EuropĂ€er wollen bei Trump-Plan fĂŒr die Ukraine mitreden
21.11.2025 - 15:19:27Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer telefonierten mit dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj. Danach sagte der Sprecher der Bundesregierung, Stefan Kornelius, dass alle vier die BemĂŒhungen der USA um ein Ende des Ukraine-Kriegs begrĂŒĂt hĂ€tten.
Sie seien sich aber auch einig gewesen, "dass jede Vereinbarung, die die europÀischen Staaten, die EuropÀische Union oder die Nato betrifft, einer Zustimmung der europÀischen Partner bzw. eines Konsenses der Alliierten bedarf", hieà es in einer schriftlichen ErklÀrung.
Kontaktlinie soll Ausgangspunkt fĂŒr VerstĂ€ndigung sein
Merz, Macron und Starmer wollten weiterhin das Ziel verfolgen, "vitale europĂ€ische und ukrainische Interessen" langfristig zu wahren. Dazu gehöre unter anderem, dass die sogenannte Kontaktlinie zwischen den Truppen beider Seiten Ausgangspunkt einer VerstĂ€ndigung sein mĂŒsse. Zudem mĂŒssten die ukrainischen StreitkrĂ€fte imstande bleiben, die SouverĂ€nitĂ€t der Ukraine wirkungsvoll zu verteidigen.
Der Entwurf fĂŒr den US-Plan besteht ĂŒbereinstimmenden Medienberichten zufolge aus 28 Punkten. Er wird kontrovers diskutiert, weil er der Ukraine groĂe ZugestĂ€ndnisse abverlangt. Zwar wĂŒrde die SouverĂ€nitĂ€t des Landes bestĂ€tigt, und sie soll Sicherheitsgarantien der USA erhalten. Die Ukraine mĂŒsste aber in ihrer Verfassung auf einen Beitritt zur Nato verzichten und Gebiete dauerhaft abtreten. Die Krim und die ebenfalls besetzten Gebiete Donezk und Luhansk sollen als faktisch russisch anerkannt werden.
Die ukrainische Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, schloss Grenzverschiebungen kategorisch aus. "Die territoriale IntegritĂ€t der Ukraine und eine Ănderung der ukrainischen Grenzen sind keine Themen, die zur Diskussion stehen sollten", sagte die Diplomatin in Washington. Kiew vertrete weiter die Position, den russisch-ukrainischen Krieg an der aktuellen Frontlinie zu stoppen. "Es mag detailliertere GesprĂ€che darĂŒber geben, wo genau diese Linie verlĂ€uft, aber das ist derzeit Teil dieses Dialogs", sagte Stefanischyna.
Beratungen der europÀischen Staats- und Regierungschefs
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen kĂŒndigte weitere Beratungen an. "Wir werden die Lage sowohl mit den europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs als auch mit den FĂŒhrungspersönlichkeiten hier am Rande des G20-Gipfels erörtern", sagte die deutsche Spitzenpolitikerin bei einer Pressekonferenz in Johannesburg. Der G20-Gipfel der fĂŒhrenden Industrie- und SchwellenlĂ€nder wird an diesem Samstag und Sonntag in SĂŒdafrika ausgerichtet - allerdings ohne US-PrĂ€sident Donald Trump sowie die PrĂ€sidenten Chinas und Russlands, Xi Jinping und Wladimir Putin.
Wie das US-Nachrichtenportal "Axios" berichtet, wurde der Inhalt des Friedensplans inzwischen von Regierungsvertretern aus den USA und der Ukraine bestĂ€tigt. In Kiew stellte der ukrainische Parlamentsabgeordnete Olexij Hontscharenko, der zur Oppositionsfraktion EuropĂ€ische SolidaritĂ€t gehört, den Plan via Telegram online. Nach Angaben von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa wurde er der EU bislang nicht offiziell ĂŒbermittelt.
Ukraine vorerst gesprÀchsbereit
Dem Plan zufolge soll sich die Ukraine verpflichten, die GröĂe ihrer Armee auf eine PersonenstĂ€rke von 600.000 zu beschrĂ€nken und atomwaffenfrei zu bleiben. Russland soll wieder in die Weltwirtschaft integriert werden. Mit den USA soll eine langfristige Wirtschaftskooperation eingegangen werden, die unter anderem Energiefragen und den Abbau seltener Erden in der Arktis umfasst.
Selenskyj hatte sich in einer Videobotschaft zunĂ€chst zumindest gesprĂ€chsbereit gezeigt. "Die amerikanische Seite hat Punkte eines Plans vorgestellt, um den Krieg zu beenden - ihre Sichtweise. Ich habe unsere GrundsĂ€tze vorgestellt", sagte er. Nun mĂŒsse an den einzelnen Punkten gearbeitet werden. "Wir sind bereit zu klarer und ehrlicher Arbeit - die Ukraine, die USA, unsere Partner in Europa und weltweit."
Kreml: Plan wurde nicht mit uns erörtert
Nach russischer Darstellung wurde der US-Plan nicht mit Moskau erörtert, obwohl er in vielen Punkten russischen Forderungen Àhnelt. Russland sehe einige Neuerungen in dem Papier, habe es offiziell aber noch nicht bekommen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Und eine sachliche Erörterung dieser Punkte gab es nicht", sagte er auf die Frage, ob Russland an der Ausarbeitung der Positionen mitgewirkt habe.
Peskow betonte, sein Land sei offen fĂŒr weitere Verhandlungen. Er werde die US-Initiativen aber in der Ăffentlichkeit nicht kommentieren, um den Erfolg dieser GesprĂ€che nicht zu gefĂ€hrden, sagte Peskow. Die Fortsetzung militĂ€rischer Gewalt begrĂŒndete er damit, dies solle Selenskyj "ĂŒberzeugen, dass es besser ist, zu verhandeln, und zwar jetzt - besser jetzt als spĂ€ter." Der Handlungsspielraum der Ukraine werde nur noch kleiner werden, warnte er. Russland fĂŒhrt seit mehr als dreieinhalb Jahren Krieg in der Ukraine.

