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Aktien Wien Schluss: GrĂ¶ĂŸter Tagesverlust seit gut zwei Jahren

04.04.2025 - 18:31:11

Der Wiener Aktienmarkt hat seine Talfahrt vom Vortag am Freitag beschleunigt fortgesetzt.

Die umfangreichen ZollankĂŒndigungen des US-PrĂ€sidenten Donald Trump sorgten zum Wochenausklang unverĂ€ndert fĂŒr eine dĂŒstere Stimmung an den Börsen weltweit. Nach der AnkĂŒndigung von Vergeltungszöllen der chinesischen Regierung wurden die bereits herben Kursverluste noch einmal ausgeweitet.

Im Vergleich zum schwachen europĂ€ischen Umfeld fielen die AbschlĂ€ge in Wien aufgrund der hohen Gewichtung der Bankaktien zudem noch einmal deutlich stĂ€rker aus. Der ATX AT0000999982 sank um 5,95 Prozent auf 3.762,81 Punkte. Das ist der grĂ¶ĂŸte Tagesverlust seit den Bankenturbulenzen in den USA und der Credit Suisse im MĂ€rz 2023.

DarĂŒber hinaus verbuchte der Leitindex einen herben Wochenverlust von 9,9 Prozent und damit seine schlechteste Wochenbilanz seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine im Jahr 2022. Mit einem RĂŒckgang von mittlerweile mehr als 13 Prozent vom Mehrjahreshoch von Mitte MĂ€rz sehen Charttechniker den Leitindex zudem im Korrekturbereich. Ein Großteil der bisherigen Kursgewinne des laufenden Jahres ist bereits weggeschmolzen. FĂŒr den ATX Prime ging es am Freitag um 6,08 Prozent auf 1.888,16 ZĂ€hler nach unten.

Chinas Gegenzölle auf US-Importe in Höhe von 34 Prozent seien ein "deutliches Zeichen, dass wir mittendrin sind in der Eskalationsspirale", schrieb Carsten Brzeski von der Bank ING. Damit nehme die Gefahr zu, dass andere LÀnder, oder auch die EU, dem Beispiel folgen werden.

Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG sprach inzwischen von einem "Schwarzen Freitag" an den MĂ€rkten: "Die AnkĂŒndigung neuer Zölle durch PrĂ€sident Trump hat das Marktvertrauen massiv erschĂŒttert."

Die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten fielen tendenziell robuster aus als erwartet, gerieten angesichts der an den FinanzmÀrkten vorherrschenden Zollsorgen weitgehend in den Hintergrund.

Im Bankensektor sackten Erste Group AT0000652011 um 7,5 Prozent und Bawag AT0000BAWAG2 um 8,1 Prozent ab. Den GeldhĂ€usern droht eine giftige Melange aus schwĂ€cherem Wachstum, höheren RisikoprĂ€mien und sinkenden Zinsmargen, wenn Zentralbanken mit Zinssenkungen bei einer schwĂ€chelnden Weltwirtschaft mit Zinssenkungen gegensteuern mĂŒssen.

In Wien gerieten ansonsten zyklische Aktien deutlich unter die RĂ€der und gaben einen großen Teil der Gewinne von Februar und MĂ€rz wieder ab. Porr fielen um 7,5 Prozent und Strabag um 10,4 Prozent. Die beiden Bauaktien waren im ersten Quartal noch die unangefochtenen Spitzenreiter am österreichischen Aktienmarkt.

Vergleichsweise geringe Verluste verbuchten lediglich einige defensive Werte. Telekom Austria AT0000720008 schlossen mit minus 1,6 Prozent als stÀrkster Wert im ATX.

Unter den weiteren Einzelwerten brachen Pierer Mobility um rund 28 Prozent auf 13 Euro ein. Der Verlust des halben Grundkapitals der Motorrad-Holding macht eine außerordentliche Hauptversammlung am 25. April notwendig. Im Raum steht eine Barkapitalerhöhung mit einem Ausgabepreis von 7,50 Euro pro Aktie.

@ dpa.de | AT0000999982 BöRSEN/AKTIEN