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Deutscher Autobau verliert historischen Handelsvorteil gegenüber China

28.03.2026 - 00:00:35 | boerse-global.de

Die EU importiert erstmals mehr Autos und Teile aus China als sie dorthin exportiert. Das historische Handelsdefizit und Stellenabbau markieren einen Wendepunkt für den deutschen Standort.

Deutscher Autobau verliert historischen Handelsvorteil gegenüber China - Foto: über boerse-global.de
Deutscher Autobau verliert historischen Handelsvorteil gegenüber China - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Autoindustrie hat einen historischen Wendepunkt erreicht: Die EU importiert erstmals mehr Fahrzeuge und Teile aus China, als sie dorthin exportiert. Eine neue Studie zeigt das dramatische Ende des jahrzehntelangen Handelsüberschusses.

Vom Exportmeister zum Netto-Importeur

Die Zahlen des EY-Reports sind alarmierend. Die Autoexporte der EU nach China brachen im vergangenen Jahr um 34 Prozent ein – sie liegen jetzt bei nur noch 16 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um 8 Prozent auf Rekordniveau: 22 Milliarden Euro. Damit entsteht ein Handelsdefizit von 6 Milliarden Euro. Ein dramatischer Sturz im Vergleich zu 2019, als die Branche noch einen Überschuss von 23 Milliarden Euro verbuchte.

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Für Deutschland ist die Entwicklung besonders bitter. China, jahrzehntelang wichtigster oder zweitwichtigster Absatzmarkt, ist inzwischen nur noch auf Platz sechs der deutschen Exportziele abgerutscht. Die Schere zwischen Exporten und Importen schloss sich von 30 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf nur noch 13,6 Milliarden Euro Ende 2025. Experten warnen: Hält dieser Trend an, könnte Deutschland noch 2026 seinen Status als Nettoexporteur im Handel mit China verlieren.

Beschäftigung auf 14-Jahres-Tief

Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits im Arbeitsmarkt spürbar. Die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Autoindustrie ist auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gefallen. Nur noch etwa 725.000 Menschen arbeiten in dem Sektor – binnen eines Jahres wurden fast 50.000 Stellen abgebaut.

Besonders hart trifft es die Zulieferer-Regionen. In Saarland und Nordrhein-Westfalen führte eine Pleitewelle bei mittelständischen Betrieben zum Verlust zehntausender Arbeitsplätze. Der Gesamtumsatz der Branche sank 2025 um 1,6 Prozent, was selbst Großkonzerne zu drastischen Sparprogrammen zwang.

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Kritiker werfen der Industrie strategisches Versagen vor. Sie habe nicht erkannt, wie schnell chinesische Partner zu aggressiven Globalkonkurrenten werden würden. Zwar behaupten Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz noch Marktanteile im Premiumsegment. Doch im Massenmarkt und bei preisgünstigen Elektroautos drängen chinesische Marken mit überlegenem Preis-Leistungs-Verhältnis vor.

Abhängigkeit von der Konkurrenz

Das Kernproblem liegt in der technologischen Abhängigkeit. Der Importboom wird maßgeblich durch Komponenten wie Batterietechnologie und E-Antriebe getrieben. Europäische Fabriken sind bei Rohstoffen und Vorprodukten kritisch von chinesischen Lieferungen abhängig – eine Umkehrung der traditionellen Lieferketten.

Jahrelang lobbyierten deutsche Hersteller gegen Schutzmaßnahmen, aus Angst vor Vergeltung aus Peking. Diese Strategie könnte nach hinten losgegangen sein: China hat Produktion und Technologie erfolgreich lokalisiert, während es gleichzeitig den europäischen Markt mit Exporten überschwemmt.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt vor protektionistischen Maßnahmen wie den EU-Strafzöllen. Solche Instrumente seien keine nachhaltige Lösung und riskierten einen globalen Handelskonflikt, der exportorientierte deutsche Hersteller überproportional treffen würde.

Wettlauf um technologische Souveränität

Die Branche steht vor einer Herkulesaufgabe. Der Fokus 2026 liegt auf der Verringerung der technologischen Abhängigkeit und dem beschleunigten Aufbau eigener Kapazitäten für Batteriezellen und softwaredefinierte Fahrzeugarchitekturen.

Die nächsten 12 bis 18 Monate werden entscheidend sein. Hersteller setzen zunehmend auf „local-for-local“-Strategien, um ihre europäischen Operationen von der volatilen chinesischen Lieferkette zu entkoppeln. Doch angesichts des massiven Handelsdefizits erscheint eine Rückkehr zu den Überschüssen des vergangenen Jahrzehnts kurzfristig unrealistisch.

Experten wie Constantin Gall von EY warnen: „Der Druck auf Deutschland als Produktionsstandort wird weiter zunehmen.“ Die Bundesregierung steht vor der schwierigen Aufgabe, faire Handelsbedingungen durchzusetzen, ohne die tiefe Verflechtung mit chinesischen Partnern zu gefährden – die inzwischen zu den größten Konkurrenten geworden sind.

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