ARD verlagert Geld vom Radio ins Digitale
30.11.2023 - 15:18:58So wollen die MedienhĂ€user an dieser Stelle Geld einsparen, um es in digitale Angebote umzuschichten. Die ARD will dafĂŒr auch Doppelstrukturen bei sich Ă€hnelnden Radio-Sendeformaten abbauen. Die öffentlich-rechtliche Gemeinschaft der Landesrundfunkanstalten prĂ€sentierte am Donnerstag Details fĂŒr mehr gemeinsames Abendprogramm bei Infowellen, Kultur- und Klassiksendern und mehr Kooperation im Bereich Hörspiel mit Fokussierung auf die Audiothek. Entlassungen soll es durch die PlĂ€ne nicht geben.
Nicht alle ARD-HĂ€user beteiligen sich bei den Gemeinschaftsprogrammen mit derselben IntensitĂ€t. Kontrollgremien in den HĂ€usern werden bei den PlĂ€nen einbezogen. Die ARD-PlĂ€ne fallen in eine Zeit, in der gleich in mehreren HĂ€usern ohnehin Ănderungen in der Hörfunkstruktur anstehen - unter begleiteter Kritik. Beispiele sind der Bayerische Rundfunk und der Hessische Rundfunk.
Wie viel Geld durch die jetzigen Umschichtungs-PlĂ€ne in der ARD im Bereich Hörfunk fĂŒr das Digitale zusammenkommem, ist noch nicht klar. Die Vorsitzende der Audio-Programmkonferenz, Anke Mai, teilte mit: "Wie hoch die Einsparungen durch die Gemeinschaftsangebote in den Info- und den Kulturwellen sein werden, wissen wir noch nicht genau. Grob geschĂ€tzt wird es wohl eine mittlere einstellige Millionensumme sein."
Bei Info-Radios, die ihren Schwerpunkt auf Nachrichten und aktueller Berichterstattung haben, beginnt Ende April 2024 die vertiefe Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Abendprogramm ab 20.00 Uhr. Die Sendungen werden zum gröĂten Teil vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) produziert, an wechselnden Abenden auch vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Der Bayerische Rundfunk (BR) stellt zudem am Samstag ein aktuelles Gemeinschaftsprogramm bereit.
Vor Jahren hatte die ARD schon ein Ă€hnliches Modell fĂŒr die Nacht eingefĂŒhrt, das auch vom NDR kommt. Die Sender sollen sich aus dem ĂŒbergreifenden Programm nach Bedarf aus- und einklinken können. Auch bei Kultur- und Klassikwellen soll es 2024 gemeinsame Abende mit einheitlichem Programm geben. Ăhnliche PlĂ€ne sollen bei Popwellen umgesetzt werden.
Die ARD will somit Ressourcen im Programm sparen - aber nicht zur klassischen besten Sendezeit. Diese auch Primetime genannte Strecke ist der Morgen. Die ARD-Anstalten wollen trotz der Zusammenlegungen beim Programm weiterhin ihre regionale AusprÀgung betonen. Die ARD ist auch per Staatsvertrag durch die BundeslÀnder auf regionale Berichterstattung angelegt.
Die Audio-Programmkonferenz-Vorsitzende Mai sagte zu den PlĂ€nen: "Wir können nicht alles so lassen, wie es ist, wenn wir im Digitalen stĂ€rker werden wollen." Und fĂŒgte hinzu: "In der Konsequenz heiĂt das, dass jedes Haus VerĂ€nderungen vor sich hat." Auf die Frage, ob es zu Stellenabbau kommen könnte, erlĂ€uterte Mai: "Das ist fĂŒr die einzelnen Rundfunkanstalten wahrscheinlich unterschiedlich. Es ist aber nicht das Ziel dieses Programms. Es ist kein Stellenabbau-Konzept." Sie ergĂ€nzte: "Ich kann es nicht grundsĂ€tzlich ausschlieĂen, dass es auch zu Stellenabbau kommt" - da das jeweils eine Angelegenheit der jeweiligen Landesrundfunkanstalt sei. "Aber es wird nicht zu Entlassungen kommen", betonte Mai.
Die ARD kĂŒndigte schon lĂ€nger an, dass es sowohl im Fernsehen bei den dritten Programmen als auch im Hörfunk mehr Gemeinschaftsprogramm geben soll. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter der Vorgabe, sparsam mit den RundfunkbeitrĂ€gen umzugehen. Gleichzeitig befindet sich die gesamte Medienbranche in der Transformation hin zu mehr digitalen Angeboten im Netz mit Streaming-Portalen, Videoinhalten auf Webseiten oder Audiotheken. Das bedeutet auch Investitionen. Die HĂ€user gehen davon aus, dass kĂŒnftig immer mehr Menschen TV und Hörfunk verstĂ€rkt zeitversetzt und im Digitalen konsumieren, statt Sendungen im laufenden Programm zu verfolgen. Auf die HĂ€user werden auch steigende Kosten durch Streaming-Abrufe zukommen. Dabei entstehen Verbreitungskosten.
FĂŒr den Bereich Fernsehen gab die ARD dies bekannt: In den Bereichen, wo das Regionale eine weniger wichtige Rolle spielt, soll kĂŒnftig stĂ€rker zusammmengearbeitet werden. Es ist aber kein Mantelprogramm vorgesehen. Man sei von dieser Idee abgekommen, sagte Clemens Bratzler, zustĂ€ndig fĂŒr die Gemeinsame Programmkonferenz, die sich federfĂŒhrend unter anderem um Kompetenzcenter und Dritte Programme kĂŒmmert. Vielmehr soll es eine Art Modular-System geben, bei dem sich die HĂ€user bedienen können. Auf die Frage nach der Umschichtungssumme nannte er eine "zweistellige Millionensumme".
Die ARD teilte auch mit: "DarĂŒber hinaus testen mehrere Sender im kommenden Jahr eine gemeinsame Nachmittagsstrecke sowie eine begrenzte Zahl gemeinsamer Talk-Shows."

