EU-Kommission lÀsst Wirkstoff von Biogen und Eisai gegen Alzheimer zu
15.04.2025 - 16:41:32 | dpa.deDer Antikörper Lecanemab sei fĂŒr eine Behandlung im frĂŒhen Stadium und das erste Medikament dieser Art, das in der EU zugelassen werde, teilte die Kommission mit. Fachleuten zufolge kommt nur ein sehr kleiner Teil der Alzheimer-Patienten fĂŒr diese Therapie infrage. Der Wirkstoff wurde von den Firmen Biogen US09062X1037 und Eisai JP3160400002 entwickelt.
Das Medikament, das in einigen Monaten verfĂŒgbar sein könnte, soll die Krankheit ein wenig verlangsamen. Die Zulassung unterliegt laut EU-Kommission strengen Auflagen. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen des Arzneimittels bei einer bestimmten Gruppe von Patienten und unter bestimmten Voraussetzung die Risiken ĂŒberwiege.
Die BrĂŒsseler Behörde folgte mit der Zulassung der Empfehlung der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Bisherige Alzheimer-Therapien behandeln nur Symptome der Krankheit, nicht ursĂ€chliche Prozesse im Gehirn.
Das ist bei Lecanemab anders: Der Antikörper richtet sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und soll dadurch den Verlauf der Krankheit in einem frĂŒhen Stadium verlangsamen. Um Heilung oder Verbesserung geht es allerdings auch bei diesem Wirkstoff nicht - ein solches Mittel ist weiterhin nicht in Sicht.
Minimale Verzögerung
HauptmaĂstab fĂŒr die Wirksamkeit der Therapie war die VerĂ€nderung der kognitiven und funktionellen Symptome nach 18 Monaten, die anhand einer von 0 bis 18 reichenden Demenzbewertungsskala gemessen wurde, wie es von der EMA hieĂ. Mit Lecanemab behandelte Patienten wiesen im Mittel einen etwas geringeren Anstieg des Wertes auf (1,22 gegenĂŒber 1,75).
Fraglich ist Experten zufolge, wie alltagsrelevant diese leichte Verzögerung ist. "Sobald das Vollbild einer Alzheimer-Erkrankung vorliegt, sind die statistisch beschriebenen Effekte fĂŒr den Patienten und sein Umfeld zumeist nicht mehr wahrnehmbar", sagte Walter Schulz-Schaeffer vom UniversitĂ€tsklinikum des Saarlandes in Homburg.
Experten zufolge wird es noch einige Monate dauern, bis das Mittel wirklich eingesetzt werden kann - unter anderem, weil der Hersteller verpflichtet wurde, ausfĂŒhrliche Handreichungen und Schulungen fĂŒr Ărzte auszuarbeiten und ein Beobachtungsregister anzulegen. Das Medikament wird alle zwei Wochen intravenös verabreicht.
Nur im Anfangsstadium einsetzbar
Zugelassen ist Lecanemab nur zur Behandlung von leichter kognitiver BeeintrĂ€chtigung (GedĂ€chtnis- und Denkstörungen) oder leichter Demenz in einem frĂŒhen Stadium der Alzheimer-Krankheit. Der Grund ist, dass eine Entfernung der Amyloid-Plaques nichts mehr nĂŒtzt, wenn diese schon irreversible SchĂ€den im Gehirn angerichtet haben.
Hinzu kommt eine weitere EinschrĂ€nkung: Das Mittel soll nur fĂŒr diejenigen Alzheimer-Patienten verwendet werden, die eine oder keine Kopie von ApoE4, einer bestimmten Form des Gens fĂŒr das Protein Apolipoprotein E, haben. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit fĂŒr bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen - Schwellungen und Blutungen im Gehirn - geringer als bei Menschen mit zwei ApoE4-Kopien.
Nur fĂŒr etwa jeden 60. Alzheimer-Kranken
Von den geschĂ€tzt etwa 1,2 Millionen Alzheimer-Erkrankten in Deutschland kommt Experten des Deutschen Zentrums fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zufolge letztlich nur ein sehr kleiner Teil fĂŒr die neue Therapie infrage. Als frĂŒhe Phase - und damit die mögliche Phase fĂŒr eine Antikörpertherapie - sind demnach die ersten drei Jahre zu werten. Das sind in Deutschland aktuell schĂ€tzungsweise etwa 250.000 Menschen.
80 Prozent davon kommen mit Blick auf ApoE4 infrage. Nicht jeder dieser Patienten erfĂŒllt aber alle Voraussetzungen fĂŒr die Therapie und ist zudem daran interessiert. Konservativ geschĂ€tzt sind es Experten zufolge etwa zehn Prozent. In der Summe dieser Faktoren könnten das etwa 20.000 Patienten sein.
Bei Frauen ist der beobachtete klinische Effekt allerdings noch einmal deutlich geringer als bei MĂ€nnern - ihr Risiko fĂŒr Nebenwirkungen hingegen höher. Ob sie ĂŒberhaupt von einer Behandlung profitieren, ist der Alzheimer Forschung Initiative zufolge noch unklar. Rund zwei Drittel aller Menschen mit Alzheimer sind Frauen.
Mangelnde KapazitÀten, hohe Kosten
Ausreichend KapazitĂ€ten fĂŒr die nun zugelassene Therapie gibt es bisher wohl nicht. "Ich gehe bei uns in Köln von um die 100 Patienten aus, die wir pro Jahr behandeln können. Und wir sind ein groĂes Zentrum", sagte der Neurologe ĂzgĂŒr Onur von der Uniklinik Köln.
Unklar sind auch die Medikamentenkosten fĂŒr Lecanemab in Europa. In den USA seien es etwa 26.500 US-Dollar (ca. 23.000 Euro) jĂ€hrlich pro Patient, hatte Johannes Levin vom DZNE Ende letzten Jahres gesagt. Hinzu kommen demnach im Vorfeld einmalige Kosten fĂŒr die Diagnostik in Höhe von geschĂ€tzt 1.400 bis 5.000 Euro. Die Kosten fĂŒr die Verabreichung des Medikaments lĂ€gen groben SchĂ€tzungen zufolge bei etwa 6.000 bis 8.000 Euro jĂ€hrlich, sagte der Experte. Lecanemab wird als intravenöse Infusion alle zwei Wochen verabreicht.
Nebenwirkungen mĂŒssen streng ĂŒberwacht werden
Die in Studien erfassten Schwellungen und Mikroblutungen im Gehirn von Patienten blieben zwar ĂŒberwiegend ohne Symptome und wurden meist erst durch bildgebende Verfahren bemerkt. Insbesondere bei wiederholtem Auftreten drohen jedoch eine verminderte Gehirnleistung oder Koordinationsschwierigkeiten. Mikroblutungen gelten zudem als Risikofaktor fĂŒr gröĂere, potenziell lebensbedrohliche Hirnblutungen. Die meisten von Alzheimer Betroffenen sind Ă€lter als 80 Jahre, nur in seltenen FĂ€llen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr.
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