EU verhÀngt Rekordstrafe gegen AliExpress wegen FÀlschungen
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 12:12 Uhr | dpa.deDer chinesische Online-Riese muss 550 Millionen Euro zahlen, unter anderem weil gefÀlschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gefÀhrliche Kosmetika widerrechtlich wochenlang nicht von der Plattform genommen wurden, wie die EuropÀische Kommission mitteilte.
Das Unternehmen, das zum Alibaba KYG017191142-Konzern gehört, hat demnach nicht genug getan, um die Verbraucher in der EU vor solchen Produkten zu schĂŒtzen. Die HĂ€ndler, die von AliExpress eigentlich fĂŒr den Verkauf illegaler Produkte auf der Online-Plattform bestraft werden sollten, kamen nach Ansicht der EU-Kommission zum Teil davon. Sie hĂ€tten ihr GeschĂ€ft oft weiterbetreiben können, heiĂt es in der Mitteilung.
Dem Online-Riesen wird demnach auch vorgeworfen, nicht genug Personal fĂŒr die ĂberprĂŒfung potenziell illegaler Produkte zu haben. Die Kontrolleure haben laut EU-Kommission zu viel Arbeit. Zudem wĂŒrden die rechtswidrigen Produkte sogar empfohlen oder beworben, bevor AliExpress sie von der Plattform entferne. Tests der BrĂŒsseler InternetwĂ€chter hĂ€tten gezeigt, dass trotz der Ăberwachungsversuche der Firma folglich eine Vielzahl von gefĂ€lschten T-Shirts, Schuhen oder unsicherem Kinderspielzeug zirkulierten.
EU: FĂ€lschungen auf AliExpress besonderes Problem
Die BrĂŒsseler Behörde hob dabei FĂ€lschungen hervor, die auf der Plattform angeboten wĂŒrden. Die VerkĂ€ufer solcher Produkte unterbieten nach EinschĂ€tzung der EU-Kommission seriöse Unternehmen, die in Design, SicherheitsprĂŒfungen und Innovation investierten. Sie zwĂ€ngen diese, mit Produkten zu konkurrieren, bei denen diese Investitionen umgangen wĂŒrden, teilt die EU-Kommission mit. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen sagte, das Verhalten von AliExpress gefĂ€hrde Verbraucher in Europa, aber es sei auch unfair gegenĂŒber den Unternehmen, die sich an alle Gesetze hielten.
AliExpress gehört zu den asiatischen Online-HÀndlern, die auch dem deutschen Einzelhandel Sorgen bereiten. Neben dem Branchenriesen Amazon US0231351067 spielen Plattformen wie Temu, Shein und eben AliExpress eine wachsende Rolle in Europa. Auf die Anbieter entfielen im zweiten Quartal 5,3 Prozent der OnlinehandelsumsÀtze in Deutschland - ein Rekordwert, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland berichtete. Beliebt sind sie vor allem wegen ihrer niedrigen Preise.
Europas Zoll ist dementsprechend mit einer wachsenden Paketflut aus dem Ausland konfrontiert. Um den unerwĂŒnschten Billigimporten etwas entgegenzusetzen, wird in der EU seit diesem Monat fĂŒr jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro fĂ€llig.
AliExpress machte 2025 ZugestÀndnisse
In dem nun in einer Millionenstrafe mĂŒndenden Verfahren gegen AliExpress hatte der chinesische Online-HĂ€ndler eigentlich vor gut einem Jahr bereits ZugestĂ€ndnisse gemacht. Das Unternehmen wollte insbesondere gegen illegale und potenziell gefĂ€hrliche Produkte wie Arzneimittel und NahrungsergĂ€nzungsmittel vorgehen. Damals hatte die EU-Kommission diese Zusagen der Firma zunĂ€chst akzeptiert, aber damit nicht alle ihre Kritikpunkte ausgerĂ€umt gesehen.
Nun hat AliExpress bis zum 20. Oktober Zeit, einen Aktionsplan zur Nachbesserung in BrĂŒssel vorzulegen. Sollte die EU-Kommission mit den vorgeschlagenen MaĂnahmen einverstanden sein, setzt sie eine Frist, bis wann diese umgesetzt werden mĂŒssten. Ist die BrĂŒsseler Behörde der Ansicht, dass AliExpress in der Sache nicht ausreichend mitarbeitet, könnte die EU auch tĂ€gliche Strafen verhĂ€ngen.
Rekordstrafe - aber weit unter Möglichkeiten
Das Verfahren lĂ€uft unter dem Gesetz ĂŒber digitale Dienste (DSA), das seit Februar 2024 gilt und das scharfe Schwert gegen Online-Riesen sein soll. Die groĂen Plattformen mĂŒssen sich wegen des DSA an deutlich strengere Vorschriften halten. Ansonsten mĂŒssen sie mit empfindlichen Strafen rechnen: bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des gesamten Konzerns, in diesem Fall also Alibaba, sind möglich.
Zwar ist die Strafe fĂŒr AliExpress die bisher höchste unter dem DSA. Sie liege aber trotzdem weit unter der möglichen Höchststrafe von ĂŒber sieben Milliarden Euro, sagte eine EU-Beamte. Der betrachtete Jahresumsatz des Alibaba-Konzerns lag laut EuropĂ€ischer Kommission bei etwa 120 Milliarden Euro.
Ende Mai 200-Millionen-Strafe gegen Temu
Ăhnlich wie das Verfahren gegen AliExpress mĂŒndete zuletzt auch das Verfahren gegen den chinesischen Online-Marktplatz Temu in einer Millionenstrafe. Vor knapp zwei Monaten verlangte die EU-Kommission 200 Millionen Euro vom Unternehmen - ebenfalls wegen des Verkaufs illegaler Produkte. Verbraucher in der EU stieĂen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Temu auf illegale Artikel, hatte die BrĂŒsseler Behörde mitgeteilt.
