂ€ndler sagte, der kolportierte Preis von 4 Milliarden Euro fĂŒr die AuĂenwerbung sei "teuer" und treibe damit den Aktienkurs in die Höhe. Die Papiere des Konzerns waren in den ersten Handelstagen des Jahres auf den tiefsten Stand seit November 2023 gefallen. Um den Jahreswechsel 2020/21 waren die Aktien noch mehr als 80 Euro wert gewesen.
Goldman-Sachs-Analyst James Tate taxierte in einem aktuellen Kommentar das AuĂenwerbegeschĂ€ft von Ströer - auf Basis des Unternehmenswertes - allein mit rund 3,65 Milliarden Euro, das DigitalgeschĂ€ft sei dazu in seinem Modell knapp 1,1 Milliarden Euro wert. JPMorgan-Experte Marcus Diebel verwies in seiner EinschĂ€tzung darauf, dass die GroĂaktionĂ€re Udo MĂŒller und Dirk Ströer zusammen rund 44 Prozent der Anteile in ihren HĂ€nden hielten. MĂŒller ist Co-Vorstandschef des Kölner Konzerns.
Das Unternehmen selbst nannte keine Namen von Interessenten. Es handele sich um ergebnisoffene GesprĂ€che, hieĂ es von den Kölnern. "Es gibt bisher keine Vereinbarung ĂŒber die Bedingungen und Konditionen einer möglichen Transaktion, einschlieĂlich des möglichen Kaufpreises", teilte das Unternehmen mit. Die GesprĂ€che dauerten an und es sei derzeit noch nicht abzusehen, ob es letztlich zum Abschluss eines Kaufvertrags kommen werde. Zudem mĂŒsste den Angaben zufolge die Hauptversammlung einem solchen GeschĂ€ft zustimmen.
Der Konzern habe Interesse von den Finanzinvestoren Hellman & Friedman sowie KKR US48251W1045 fĂŒr die AuĂenwerbung geweckt, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Auch die Gesellschaften CVC JE00BRX98089 und EQT SE0012853455 hĂ€tten sich mit Ströer bereits befasst, hieĂ es in dem Bericht weiter.
Ströers AuĂenwerbesparte enthĂ€lt sowohl klassische AnzeigeflĂ€chen (Classic OOH) als auch elektronische Anzeigen wie etwa Monitore an Bahnhöfen (Digital OOH). Daneben fĂŒhrt der Konzern das GeschĂ€ft mit Internetwerbung und Callcentern in einer separaten Sparte Digital & Dialog Media.
Mit der AuĂenwerbung kam Ströer in den ersten neun Monaten 2024 auf 661 Millionen Euro Umsatz und eine bereinigte operative Marge (Ebitda-Marge) von gut 46 Prozent. In der Sparte fĂŒr Onlinewerbung und Callcenter erzielte das Unternehmen 631 Millionen Euro Erlös bei einer Marge von knapp 17 Prozent. Die beiden Hauptsparten steuerten den Löwenanteil des GesamtgeschĂ€fts von 1,46 Milliarden Euro bei.
Analyst Tate von Goldman Sachs verwies darauf, dass das Ströer-Management bisher vornehmlich signalisiert hatte, die RandgeschĂ€fte mit dem Onlineshop Asam Beauty sowie dem Statistik-Anbieter Statista auf den PrĂŒfstand zu stellen, mit der Option, sich spĂ€ter auch das Callcenter-GeschĂ€ft genauer anzusehen.

