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Große Menge Bauschutt - Platz auf MĂŒlldeponien wird knapp

18.08.2024 - 11:56:52

Deutschlands KapazitĂ€ten fĂŒr die MĂŒllablagerung werden allmĂ€hlich knapp.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts werden von den 2022 noch in Betrieb befindlichen 1001 Deponien bis 2032 insgesamt 547 das Ende ihrer vorgesehenen Betriebsdauer erreichen, also mehr als die HĂ€lfte. Die verbleibende DeponiekapazitĂ€t wird demnach um ein knappes Drittel auf knapp 300 Millionen Kubikmeter zurĂŒckgehen, sofern nicht bestehende Deponien vergrĂ¶ĂŸert oder neue gebaut werden.

Einen drohenden Entsorgungsnotstand fĂŒrchtet vor allem die Baubranche, die mehr als die HĂ€lfte der in Deutschland anfallenden AbfĂ€lle produziert. Ein Problemland ist laut Baubranche Bayern.

Vermehrt werden die Sorgen durch die seit einem Jahr geltende Ersatzbaustoffverordnung, in der Branche als "EBV" gelÀufig. Diese hat eigentlich die Aufarbeitung und Wiederverwendung von Bauschutt und Bodenaushub zum Ziel. Doch die mit neuen Bodenschutzvorschriften kombinierten Regeln haben möglicherweise das Gegenteil der politischen Absicht bewirkt.

Neue Verordnung kontraproduktiv?

Darauf deutet eine Umfrage von vier Bau- und RecyclingverbĂ€nden unter ihren Mitgliedsunternehmen: Nur 5 Prozent der befragten 156 Firmen sagten, dass seither mehr Bauschutt und Bodenaushub recycelt werde, 52 Prozent sahen keine VerĂ€nderung - und 42 Prozent der Betriebe erklĂ€rten, dass weniger fĂŒr die Wiederverwendung aufgearbeitet werde als zuvor. "Somit bleibt mangels Verwertungsmöglichkeiten, zum Beispiel im Straßen- und Tiefbau, oftmals nur die Deponierung", sagt Andreas Pocha, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Abbruchverbands.

Recycling-Baustoffe nicht gefragt

Gesunken ist demnach auch die Nachfrage nach Recyclingmaterial, da viele Bauherren - Behörden inklusive - PrimĂ€rbaustoffe bevorzugen. "LĂ€nder und Kommunen mĂŒssen Farbe bekennen und sich zum Bauen mit Recyclingmaterial verpflichten", fordert Felix Pakleppa, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Zentralverbands der Deutschen Baugewerbes (ZDB), der mittelstĂ€ndische Baufirmen vertritt. "Die Ersatzbaustoffverordnung droht krachend zu scheitern."

Abgesehen davon sind deren Vorschriften offenbar außerordentlich kompliziert: "Behördenvertreter sind zu oft schlecht informiert und können bei der Umsetzung der EBV-Vorgaben selten helfen", klagt Katrin Mees, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Bundesgemeinschaft Recycling-Baustoffe.

Baubranche: Problemland Bayern

Nach allgemeiner EinschĂ€tzung in Bau- und Baustoffrecyclingbranche wird sich das Deponieproblem in den kommenden Jahren verschĂ€rfen. "Angespannt ist die Situation in den BundeslĂ€ndern mit hoher BautĂ€tigkeit und begrenzten DeponiekapazitĂ€ten, wie zum Beispiel in Bayern oder auch Hessen, da die VerfĂŒgbarkeit geeigneter Deponien bereits seit Jahren einen Engpass darstellt", sagt Andreas Pocha, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen Abbruchverbands. Auch laut ZDB ist die Lage in Bayern "besonders angespannt".

Denn je weniger Deponien es in Deutschland gibt, desto weiter die Transportwege. So wird in der bayerischen Baubranche geklagt, dass BauabfĂ€lle zur Entsorgung teilweise bis nach ThĂŒringen gefahren werden mĂŒssen.

Ende 2022 waren nach Zahlen des Statistischen Landesamts in FĂŒrth noch 340 bayerische Deponien in Betrieb. Bis 2032 werden nach jetzigem Stand davon 200 das Ende ihrer Betriebsdauer erreichen. Diese Standorte haben jetzt schon nur noch wenig Platz, die verbleibenden RestkapazitĂ€ten in Bayern sind demnach derzeit sogar höher als 2018.

Umweltministerium in MĂŒnchen: zehn Bauvorhaben im Genehmigungsverfahren

Das Abfallrecht ist Sache der LĂ€nder. Dementsprechend sind auch die Landesregierungen fĂŒr die Planung von ErsatzkapazitĂ€ten zustĂ€ndig, nicht der Bund. "An welchen Deponiestandorten im Jahr 2032 tatsĂ€chlich das Ende der Betriebsphase erreicht wird, hĂ€ngt von unterschiedlichen Faktoren ab, zum Beispiel vom variablen Abfallaufkommen, aber auch von etwaigen Erweiterungsplanungen", sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums in MĂŒnchen. "Aktuell befinden sich bayernweit etwa rund 10 Deponieerweiterungs- und Neubauvorhaben allein fĂŒr die Deponieklassen I/II im Genehmigungsverfahren." Die Deponieklassen geben an, welche Stoffe dort abgelagert werden können, Klassen 1 und 2 dienen unter anderem fĂŒr die Ablagerung von BauabfĂ€llen und Straßenaufbruch.

65 Millionen Tonnen AbfÀlle pro Jahr auf Deponien

Deutschland insgesamt produziert alljĂ€hrlich an die 400 Millionen Tonnen MĂŒll, wegen schwacher Konjunktur derzeit etwas weniger als noch Ende des vergangenen Jahrzehnts. Der grĂ¶ĂŸere Teil wird verwertet, doch von den 399 Millionen Tonnen Abfall des Jahres 2022 landeten 65 Millionen Tonnen auf Deponien. Zahlen fĂŒr 2023 gibt es noch nicht.

Neu ist das Problem nicht, sondern in Fachkreisen seit Jahren Thema. Vor zwei Jahrzehnten waren deutschlandweit ĂŒber 2000 Deponien mit 668 Millionen Kubikmetern Restvolumen in Betrieb. Nach jetzigem Stand wird im Jahr 2032 weniger als ein Viertel dieser Deponien noch zur VerfĂŒgung stehen.

Bundesumweltministerium: Keine Hinweise auf vermehrte Deponierung

Sollte die Ersatzbaustoffverordnung tatsĂ€chlich die Recyclingquote von BauabfĂ€llen senken, wĂŒrde das die verbleibenden KapazitĂ€ten schneller schrumpfen lassen. "Wir haben bislang keine konkreten Hinweise darauf, dass es durch die beiden Verordnungen zu einer vermehrten Beseitigung von verwertbaren BauabfĂ€llen kommt", entgegnet das Bundesumweltministerium in Berlin auf die Kritik. Bis August 2025 soll eine erste Bewertung der Ersatzbaustoffverordnung vorliegen.

Kommunen wollen keine Deponien

MĂŒlldeponien sind naturgemĂ€ĂŸ unpopulĂ€r. "Die LĂ€nder sehen sich zunehmend einer ablehnenden Haltung zu Deponien auf kommunaler Ebene gegenĂŒber", heißt es beim Bauindustrie-Verband. "Da gesellschaftspolitisch neue Deponien schwer durchsetzbar sind, mĂŒssen sowohl Bund als auch die LĂ€nder sich dieser Aufgabe mit bundesweiter Relevanz aktiv widmen. Erforderlich ist eine Bund-LĂ€nder-Deponiestrategie."

Sollte es eines Tages zum Deponienotstand kommen, wĂ€re das ein bundesweites Thema, das nicht auf die Landespolitik beschrĂ€nkt bliebe. "Momentan liegen uns keine Hinweise vor, nach denen die KapazitĂ€ten fĂŒr die Abfalldeponierung in Deutschland mittelfristig nicht ausreichen werden", heißt es beim Bundesumweltministerium. Unter Regie des Umweltbundesamts lĂ€uft derzeit ein Forschungsprojekt zur Technik der Abfallablagerung, in dessen Rahmen auch die DeponiekapazitĂ€ten ermittelt werden. Erste Ergebnisse sollen 2025 veröffentlicht werden.

@ dpa.de