ROUNDUP, Geburtenrate

Warum die Geburtenrate in Deutschland sinkt

01.07.2026 - 13:26:51 | dpa.de

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist auf den niedrigsten Wert seit rund 30 Jahren gesunken.

Der als Geburtenrate bezeichnete Wert betrug vergangenes Jahr 1,32, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das sind demnach 2,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Noch niedriger sei die Geburtenrate 1994 mit einem Tiefstwert von 1,24 Kindern je Frau gewesen, 1996 lag sie dann ebenfalls bei 1,32. "Die damals Geborenen bilden die derzeit relativ kleine Generation potenzieller Eltern", erklÀrten die Statistiker. Wie das Bundesamt bereits zuvor bekanntgab, war die Zahl der Geburten 2025 infolge dieser Entwicklung auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken - und zwar auf 654.241 Babys.

Experte: Krisen fĂŒhren zu Aufschub der Familienplanung

Laut dem Bundesamt ist die Geburtenrate seit dem Jahr 2022 kontinuierlich zurĂŒckgegangen. "Das liegt an den multiplen Krisen, die die Menschen verunsichern", sagt Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut fĂŒr Bevölkerungsforschung. Von Kriegen ĂŒber wirtschaftliche Probleme bis zur Klimakrise: All das fĂŒhre dazu, dass die Familienplanung aufgeschoben werde.

"Die Auswirkungen zeigen sich dann in etwa 20 Jahren, wenn eine Generation auf den Arbeitsmarkt geht, die ein Drittel kleiner ist als die Elterngeneration", sagt Bujard. Das habe massive Auswirkungen auf die Sozialsysteme.

Laut dem Experten liegt es an der Politik, zu handeln, etwa was Wohnraum oder Kinderbetreuung betreffe. Aber auch die Gesellschaft sei gefragt: "Wir brauchen ein zukunftsoptimistisches Narrativ. Wir mĂŒssen raus aus dem Krisen-Narrativ, denn wir leben immer noch in einer recht wohlhabenden Gesellschaft."

RĂŒckgang sowohl bei deutschen als auch bei auslĂ€ndischen Frauen

Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,20 Kinder - ein Ă€hnlich niedriger Wert wurde den Angaben zufolge zuletzt vor knapp 30 Jahren im Jahr 1996 gemessen (1,22). Im Vergleich zum Vorjahr ging die Geburtenrate um 2,8 Prozent zurĂŒck.

Bei Frauen mit auslĂ€ndischer Staatsangehörigkeit lag die Geburtenrate bei 1,78 Kindern, das entspricht einem Minus von 3,3 Prozent. "Die GeburtenhĂ€ufigkeit der auslĂ€ndischen Frauen geht seit 2017 mit Ausnahme des Jahres 2021 kontinuierlich zurĂŒck", erklĂ€rte das Bundesamt.

Und: Die Eltern sind bei der Geburt ihrer Kinder tendenziell immer Ă€lter. So waren die MĂŒtter im vergangenen Jahr bei einer Geburt - unabhĂ€ngig davon, ob es die Geburt des ersten Kindes oder eines weiteren Kindes war - im Schnitt 31,9 Jahre und die VĂ€ter 34,8 Jahre alt. Zwischen 1991 und 2025 nahm das Durchschnittsalter bei MĂŒttern um 4,0 Jahre (1991: 27,9 Jahre) und bei VĂ€tern um 3,8 Jahre (1991: 31 Jahre) zu.

Unterschiede zwischen den BundeslÀndern

Laut den Daten gibt es auch Unterschiede zwischen den BundeslÀndern: Die niedrigste zusammengefasste Geburtenziffer - so der statistische Begriff - wurde vergangenes Jahr mit 1,16 Kindern je Frau in Sachsen errechnet, die höchste mit 1,38 in Niedersachsen.

Niedersachsen ist der Statistik zufolge bereits seit 2018 das Land mit der höchsten GeburtenhÀufigkeit. Allerdings sank auch hier die Geburtenziffer zum ersten Mal seit 16 Jahren unter 1,40.

Und wie steht es zwischen Ost und West? "Die GeburtenhĂ€ufigkeit in den östlichen FlĂ€chenlĂ€ndern war mit 1,22 Kindern je Frau geringer als in den westlichen BundeslĂ€ndern mit 1,34 Kindern je Frau", hieß es. Am höchsten in Ostdeutschland war die Geburtenrate in Brandenburg (1,30).

Wo steht Deutschland im europÀischen Vergleich?

Laut Daten des europÀischen Statistikamts Eurostat lag die EU-weite Geburtenrate je Frau im Jahr 2024 - das sind die aktuellsten Zahlen - bei 1,34 Kindern pro Frau. Die EU-weit höchste Geburtenziffer von 1,72 Kindern je Frau hatte Bulgarien. Am niedrigsten war die Geburtenziffer demnach in Malta mit 1,01 Kindern je Frau.

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