Ergebnisse, Produktion/Absatz

Thyssenkrupp Steel will KapazitÀt kappen - Arbeitsplatzabbau

12.04.2024 - 11:32:05

Deutschlands grĂ¶ĂŸter Stahlhersteller Thyssenkrupp DE0007500001 Steel will seine ProduktionskapazitĂ€t in Duisburg deutlich verkleinern.

Damit werde "auch ein noch nicht bezifferbarer Abbau von ArbeitsplÀtzen verbunden sein", teilte die Stahlsparte des Industriekonzerns am Donnerstagabend in Duisburg mit. Dieser werde auch nachgelagerte Weiterverarbeitungsstufen sowie die Verwaltungs- und Dienstleistungsbereiche betreffen.

Die im MDax DE0008467416 notierte Thyssenkrupp-Aktie gewann am Freitagvormittag zuletzt fast vier Prozent und kostete 5,092 Euro. Baader-Analyst Christian Obst nannte eine Senkung der KapazitĂ€t sinnvoll. Jedoch gebe es noch viele offene Fragen. So gebe es keine Informationen ĂŒber den Zeitplan oder mit der Restrukturierung verbundene Kosten. Auch die Hauptfrage, ob das StahlgeschĂ€ft Bestandteil von Thyssenkrupp bleibe oder nicht, stehe weiter im Raum.

In der Sparte arbeiten derzeit rund 27 000 Menschen, davon 13 000 in Duisburg. Bis Ende MĂ€rz 2026 gilt eine BeschĂ€ftigungsgarantie. "Es ist das erklĂ€rte Ziel, betriebsbedingte KĂŒndigungen auch weiterhin zu vermeiden", teilte die Stahlsparte weiter mit.

"Die vorgesehenen Maßnahmen sind zum Erhalt der WettbewerbsfĂ€higkeit zwingend notwendig, um die Stahlproduktion am Standort Duisburg in eine gesicherte Zukunft zu fĂŒhren", erklĂ€rte das Unternehmen. Auch wĂŒrden damit hochwertige ArbeitsplĂ€tze langfristig gesichert und die Grundversorgung mit Stahl fĂŒr die industrielle Wertschöpfung in Deutschland widerstandsfĂ€hig aufgestellt. Mit dem Umbau will die Stahlsparte von Thyssenkrupp ihre WettbewerbsfĂ€higkeit und ProfitabilitĂ€t "signifikant" steigern.

Ziel sei es, Thyssenkrupp Steel unter anhaltend herausfordernden Marktbedingungen zukunftsfÀhig aufzustellen. Kern werde eine Reduzierung der installierten ProduktionskapazitÀten auf etwa 9 bis 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr sein. Dies entspreche etwa dem Niveau der vergangenen drei Jahre. "Die heutige ProduktionskapazitÀt ist dagegen auf rund 11,5 Millionen Tonnen ausgelegt." In den 11,5 Millionen Tonnen sind auch die vom Duisburger Unternehmen HKM produzierten Stahlmengen enthalten, an dem Thyssenkrupp Steel zu 50 Prozent beteiligt ist.

Mit der geplanten Neuaufstellung reagiert das Unternehmen nach eigenen Angaben einerseits auf die anhaltend schwache Konjunktur, aber vor allem auf mittel- und langfristig strukturelle VerĂ€nderungen auf dem europĂ€ischen Stahlmarkt und in entscheidenden Kunden- und ZielmĂ€rkten. Dazu gehörten vor allem in Deutschland die hohen und durch klimapolitische Zielsetzungen weiter steigenden Energiekosten sowie ein ungebremst steigender Importdruck, ĂŒberwiegend aus Asien.

Analyst Obst schrieb, dass das StahlgeschĂ€ft in den vergangenen Jahren Ă€ußerst volatil gewesen sei. In den letzten zehn Jahren habe die Sparte ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern von im Schnitt mehr als 300 Millionen Euro geliefert. Jedoch reiche die Spanne von einem Verlust von 820 Millionen Euro zu Corona-Zeiten bis zu einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im GeschĂ€ftsjahr 2021/22, als die Stahlpreise durch die Decke gegangen waren.

Thyssenkrupp will die PlĂ€ne der Neuaufstellung nun weiter konkretisieren. Anschließend will das Unternehmen sie mit der Mitbestimmung sowie den zustĂ€ndigen Gremien des Stahlbereichs beraten.

Am Umbau der Produktion in Richtung klimaneutrale Stahlerzeugung hĂ€lt Thyssenkrupp fest. "Der Bau der ersten Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg wird weiter wie geplant umgesetzt, mit UnterstĂŒtzung durch die dafĂŒr von Bund und Land freigegebenen Fördermittel." Auch die Zielsetzung, bis spĂ€testens 2045 vollstĂ€ndig klimaneutral zu produzieren, bleibe uneingeschrĂ€nkt bestehen.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (GrĂŒne) Ă€ußerte sich am Freitag kritisch zu den PlĂ€nen. "Die AnkĂŒndigung der unternehmerischen Entscheidung Thyssenkrupps, in Duisburg ÜberkapazitĂ€ten und damit wohl ArbeitsplĂ€tze abzubauen, ist eine enttĂ€uschende Nachricht - fĂŒr den Stahlstandort Deutschland und Nordrhein-Westfalen, in erster Linie aber fĂŒr die vielen BeschĂ€ftigten", sagte Neubaur am Freitag in DĂŒsseldorf.

Der Konzern stehe vor der großen Herausforderung, gemeinsam mit den Sozialpartnern fĂŒr die Betroffenen faire und tragfĂ€hige Lösungen zu finden. Dies gelte umso mehr, da Thyssenkrupp in den vergangenen Jahren staatliche UnterstĂŒtzung in Milliardenhöhe erhalten habe.

Global gebe es seit Jahren eine deutliche Überproduktion von Stahl, sagte Neubaur. Diese sei jetzt auch noch gepaart mit einem NachfragerĂŒckgang aufgrund der weltweit eingetrĂŒbten Wirtschaftslage infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. "Um sich vor dem Hintergrund dieser schwierigen globalen Wettbewerbssituation zukunftsfĂ€hig aufzustellen, muss das Unternehmen die klimaneutrale Transformation seiner Produktionsprozesse jetzt weiter konsequent vorantreiben", forderte die Ministerin.

@ dpa.de | DE0007500001 ERGEBNISSE