EU-Kommission will Defizitverfahren gegen Finnland starten
25.11.2025 - 16:31:02 | dpa.deDas Land weise ein ĂŒbermĂ€Ăiges Defizit auf, teilte die fĂŒr die Einhaltung von EU-Schuldenregeln zustĂ€ndige BrĂŒsseler Behörde mit. Ziel sogenannter Defizitverfahren ist es, Staaten zu solider HaushaltsfĂŒhrung zu bringen.
Voriges Jahr habe das staatliche Defizit des nordeuropĂ€ischen Landes bei mehr als 3,0 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit ĂŒber der EU-Obergrenze gelegen. Nach Angaben der Kommission wird erwartet, dass das Defizit Helsinkis voraussichtlich bis 2025 auf 4,5 Prozent steigt, bevor es 2026 leicht auf 4,0 Prozent und 2027 auf 3,9 Prozent zurĂŒckgeht.
Die Neuverschuldung lasse sich nur teilweise durch den Anstieg der Verteidigungsausgaben erklĂ€ren, so die BrĂŒsseler Behörde. Wenn Schulden durch höhere Verteidigungsausgaben verursacht werden, gibt es eine Ausnahmeregel.
Ausnahme bewahrt Deutschland vor Defizitverfahren
Diese Ausnahme bewahrt Deutschland davor, dass die BrĂŒsseler Behörde ein Verfahren gegen die Bundesrepublik auf den Weg bringt. Denn obwohl die Bundesregierung neue Milliardenschulden plant, lĂ€sst sich die Ăberschreitung der Drei-Prozent-Grenze laut Kommission "vollstĂ€ndig" durch den Anstieg der Verteidigungsausgaben erklĂ€ren. Gegen viele andere EU-LĂ€nder laufen derzeit Defizitverfahren.
Das Verfahren gegen Finnland muss noch von den EU-Finanzministern gebilligt werden. Mit dem Prozedere soll vor allem die StabilitĂ€t der Eurozone gesichert werden. Theoretisch sind bei anhaltenden VerstöĂen auch Strafen in Milliardenhöhe möglich. In der Praxis wurden diese aber noch nie verhĂ€ngt.
Finnland hat mit Verfahren gerechnet
FĂŒr groĂe Ăberraschung sorgte die Bekanntgabe der EU-Kommission in Helsinki nicht. Die rechtspopulistische Finanzministerin Riikka Purra hatte bereits vergangene Woche gewarnt, dass Finnland wahrscheinlich ein entsprechendes Prozedere blĂŒhe. Der Schritt sei zu erwarten gewesen, erklĂ€rte der konservative MinisterprĂ€sident Petteri Orpo nun auf der Plattform X.
Selbst eine Anpassung des Defizits um zehn Milliarden Euro wĂŒrde den hauptsĂ€chlich durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verursachten Schaden fĂŒr die finnische Wirtschaft nicht beheben, schrieb er. Die MaĂnahmen seiner Regierung seien richtig gewesen und mĂŒssten fortgesetzt werden. Eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung werde mindestens zwei Jahre dauern.
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