ROUNDUP, EZB

Keine weitere Zinssenkung in Sicht

30.10.2025 - 16:04:27

Die EuropĂ€ische Zentralbank bleibt angesichts weltweiter Krisen vorsichtig: Die Notenbank lĂ€sst den fĂŒr Sparer und Banken relevanten Einlagenzins zum dritten Mal in Folge unverĂ€ndert bei 2,0 Prozent.

Das entschied der EZB-Rat, der ausnahmsweise in Florenz tagte und nicht am Sitz der Notenbank in Frankfurt.

Damit verharren die Euro-WĂ€hrungshĂŒter nach einer Serie von Zinssenkungen in Lauerstellung, wĂ€hrend die US-Notenbank Fed am Mittwoch die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr senkte. Die EZB hatte schon im Juli und September die Leitzinsen im Euroraum unverĂ€ndert gelassen und auf ein "außergewöhnlich unsicheres Umfeld" hingewiesen.

EZB-PrÀsidentin Christine Lagarde bekrÀftigte in Florenz: "Die Aussichten sind nach wie vor unsicher, insbesondere aufgrund der anhaltenden globalen Handelsstreitigkeiten und geopolitischen Spannungen." Volkswirte rechnen in diesem Umfeld nicht mit weiteren Zinssenkungen im laufenden Jahr.

Leichter AufwÀrtstrend bei Sparzinsen

Vor ihrer Zinspause hatte die EZB die Leitzinsen achtmal binnen eines Jahres gesenkt. Noch im FrĂŒhjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent. Seither sind auch die Sparzinsen deutlich gesunken. Die Leitzinsen der EZB haben weitreichende Auswirkungen an den FinanzmĂ€rkten und beeinflussen etwa die Höhe der Kreditzinsen fĂŒr Unternehmen und die Zinsen fĂŒr Sparer.

Zuletzt beobachtete das Vergleichsportal Verivox wieder leicht steigende Tages- und Festgeldzinsen. Allerdings mache die Inflation den Effekt zunichte, sodass Sparer unter dem Strich Geld verlören - insbesondere mit Tagesgeld, das zuletzt im Schnitt 1,28 Prozent Zinsen abwarf, wĂ€hrend sich die Teuerung etwas ĂŒber der Zwei-Prozent-Marke eingependelt hat.

Inflation im Griff

Wichtigste Aufgabe der EZB ist es, fĂŒr einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Das Ziel sieht die Zentralbank bei einer Inflationsrate von mittelfristig 2,0 Prozent gewĂ€hrleistet. Die nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ausgeuferte Inflation im Euroraum ist eingedĂ€mmt. FĂŒr das laufende Jahr erwartet die EZB eine Teuerungsrate von 2,1 Prozent. Das wĂ€re nur leicht ĂŒber dem Ziel der Notenbank.

Stabile Zinsen erwartet

Zudem hĂ€lt sich die Wirtschaft im Euroraum trotz höherer US-Zölle robuster als angenommen. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Daten von Eurostat um 0,2 Prozent zu - getragen von einstigen KrisenlĂ€ndern wie Spanien und Portugal sowie Frankreich. Zuletzt hatte die EZB ihre Wachstumsprognose fĂŒr dieses Jahr leicht angehoben.

Angesichts der vielen Unruheherde, darunter auch die Regierungskrise in Frankreich, spricht jedoch viel dafĂŒr, dass sich die Notenbank alle Optionen offen halten will. "Bei schwachem Wachstum und stabiler Inflation ist bei der EZB wohl auch mit einem ruhigen Jahresausklang zu rechnen", meint Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust. "Die Zinsen dĂŒrften da bleiben, wo sie sind."

Lagarde bekrĂ€ftigte, die Notenbank sei weiterhin in einer "guten Position". Bei einem Einlagenzins von 2,0 Prozent sehen die Euro-WĂ€hrungshĂŒter Spielraum, um zu reagieren, falls sich die Inflationsrisiken verschieben oder neue Schocks auftreten sollten.

Vorerst Ruhe im Zollstreit

Manche Volkswirte sehen die Inflationsrisiken im Euroraum nicht ganz gebannt. So stiegen die Verbraucherpreise im September auf 2,2 Prozent. Im WÀhrungsraum hÀlt sich zudem die Inflation ohne die stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise hartnÀckig, zuletzt lag diese sogenannte Kerninflation bei 2,3 Prozent. "Die EZB tut gut daran, ihre Leitzinsen nicht weiter zu senken", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrÀmer.

Immerhin: Die Sorgen wegen des Zollstreits mit den USA haben sich abgeschwĂ€cht. Zwar bleibt US-PrĂ€sident Donald Trump unberechenbar, doch mit dem Handelsabkommen zwischen Washington und BrĂŒssel blieb eine Eskalation aus.

@ dpa.de