Niedrigwasser in den meisten FlĂŒssen - Deutschland zwischen Extremen
14.09.2025 - 13:29:01AusgeprĂ€gte Trockenphasen wechselten sich mit mancherorts heftigen NiederschlĂ€gen ab. Wie die Lage beim Grundwasser und an den FlĂŒssen zu Beginn des Herbstes aussieht - und was das Ganze mit dem Klimawandel zu tun hat.
Wie hat sich der Regen ĂŒbers Jahr verteilt?
Zu Beginn des Jahres gab es nach Angaben der Bundesanstalt fĂŒr GewĂ€sserkunde (BfG) einen extrem trockenen Februar. Auch im MĂ€rz und April regnete es demnach deutlich weniger als normal. Ende Juni - und damit recht frĂŒh im Jahr - fĂŒhrten die FlĂŒsse in Deutschland verbreitet Niedrigwasser. Erst der Juli zeigte sich recht nass mit viel Regen, vor allem im Norden und Nordosten sowie am Alpenrand.
Wie ist die Ausgangslage zu Beginn des Herbstes?
Vor allem in den Mittelgebirgsregionen ist die Bodenfeuchte niedrig, Hydrobiologe Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum fĂŒr Umweltforschung (UFZ) in Magdeburg spricht von ausgeprĂ€gter Trockenheit. Betroffen sind etwa Teile von Franken, ThĂŒringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, aber auch von Brandenburg.
Rund 40 Prozent aller Grundwassermessstellen weisen laut Borchardt derzeit niedrige bis sehr niedrige Werte auf, etwa 60 Prozent zeigen normale Werte. Hohe bis sehr hohe Werte gebe es nur an ganz wenigen Messstellen.
Besonders betroffen von Trockenheit sei aktuell das rheinisch-westfĂ€lische Tiefland. Im Westen Deutschlands wiesen rund 70 Prozent der GrundwassermessstĂ€nde niedrige bis sehr niedrige Werte auf. In Nordbayern, dem sĂŒdlichen ThĂŒringen und Sachsen sei dies bei rund 50 Prozent aller Messstellen der Fall.
Wie sieht es an den FlĂŒssen aus?
An 80 bis 90 Prozent aller Flusspegel in Deutschland herrscht zurzeit Niedrigwasser. Etwa an der Elbe falle dieses extrem aus, sagt der Hydrobiologe Borchardt. Der historische Tiefstand des Pegels in Magdeburg betrage 45 Zentimeter, Ende August lag der Pegelstand nur einen Zentimeter darĂŒber. Aufgrund geringer Wassertiefe wurde der Schiffsverkehr an der Elbe lĂ€ngere Zeit eingestellt.
An der laut Borchardt bedeutendsten WasserstraĂe Deutschlands, dem Rhein, konnten im FrĂŒhjahr Schiffe nicht mehr voll beladen werden. "Ein wirtschaftlicher Schiffstransport war zeitweise nicht mehr möglich, gewisse EngpĂ€sse in Lieferketten die Folge." Zudem seien kleinere BĂ€che und FlusslĂ€ufe ausgetrocknet.
Was bedeutet die Trockenheit fĂŒr Tiere und Pflanzen?
Kommt zu der Trockenheit noch eine Hitzewelle, wie wir sie in diesem Sommer erlebt haben, heizten sich FlĂŒsse stark auf, sagt Borchardt. Die GewĂ€sser wĂŒrden wĂ€rmer, als es darin enthaltene Lebewesen aushalten könnten. Fischsterben sei mancherorts die Folge. Auch wachsen vermehrt Blaualgen, die das GewĂ€sser und die darin lebenden Organismen durch Giftstoffe schĂ€digen.
Sehr niedrige WasserstĂ€nde könnten zudem den Zugang zu Aue- und NebengewĂ€ssern einschrĂ€nken, erlĂ€utert die Bundesanstalt fĂŒr GewĂ€sserkunde (BfG). Lebewesen verlieren so Lebens- und RĂŒckzugsrĂ€ume. Bestimmte Arten, die in Auen laichen, hĂ€tten Schwierigkeiten, sich fortzupflanzen.
Was sind die Ursachen der Trockenheit?
"Der Wasserhaushalt in Deutschland verhĂ€lt sich aufgrund des Klimawandels anders, als wir das aus den Jahrhunderten davor gewohnt waren", sagt Borchardt. "Wir haben plötzlich monatelange Trockenzeiten, oft gepaart mit Hitzewellen." GegenĂŒber der vorindustriellen Zeit habe sich Deutschland bereits um zwei Grad erwĂ€rmt, so der Hydrobiologe.
Auch BfG-Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen der Trockenheit mit hohen Temperaturen zuletzt und einer damit einhergehenden höheren Verdunstung innerhalb der AtmosphĂ€re. Zusammen mit Niederschlagsarmut fĂŒhre dieser Verdunstungseffekt zu einer besonders ausgeprĂ€gten Trockenheit.
Modelle fĂŒr Klima und Wasserhaushalt prognostizieren laut dem BfG fĂŒr die zweite HĂ€lfte des 21. Jahrhunderts, dass Niedrigwasser und Trockenheit im Sommer in weiten Teilen Deutschlands lĂ€nger und stĂ€rker ausfallen dĂŒrften.
Laut Borchardt hat die ErwĂ€rmung aber noch eine andere Folge: Eine wĂ€rmere AtmosphĂ€re kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, daher könne es intensiver regnen und mehr Starkregenereignisse geben. Diese wĂŒrden nicht nur hĂ€ufiger auftreten, sondern auch intensiver ausfallen können.
Welche Rolle spielen bauliche Faktoren?
Bauliche Faktoren wie FlĂ€chenversiegelung können laut der Bundesanstalt fĂŒr GewĂ€sserkunde einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie oft es zu Niedrigwasser kommt und wie heftig dieses ausfĂ€llt. Denn versiegelte FlĂ€chen wie StraĂen, GebĂ€ude oder ParkplĂ€tze unterbrechen die natĂŒrliche Versickerung. Wasser flieĂt dann schnell oberflĂ€chlich ab, wird ĂŒber die Kanalisation in BĂ€che und FlĂŒsse geleitet und steht damit dem Grundwasserhaushalt nicht mehr zur VerfĂŒgung.
Auch die Beschaffenheit der Böden und ihre AufnahmefĂ€higkeit spielen demnach eine groĂe Rolle. Sandige, lockere Böden hĂ€tten ein gröĂeres Aufnahme- und Speicherpotenzial als tonige oder stark verdichtete Böden. Eine groĂflĂ€chige Bodenverdichtung durch die Landwirtschaft wirke sich ebenfalls nachteilig aus, erklĂ€rt die Bundesanstalt. Zudem könne die Begradigung und Eindeichung von FlĂŒssen Niedrigwasserprobleme verschĂ€rfen.
Ist eine Entspannung der Lage in Sicht?
Wie die NiederschlĂ€ge in den kommenden Monaten ausfallen werden, lasse sich bislang nicht sagen, erklĂ€rt Borchardt. Was den am stĂ€rksten von Trockenheit betroffenen Regionen besonders helfen wĂŒrde, sei eine langanhaltende Regenperiode. Etwa ein November, in dem es durchgehend gleichmĂ€Ăig regne.
Welche weiteren Wasserprobleme gibt es?
Aus Sicht von Forscher Borchardt mĂŒssen wir uns in Deutschland nicht nur mit dem Problem der Wassermengen auseinandersetzen - auch die WasserqualitĂ€t sollte stĂ€rker in den Blick geraten. Rund 60 Prozent des Wassers zur Trinkwassergewinnung stamme hierzulande aus Grundwasser. "Doch rund 33 Prozent der Grundwasserkörper sind so stark mit NĂ€hrstoffen, Nitrat und Pestiziden belastet, dass wir sie nicht ohne Weiteres zur Trinkwassergewinnung nutzen können, ohne dass wir es aufwendig aufbereiten mĂŒssen", sagt Borchardt.
Auch bei Talsperren - die zweitwichtigste Trinkwasserquelle in Deutschland - sehe man teilweise zurĂŒckgehende Wassermengen und Probleme mit hohen NĂ€hrstoffeintrĂ€gen und Blaualgen. "Auch hier wird die WasserqualitĂ€t tendenziell zu einem Problem."

