ROUNDUP, G20

G20 ohne Trump, Putin, Xi - EU will LĂŒcke nutzen

21.11.2025 - 14:57:55

Die EuropÀische Union will den Boykott des G20-Gipfels durch US-PrÀsident Donald Trump zu ihrem Vorteil nutzen.

Vor Beginn des Treffens im sĂŒdafrikanischen Johannesburg priesen KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa die EU als verlĂ€sslichen Partner an, mit dem es sich lohne, fairen Handel zu treiben.

Deutschland wird von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) beim Gipfel am Samstag und Sonntag vertreten. Greifbare Ergebnisse sind vor allem wegen des Fernbleibens der USA kaum zu erwarten.

Gastgeber SĂŒdafrika will den Kampf gegen die Ungerechtigkeit in der Welt zum zentralen Thema machen. Am Rande dĂŒrften allerdings auch die jĂŒngsten Entwicklungen im Ukraine-Krieg fĂŒr GesprĂ€chsstoff bei den Staats- und Regierungschefs sorgen.

Eine Initiative der USA, den russischen Angriffskrieg zu beenden, stĂ¶ĂŸt bei EuropĂ€ern auf Kritik. Sie befĂŒrchten, dass die Interessen der Ukraine zu kurz kommen werden und Russland fĂŒr seine Aggression belohnt wird.

EU inszeniert sich als Gegenteil der Trump-Regierung

FĂŒr den ersten G20-Gipfel auf dem afrikanischen Kontinent hat SĂŒdafrikas PrĂ€sident Cyril Ramaphosa die Themen "SolidaritĂ€t, Gleichheit und Nachhaltigkeit" auf die Tagesordnung gesetzt. Es geht ihm unter anderem um die Erleichterung der Schuldenlast von Schwellen- und EntwicklungslĂ€ndern, eine gerechte Energiewende, faire und saubere Nutzung seltener Mineralien, faire Lastenteilung beim Klimaschutz und ErnĂ€hrungssicherheit.

Niemand könne die globalen Herausforderungen allein angehen, sagte EU-RatsprĂ€sident Costa. "Die EuropĂ€ische Union ist hier. Wir sind berechenbare, verlĂ€ssliche und vertrauenswĂŒrdige Partner." Vor dem Hintergrund der aggressiven US-Handelspolitik sagte KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen: "Wir werden uns weiterhin fĂŒr Partnerschaft, Offenheit und fairen Wettbewerb einsetzen."

Was sagen die EU-Spitzen zu Trumps Rassismus-Vorwurf?

Mit den USA, China und Russland sind die drei mĂ€chtigsten Staaten der G20-Gruppe fĂŒhrender Industrie- und SchwellenlĂ€nder nicht auf Chefebene vertreten: Der chinesische PrĂ€sident Xi Jinping schickt die Nummer zwei im Staat, MinisterprĂ€sident Li Qiang. Der russische Staatschef Wladimir Putin stufte die PrĂ€senz in Johannesburg noch deutlich weiter herunter. Putin lĂ€sst sich vom stellvertretenden Leiter der PrĂ€sidialverwaltung, Maxim Oreschkin, vertreten.

Die US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump boykottiert die Gipfelberatungen komplett. Trump beklagt eine Diskriminierung weißer Minderheiten in SĂŒdafrika, insbesondere der sogenannten Afrikaaner, die Nachfahren niederlĂ€ndischer Siedler sind. Sie fĂŒhrten in SĂŒdafrika bis Anfang der 1990er Jahre das rassistische Apartheid-Regime an, das die schwarze Bevölkerungsmehrheit systematisch diskriminierte.

Fachleute sehen den Völkermord-Vorwurf allerdings als nicht gerechtfertigt an und werfen Trump vor, eine in rechtsextremen Kreisen verbreitete Verschwörungstheorie vom sogenannten "weißen Genozid" aufzugreifen. Auch SĂŒdafrika weist die VorwĂŒrfe als unbegrĂŒndet zurĂŒck.

Von der Leyen und Costa wollten Trumps Behauptungen nicht kommentieren. Beide lobten den aktuellen Vorsitzenden der G20, SĂŒdafrikas PrĂ€sidenten Ramaphosa, der wichtige politische und wirtschaftliche Probleme in der Welt erfolgreich angegangen sei.

Merz will die Reise vor allem fĂŒr GesprĂ€che am Rande nutzen

FĂŒr Bundeskanzler Merz ist es die bislang lĂ€ngste Reise. Erstmals besucht er als Regierungschef Afrika. Vier NĂ€chte - davon zwei im Regierungsflieger - und drei Tage wird der CDU-Chef unterwegs sein. Neben dem G20-Gipfel steht in Angola der EU-Afrika-Gipfel auf dem Programm.

Ungeachtet der Absagen der USA und anderer hielt Merz an seinen ReiseplĂ€nen fest. DafĂŒr werden in seinem Umfeld drei GrĂŒnde genannt: Zum einen will der Kanzler die G20-Gipfel als internationales GesprĂ€chsformat erhalten. Auch will er den Besuch in Johannesburg nutzen, um die Partnerschaft zu Afrika gerade im wirtschaftlichen Bereich zu vertiefen. Und dann bietet der Gipfel die Gelegenheit fĂŒr bilaterale GesprĂ€che, die Merz - sicher auch zum Thema Ukraine-Krieg - ausgiebig nutzen wird. Einige der Teilnehmer hat er bisher nicht nĂ€her kennengelernt, es ist seine G20-Premiere.

@ dpa.de