Gefrierender Regen - Bahn erwartet nur kleinere Störungen
11.01.2026 - 19:32:27Es sei nicht davon auszugehen, dass es erneut so groĂe Probleme wie am Freitag und Samstag geben könnte, sagte der Chef des fĂŒr die Infrastruktur zustĂ€ndigen Bahn-Unternehmens DB InfraGo, Philipp Nagl. Auch Blitzeis bedeute aber durchaus eine signifikante Gefahr - unter anderem durch das erhöhte Sturzrisiko fĂŒr Reisende.
Gefrierender Regen kann dazu fĂŒhren, dass sich auf Oberleitungen eine die Stromabnahme behindernde Eisschicht bildet. Weichen, Signale und BahnĂŒbergĂ€nge können vereisen und dadurch blockieren oder Fehlfunktionen zeigen.
GröĂtes Problem waren Weichen und ĂbergĂ€nge
Weichen und ĂbergĂ€nge stellten auch die gröĂte Herausforderung fĂŒr den Bahnverkehr im Norden Deutschlands in den vergangenen Tagen dar, wie Nagl erklĂ€rte. Zwar seien rund 50.000 der bundesweit 70.000 Weichen mit Heizungen ausgestattet. Diese kĂ€men aber gegen gröĂere Verwehungen oder Eisbrocken nicht an, dann mĂŒsse von Hand gerĂ€umt werden - und das bei viel Wind wie am Freitag und Samstag immer wieder. An BahnĂŒbergĂ€ngen wiederum setzten sich durch die passierenden Fahrzeuge Schnee und Eis in den Gleisen fest und mĂŒssten ebenfalls per Hand entfernt werden.
Mehr spezielle RĂ€umfahrzeuge wĂ€ren also bei den Hauptherausforderungen der letzten Tage gar keine Hilfe gewesen, betonte Nagl. Ein Mangel an RĂ€umgerĂ€t wird von Kritikern als ein Argument dafĂŒr genannt, dass die Deutsche Bahn bei winterlichen VerhĂ€ltnissen schnell an Grenzen gerĂ€t.
Sofort Kritik an der Bahn
Auch aktuell wurden sofort erste kritische Stimmen laut. "Andere europĂ€ische LĂ€nder bekommen das besser hin, wenn es schneit oder kalt ist", sagte Christoph PloĂ (CDU), Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, der "Rheinischen Post" (Montag). Es könne nicht sein, dass bei Winterwetter in Deutschland tagelang kaum ZĂŒge fahren.
Die GrĂŒnen forderten eine kritische PrĂŒfung des Krisenmanagements der Bahn. Die Bahn schrĂ€nke "heute den Bahnverkehr ein, wo dieser frĂŒher bei teils schwierigeren WetterverhĂ€ltnissen aufrechterhalten wurde", sagte GrĂŒnen-Bahnexperte Matthias Gastel der "Rheinischen Post". DafĂŒr gebe es GrĂŒnde - nicht alle seien bei der Deutschen Bahn zu finden. Weichenheizungen zum Beispiel seien seitens des Bundes nur begrenzt zuschussfĂ€hig.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte der "Rheinischen Post", die Bahn werde sicher analysieren, "wo es besonders gut Hand in Hand lief, und da, wo es etwas zu verbessern gibt, AblĂ€ufe weiter optimieren". Klar sei aber auch, dass bei solchen extremen Wetterlagen kein planbarer Normalbetrieb möglich sei und immer wieder neu reagiert werden mĂŒsse.
Nagl wies darauf hin, dass der Bahnverkehr in den Niederlanden ĂŒber Tage und auch in Frankreich auf zahlreichen Strecken im Zuge des Wintersturms ausgefallen sei. So viel Schnee mit zugleich so starken Verwehungen habe es im Norden Deutschlands seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gegeben.

