Teures Kerosin und Boeing-Ărger quĂ€len Ryanair - Aktie sackt ab
29.01.2024 - 10:11:46 | dpa.deFĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr bis Ende MĂ€rz erwartet Konzernchef Michael O'Leary noch einen Gewinn von 1,85 bis 1,95 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag in Dublin mitteilte. Bisher hatte er mit bis zu 2,05 Milliarden Euro gerechnet. Derweil gefĂ€hrdet der gestoppte Produktionsausbau bei Boeing die WachstumsplĂ€ne der irischen Airline.
An der Börse in Dublin kamen die Nachrichten schlecht an: Am Morgen ging es fĂŒr die Ryanair-Aktie um 2,5 Prozent abwĂ€rts. Konkurrentin Easyjet GB00B7KR2P84 hatte erst vor wenigen Tagen von einer verbesserten GeschĂ€ftsentwicklung berichtet, schrieb im Gegensatz zu den Iren im abgelaufenen Quartal jedoch weiterhin rote Zahlen.
Ryanair verdiente im Weihnachtsquartal bis Ende Dezember 15 Millionen Euro und damit rund 93 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Denn die Ausgaben fĂŒr Kerosin stiegen um mehr als ein Drittel, und nach neuen TarifabschlĂŒssen in mehreren LĂ€ndern schlugen auch die GehĂ€lter der Piloten bei der Gesellschaft teurer zu Buche.
Zwar zĂ€hlte die Gesellschaft 41,4 Millionen FluggĂ€ste und damit sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg dank höherer Ticketpreise sogar um 17 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Allerdings hatten groĂe Buchungsplattformen wie Booking.com Anfang Dezember Ryanair-FlĂŒge aus dem Programm genommen, und die Airline senkte daraufhin ihre Ticketpreise fĂŒr die restlichen Wochen des Quartals und darĂŒber hinaus.
Ryanair hatte immer wieder öffentlich gegen verschiedene Buchungsplattformen gewettert und ihnen vorgeworfen, von ihren Kunden höhere ExtragebĂŒhren zu verlangen. Nach Beschwerden von Verbraucherorganisationen und einem irischen Gerichtsurteil zur automatischen Ăbernahme von Flugdaten von der Ryanair-Webseite stellten die Plattformen die Ticketvermittlung ein.
Die Fluggesellschaft betrachtet diese Entwicklung grundsĂ€tzlich als erwĂŒnscht - muss mit der Umstellung aber erst einmal klarkommen. Zudem vereinbarte sie vor wenigen Tagen eine Kooperation mit einer Online-Buchungsplattform zum Ticketvertrieb. Das dĂŒrfte jedoch nicht ausreichen, um die Flugzeuge im laufenden Quartal so gut zu fĂŒllen wie ursprĂŒnglich geplant.
In den ersten neun Monaten des laufenden GeschĂ€ftsjahrs verdiente Ryanair knapp 2,2 Milliarden Euro und damit anderthalbmal so viel wie ein Jahr zuvor. FĂŒr das saisontypisch schwache vierte GeschĂ€ftsquartal bis Ende MĂ€rz rechnet die Konzernspitze jedoch mit roten Zahlen, sodass fĂŒr das Gesamtjahr höchstens 1,95 Milliarden Euro Gewinn herauskommen dĂŒrften.
Unterdessen fĂŒrchtet O'Leary, dass Boeing bis zum Sommer noch weniger neue Flugzeuge liefern kann als gedacht. Derzeit geht der Manager davon aus, dass Ryanair Ende Juni 174 Jets vom Typ 737 Max zur VerfĂŒgung hat - 50 mehr als vergangenen Sommer, aber 7 weniger als vereinbart. Zudem bestehe das Risiko, dass sich Auslieferungen weiter verzögern. Denn nach einem Beinahe-UnglĂŒck einer 737-9 Max von Alaska Airlines US0116591092 darf Boeing die Produktion der Max-Reihe nicht wie geplant ausweiten.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA ermittelt inzwischen gegen den Hersteller und will zunĂ€chst die Produktion und die QualitĂ€tskontrollen unter die Lupe nehmen. Bei dem Zwischenfall Anfang Januar war aus dem Jet von Alaska Airlines im Flug ein Rumpfteil herausgebrochen, das bei dieser Variante des Jets einen nicht benötigten Notausgang verschlieĂt. Ryanair hat aus der Max-Reihe nur die kĂŒrzere Variante in der Flotte, und zwar in der Variante Billigfliegerversion 737-8200 Max. Das fragliche Bauteil gibt es bei diesen Jets nicht. Der von der FAA verhĂ€ngte Stopp des Produktionsausbaus gilt jedoch fĂŒr die gesamte 737-Max-Reihe.
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