Erholung am Frankfurter Flughafen zieht sich hin - Aktie sackt ab
19.03.2024 - 10:30:44Zwar verdiente der Betreiber Fraport DE0005773303 2023 im TagesgeschĂ€ft so viel wie nie zuvor, und Vorstandschef Stefan Schulte nimmt sich fĂŒr 2024 und darĂŒber hinaus weitere Steigerungen vor. Das Passagieraufkommen an Deutschlands gröĂtem Airport dĂŒrfte im laufenden Jahr mit 61 bis 65 Millionen FluggĂ€sten jedoch noch deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau bleiben. Und die Fraport-AktionĂ€re sollen weiter auf eine Dividende verzichten. An der Börse kamen die Nachrichten vom Dienstagmorgen schlecht an.
Am Morgen verlor die Fraport-Aktie rund fĂŒnf Prozent auf 49,03 Euro und war damit gröĂter Verlierer im MDax DE0008467416, dem Index der mittelgroĂen Werte. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier mehr als zehn Prozent eingebĂŒĂt.
Nach dem GeschĂ€ftseinbruch infolge der Corona-Pandemie legte das GeschĂ€ft des Fraport-Konzerns im vergangenen Jahr krĂ€ftig zu. In Frankfurt stieg das Passagieraufkommen um 21 Prozent auf 59,4 Millionen FluggĂ€ste. Und an seinen FlughĂ€fen in Griechenland und der TĂŒrkei zĂ€hlte der Konzern so viele Passagiere wie nie zuvor. In Frankfurt blieb das Aufkommen jedoch noch 16 Prozent unter dem Rekordwert von 70,6 Millionen FluggĂ€sten aus dem Jahr 2019.
Trotzdem verdiente Fraport 2023 im TagesgeschÀft so viel wie nie zuvor. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel auf vier Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebitda) wuchs um 17 Prozent auf den Rekordwert von 1,2 Milliarden Euro, wie der Konzern am Dienstag in Frankfurt mitteilte.
Unter dem Strich entfiel auf die Fraport-AktionĂ€re ein Gewinn von 393 Millionen Euro und damit rund dreimal so viel wie im Vorjahr. Auf eine GewinnausschĂŒttung mĂŒssen die Anteilseigner jedoch erneut verzichten: Wegen des hohen Schuldenbergs aus der Corona-Krise sowie Investitionen will der Konzern fĂŒr 2023 und auch fĂŒr 2024 keine Dividende zahlen.
Das soll sich erst Ă€ndern, wenn die Nettoschulden des Konzerns auf etwa das FĂŒnffache des operativen Gewinns geschrumpft sind. Im vergangenen Jahr lagen sie noch beim 6,4-Fachen. Die Streichung der Dividende trifft besonders das Land Hessen und die Stadt Frankfurt: Sie halten zusammen gut die HĂ€lfte der Fraport-Aktien.
Der Fraport-Vorstand will nun die Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben und setzt dabei auch auf kĂŒnstliche Intelligenz. Bis zum Jahr 2030 soll der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 2 Milliarden Euro steigen. FĂŒr das laufende Jahr nimmt sich Schulte einen Anstieg auf 1,26 bis 1,36 Milliarden Euro vor.
Mit seinen GeschĂ€ftszahlen von 2023 schnitt der Flughafenbetreiber etwa so ab, wie von Analysten im Schnitt erwartet. FĂŒr 2024 hatten sich Experten jedoch eher mehr versprochen: Im Schnitt gingen sie von 64 Millionen FluggĂ€sten in Frankfurt und einem operativen Gewinn von 1,34 Milliarden Euro aus. Damit lagen sie jeweils fast am oberen Ende dessen, was Schulte sich zum Ziel gesetzt hat.
Der Fraport-Chef fĂŒhrt die schleppende Erholung in Frankfurt auf die hohen Kosten in Deutschland zurĂŒck. So hĂ€tten sich die staatlich regulierten Abgaben und GebĂŒhren seit 2019 verdoppelt. Mit der geplanten Erhöhung von Luftverkehrssteuer und LuftsicherheitsgebĂŒhr verschlechterten sich die Rahmenbedingungen hierzulande weiter, sagte der Manager und forderte "eine politische Kehrtwende".

