Aktien Europa: Börsen schwÀcheln weiter
04.09.2024 - 12:35:56Vor allem Technologiewerte werden weltweit aktuell wieder abgestoĂen, wĂ€hrend die VolatilitĂ€t steigt. Anleger sind vorsichtig vor wichtigen US-Arbeitsmarktdaten und der anstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed - auch weil der September oftmals ein eher schwacher Börsenmonat ist.
Der EuroStoxx EU0009658145 fiel zur Mittagszeit um 1,03 Prozent auf 4861,77 ZÀhler, konnte sich dabei aber zunÀchst an seinem 50-Tage-Durchschnitt stabilisieren. Diese Linie ist bei charttechnisch orientierten Anlegern ein beliebter kurz- bis mittelfristiger Indikator.
AuĂerhalb der Eurozone folgte der britische Leitindex FTSE 100 GB0001383545 dem Trend um 0,62 Prozent nach unten auf 8.247,40 Punkte. Der Schweizer Leitindex SMI CH0009980894 fiel auĂerdem um 1,03 Prozent auf 12.220,53 ZĂ€hler.
Laut dem Marktbeobachter JĂŒrgen Molnar vom Broker Robomarkets geht die "Angst vor der zweiten Welle um", denn Anfang August gab es schon einmal einen Ă€hnlichen Kursrutsch, auf den damals aber eine enorme Gewinnstrecke gefolgt war. Diejenigen, die daran glauben, dass die BĂ€ume in Sachen KĂŒnstliche Intelligenz in den Himmel wachsen, hinterfragten dies langsam - auch in BefĂŒrchtung einer stĂ€rkeren Regulierung.
Der gesamteuropĂ€ische Sektorindex Stoxx Europe 600 EU0009658202 Technology EU0009658921 setzte seine Talfahrt daher fort mit einem Abschlag von 2,6 Prozent. Sinnbild der Situation ist die Nvidia US67066G1040-Aktie, die am Vorabend in New York mit einem Kursrutsch um fast zehn Prozent 280 Milliarden US-Dollar an Börsenwert vernichtete. Auch in Asien korrigierten Chipwerte bei etwas ernĂŒchtertem Hype um KĂŒnstliche Intelligenz (KI).
Frank Wohlgemuth von der National-Bank verwies am Mittwoch auf die hohe Gewichtung des Tech-Sektors, die das Gesamtbild an den AktienmĂ€rkten mittlerweile von wenigen Werten abhĂ€ngig mache. "Nach den markanten Zugewinnen der letzten Wochen halten wir ein 'Durchatmen' der AktienmĂ€rkte fĂŒr nicht ĂŒberraschend", schrieb der Experte. Er geht davon aus, dass sie ihren AufwĂ€rtstrend im Fahrwasser erwarteter Zinssenkungen grundsĂ€tzlich fortsetzen können.
ASML NL0010273215 als drittgröĂtes europĂ€isches Börsenunternehmen ist mit umgerechnet 326 Milliarden Dollar nicht viel mehr wert als das, was Nvidia am Mittwoch an einem Tag einbĂŒĂte. Nachdem die UBS ihre bisherige Kaufempfehlung aufgegeben hatte, fielen die Titel des Halbleiterindustrie-AusrĂŒsters am Mittwoch um mehr als fĂŒnf Prozent. Analyst Francois-Xavier Bouvignies traut dem Unternehmen nicht mehr so hohe Ergebnissteigerungen zu, wie in jĂŒngster Zeit gewohnt.
Im EuroStoxx waren neben ASML auch die Aktien des deutschen Chipkonzerns Infineon DE0006231004 mit etwa drei Prozent ein groĂer Verlierer. Dahinter tauchten dann die beiden LuxusgĂŒterwerte LVMH FR0000121014 und Kering FR0000121485 auf mit jeweils mehr als zwei Prozent Minus. Hier wurde als Belastung auf erneut enttĂ€uschende Konjunkturdaten aus China verwiesen - einem fĂŒr LuxusgĂŒter besonders wichtigen Markt.
Anleger zogen sich generell in Werte mit defensiverem Charakter zurĂŒck, vor im Lebensmittel- und KonsumgĂŒterbereich. Daher gehörten die Aktien von Danone FR0000120644 mit einem Anstieg um 1,1 Prozent zu den besten EuroStoxx-Werten, knapp hinter der Deutschen Börse, deren Aktien von der britischen Barclays-Bank eine positive Empfehlung bekommen hatten.
Auch Telekommunikations- und Immobilienwerte entwickelten sich robust. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux traut vor allem deutschen Immobilienwerten wieder eine ĂŒberdurchschnittliche Kursentwicklung zu, denn deren Bewertung sei im historischen Vergleich weiter attraktiv. Die Experten erwĂ€hnten dabei den begonnenen Zinssenkungszyklus der EuropĂ€ischen Zentralbank als Treiber.

