Kritik an Lösung zu Erleichterungen fĂŒr chronisch Kranke
14.03.2026 - 06:58:10 | dpa.deVon der kommenden Regelung profitierten nun nur noch wenige Patientinnen und Patienten, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. "Weiterhin mĂŒssen etwa Bluthochdruck-Patienten, die gleichzeitig erhöhte Cholesterinwerte haben, quartalsweise vorstellig werden." Auch fĂŒr Diabetiker gebe es keine Erleichterung, ausgeschlossen seien ebenso Erkrankte ab 75 Jahren.
Hintergrund ist eine nun gefundene Lösung zur Umsetzung eines 2025 noch von der Ampel-Koalition beschlossenen Gesetzes. Es sieht vor, dass es fĂŒr Patienten mit leichten chronischen Erkrankungen und wenig Betreuungsbedarf eine neue "Versorgungspauschale" geben soll, um Einbestellungen in jedem Quartal nur aus AbrechnungsgrĂŒnden unnötig zu machen. HausĂ€rzte können laut Gesetz stattdessen eine bis zu ein Jahr umfassende Pauschale abrechnen.
Neue Pauschale nur bei bestimmten Erkrankungen
Die konkrete Umsetzung sollte ein zustĂ€ndiger Ausschuss von gesetzlichen Krankenkassen und KassenĂ€rztlicher Bundesvereinigung (KBV) klĂ€ren, was sich aber ĂŒber Monate hinzog. Kommen soll nach KBV-Angaben nun zum 1. Juli eine Pauschale fĂŒr ein halbes Jahr - und zwar fĂŒr Menschen zwischen 18 und 74 Jahren und eingegrenzt auf bestimmte chronische SchilddrĂŒsenerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen sowie bestimmte Formen von Bluthochdruck und Gicht. Voraussetzung ist auch, dass Patienten nur ein Arzneimittel benötigen.
Brysch sagte, an dem Ergebnis werde ĂŒberdeutlich, dass keinesfalls immer Patientinnen und Patienten unnötig in Arztpraxen strömten. "Vielmehr sind es oft niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner, die lukrative Arzt-Patienten-Kontakte in die Höhe treiben." Das Bundesgesundheitsministerium Ă€uĂerte sich auf Anfrage zunĂ€chst nicht nĂ€her zur gefundenen Lösung. Der Beschluss des Bewertungsausschusses sei am Freitag eingegangen und werde nun auf die Vereinbarkeit mit dem geltenden Recht geprĂŒft, sagte ein Sprecher.
Kassen setzen auf mehr Jahresrezepte
Der Kassen-Spitzenverband sieht in der Regelung "eine gute Nachricht", denn bestimmten chronisch Kranken könnten dadurch unnötige Wege erspart werden. Sprecher Florian Lanz betonte zugleich: "Wir erwarten, dass infolge dieser neuen Pauschale durch die Ărzte vermehrt Jahresrezepte ausgestellt werden." Heute fĂŒhrten einfache Wiederholungsrezepte zu unnötigen Terminen, die dann fĂŒr alle frei wĂŒrden. UnabhĂ€ngig davon stehe Chronikern der Zugang zum Arzt oder zur Ărztin selbstverstĂ€ndlich wie bisher offen.
Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband hatte die Lösung bereits scharf als "BankrotterklĂ€rung des Systems der Selbstverwaltung" im Gesundheitswesen kritisiert. "Herausgekommen ist eine chaotische Halbjahrespauschale fĂŒr einen sehr kleinen Kreis von Chronikern, die die Praxen mehr belastet als entlastet." FĂŒr den allergröĂten Teil der Chronikerversorgung Ă€ndere sich gar nichts.
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