Deutschland-Stack: Bundesregierung schreibt Open Source fĂŒr Behörden vor
24.03.2026 - 05:30:21 | boerse-global.de
Die Bundesregierung verordnet allen Behörden den Wechsel zu offenen Dokumentenformaten. Mit dem neuen âDeutschland-Stackâ will Deutschland bis 2028 digitale SouverĂ€nitĂ€t erreichen und sich von proprietĂ€rer Software unabhĂ€ngig machen.
Ein verbindlicher Rahmen fĂŒr die digitale Verwaltung
Der sogenannte Deutschland-Stack ist ein verbindlicher technischer Standardrahmen, der kĂŒnftig die IT-Infrastruktur von Bund, LĂ€ndern und Kommunen bestimmt. Das Bundesministerium fĂŒr Digitales und Staatliche Modernisierung hat die Richtlinie gemeinsam mit dem IT-Planungsrat beschlossen. Kern der Neuerung: FĂŒr den offiziellen Schriftverkehr sind nur noch die Open-Source-Formate Open Document Format (ODF) und PDF/UA erlaubt. ProprietĂ€re Formate wie Microsofts OOXML (.doc, .xls) sind damit in der behördlichen Kommunikation ausgeschlossen.
WÀhrend die deutsche Verwaltung konsequent auf digitale SouverÀnitÀt setzt, können auch Privatanwender von der Geschwindigkeit und Sicherheit quelloffener Systeme profitieren. Das kostenlose Linux-Startpaket zeigt Ihnen, wie Sie Ubuntu ohne Risiko parallel zu Windows installieren. Kostenloses Linux-Startpaket mit Ubuntu-Vollversion jetzt sichern
Die Regierung verfolgt damit ein klares Ziel: Sie will die AbhĂ€ngigkeit von einzelnen Software-Herstellern beenden und die digitale Hoheit ĂŒber öffentliche Daten zurĂŒckgewinnen. âMade in EU firstâ lautet eine der architektonischen Grundprinzipien. Neue IT-Projekte in der öffentlichen Verwaltung sollen standardmĂ€Ăig auf Open-Source-Software setzen, sofern proprietĂ€re Lösungen neue AbhĂ€ngigkeiten schĂŒfen.
openDesk: Die souverĂ€ne BĂŒro-Suite fĂŒr den Staat
Die technische Umsetzung obliegt maĂgeblich dem Zentrum fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t (ZenDiS). Diese Behörde entwickelt und betreibt âopenDeskâ, eine komplett auf Open-Source-Komponenten basierende BĂŒro- und Kollaborationssuite fĂŒr den öffentlichen Sektor. Sie integriert bewĂ€hrte Lösungen wie LibreOffice, Nextcloud und OpenProject zu einer einheitlichen Arbeitsumgebung.
Bereits heute ist openDesk im Einsatz: In Baden-WĂŒrttemberg wurden ĂŒber 60.000 Lehrer-ArbeitsplĂ€tze migriert, verschiedene SozialversicherungstrĂ€ger nutzen die Suite fĂŒr krisensichere Kommunikation. Um den wachsenden Bedarf zu decken, stellt ZenDiS die FĂŒhrung auf ein âduales Modellâ um und startet im ersten Quartal 2026 ein Vertriebspartner-Programm. So sollen auch kleinere Kommunen mit begrenzten IT-Ressourcen den Umstieg schaffen.
EVB-IT Reform: Open Source wird zum Beschaffungsstandard
Damit der Deutschland-Stack nicht nur auf dem Papier steht, hat der IT-Planungsrat auch die rechtlichen Rahmenbedingungen fĂŒr die IT-Beschaffung reformiert. Acht Versionen der ErgĂ€nzenden Vertragsbedingungen fĂŒr die Beschaffung von IT-Leistungen (EVB-IT) wurden ĂŒberarbeitet. Open-Source-Software ist darin nun der Regelfall fĂŒr öffentliche AuftrĂ€ge.
Der Wechsel zu Open-Source-Lösungen wie Ubuntu verspricht nicht nur mehr UnabhĂ€ngigkeit, sondern macht auch Ă€ltere Hardware ohne teure AufrĂŒstung wieder stabil und flott. Entdecken Sie im gratis Startpaket, wie Sie die Vorteile von Linux sofort fĂŒr Ihren PC nutzen können. Ihr Weg zu einem schnelleren und sichereren PC â Gratis-Leitfaden
Ein zentrales Element ist die Plattform Open CoDE. Sie dient als zentrale Code-Bibliothek der deutschen Verwaltung und beherbergt ĂŒber 3.000 Open-Source-Lösungen. Neu entwickelter Code von Behörden muss hier eingestellt werden. Andere Kommunen können diese Software dann fĂŒr eigene Zwecke nutzen und anpassen. Dieses âCode-Sharingâ soll Doppelentwicklungen vermeiden und Milliarden einsparen. Es ist Teil der Modernisierungsagenda, die BĂŒrokratiekosten um 25% senken und veraltete Prozesse wie die Unterschrift mit âblauer Tinteâ durch digitale Workflows ersetzen will.
Strategische Weichenstellung mit Signalwirkung fĂŒr Europa
Der Schritt ist weit mehr als eine technische Anpassung. Es handelt sich um eine strategische Antwort auf geopolitische und wirtschaftliche AbhĂ€ngigkeiten. Deutschland, als gröĂte Volkswirtschaft der EU, setzt mit diesem verbindlichen Bundesmandat ein starkes Zeichen. Software-Anbieter, die den lukrativen deutschen Behördenmarkt bedienen wollen, mĂŒssen kĂŒnftig offene Standards unterstĂŒtzen.
Die Entscheidung stĂ€rkt auch EU-weite Initiativen wie den European Interoperability Framework. Die Document Foundation, die hinter LibreOffice steht, wertet das Mandat als spĂ€te BestĂ€tigung jahrelanger Ăberzeugungsarbeit. Offene Formate seien keine Nischentechnologie, sondern Grundvoraussetzung fĂŒr eine demokratische und souverĂ€ne Verwaltung.
Der Fahrplan bis 2028
Die vollstĂ€ndige Umstellung auf eine Open-Source-Verwaltung ist ein mehrjĂ€hriger Prozess mit dem Zieljahr 2028. In dieser Zeit sollen Alt-Systeme migriert und Mitarbeiter geschult werden. Als nĂ€chste Schritte kĂŒndigte das Digitalministerium ein âKlimaschutzprogramm ITâ an, das auf die Energieeffizienz von Open-Source-Rechenzentren abzielt. Zudem stehen aus einem 500 Milliarden Euro schweren Infrastrukturfonds Mittel fĂŒr die Modernisierung digitaler Systeme und den Ausbau souverĂ€ner Cloud-KapazitĂ€ten bereit.
Der Erfolg des Deutschland-Stacks hĂ€ngt nun von der Zusammenarbeit zwischen Bund, LĂ€ndern und der Open-Source-Community ab. Die Weichen sind gestellt: Bis 2028 soll Deutschlands digitale Infrastruktur nicht nur modern, sondern auch vollstĂ€ndig unabhĂ€ngig von proprietĂ€ren ZwĂ€ngen sein â und könnte so zum globalen Vorbild fĂŒr digitale Staatlichkeit werden.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

