Börse Frankfurt-News: Anleihen: Nach der EZB kommt die Fed
25.07.2025 - 15:04:36Das bewegt die Anleihekurse. Im Fokus steht jetzt der Fed-Termin am kommenden Mittwoch. Im Segment der Unternehmensanleihen gerÀt ein Bond von The Platform Group unter Druck.
25. Juli 2025. Die Sitzung der EuropĂ€ischen Zentralbank hat in dieser Woche die AnleihemĂ€rkte dominiert. Dass die Leitzinsen erstmals seit Juli 2024 unverĂ€ndert geblieben sind, war dabei noch erwartet worden. Eine Ăberraschung lieferte jedoch der Ausblick. "Notenbankchefin Lagarde hĂ€lt zwar die TĂŒr fĂŒr eine weitere Zinssenkung im spĂ€teren Jahresverlauf offen, lĂ€sst jedoch erkennen, dass bis auf Weiteres kein Handlungsdruck bestehe", fasst Elmar Völker von der LBBW zusammen. Daraufhin stieg die Rendite der zehnjĂ€hrigen Bundesanleihe auf 2,75 Prozent, nachdem sie zuvor am Dienstag unter die Marke von 2,60 Prozent gefallen war.
"Die Stimmung hat sich etwas gedreht", stellt Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Demnach taxiert der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September aktuell nur noch auf 30 Prozent. "Vor der EZB-Sitzung waren es noch 47 Prozent". Laut Ilona Korsch von Hauck AufhĂ€user Lampe mĂŒsste sich die konjunkturelle Entwicklung schon "deutlich verschlechtern, um mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von einer weiteren Leitzinssenkung auszugehen".
Auch Tim Oechsner von der Steubing AG erwartet, dass sich der Zyklus der Zinssenkungen nach acht Schritten "am Ende befindet".
Fed-Sitzung unter politischem Druck
In der kommenden Wochen sind alle Augen auf die US-amerikanische Notenbank gerichtet. Zwei von US-PrĂ€sident Donald Trump nominierte Fed-Mitglieder haben sich zuletzt offen fĂŒr eine Senkung der Leitzinsen gezeigt. "Nach dem Tenor der anderen Geldpolitiker zu schlieĂen, bleibt dies aber eine Minderheitsmeinung", schreiben die Strategen der Helaba, die deshalb nicht mit einer ZinsĂ€nderung rechnen.
Christian Reicherter von der DZ Bank stellt sich auf eine "kontroverse Debatte im Federal Open Market Committee (FOMC)" ein. Weil die Zölle und ihre Auswirkungen auf die zukĂŒnftige Inflations- und Konjunkturentwicklung ein Unsicherheitsfaktor bleiben und sich der US-Arbeitsmarkt bislang als "weitgehend solide" prĂ€sentiert, bestehe fĂŒr die Notenbank aber "keine Eile, die Zinsen weiter zu senken". Erst eine klare AbschwĂ€chung des US-Arbeitsmarkts im Herbst könnte neue ZinsspielrĂ€ume eröffnen.
Auch Oechsner ist der Ansicht, dass die Fed aktuell "nicht unter Druck steht, die Geldpolitik schnell lockern zu mĂŒssen". Angesichts der hohen konjunkturellen Unsicherheit und des robusten Arbeitsmarktes sei Geduld offenbar das Gebot der Stunde. "Das dĂŒrfte Donald Trump nicht gefallen", ergĂ€nzt der Anleihe-HĂ€ndler.
Der US-PrĂ€sident hatte sich zuletzt mehrfach kritisch zu dem "Nicht-Handeln" der Notenbank geĂ€uĂert und Fed-Chef Jerome Powell öffentlich angezĂ€hlt. Der ist offiziell noch bis Mai 2026 im Amt. Die politische Wett-Seite "PredictIt.org" gibt einem frĂŒhzeitigen Abgang Powells noch im Jahr 2025 nach Informationen der Helaba derzeit eine Chance von rund 20 Prozent.
Medienberichte sorgen fĂŒr Verkaufsdruck
An der Börse Frankfurt berichtet Brunner von "guten UmsĂ€tzen" mit einer noch drei Jahre laufenden Anleihe von The Platform Group (NO0013256834). Deren Kurs war in den vergangenen sechs Wochen recht stetig gestiegen, bevor jetzt Verkaufsdruck aufkam. Hintergrund dĂŒrfte ein sehr kritischer Artikel im "Manager Magazin" sein.
Gesucht sind hingegen eine hochverzinsliche Anleihe des Autozulieferers Booster Precision Components GmbH (NO0012713520) und ein Bond der ABO Energy GmbH & Co. KGaA (DE000A3829F5).
Zudem nutzen Anlegerinnen und Anleger die gesunkenen Kurse von Anleihen etablierter Unternehmen fĂŒr einen Einstieg. "Die bevorzugte Laufzeit betrĂ€gt unverĂ€ndert ca. drei bis fĂŒnf Jahre", konkretisiert Brunner. Als Beispiel nennt er einen Bond von Volkswagen Financial Services (XS2152061904), der 2028 fĂ€llig wird. Die Gewinnwarnung des VW-Konzerns zum Wochenschluss hat bislang keine Auswirkungen auf den Kurs der Anleihe gehabt.
Von Thomas Koch, 17. Juli 2025, © Deutsche Börse AG
(FĂŒr den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die BeitrĂ€ge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

